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Proteste begleiten Gründung der AfD-Jugend in Niedersachsen

Ein Bundestagsabgeordneter führt die neue AfD-Jugendorganisation in Niedersachsen. Die Gründung erfolgt kurz nach der Hochstufung der Partei durch den Verfassungsschutz – und unter Protesten vor Ort.

21.02.2026

Micha Fehre ist Vorsitzender des Landesverbands der Generation Deutschland in Niedersachsen.Lars Penning/dpa

Micha Fehre ist Vorsitzender des Landesverbands der Generation Deutschland in Niedersachsen.Lars Penning/dpa

© Lars Penning/dpa

Begleitet von Protesten ist die AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland nun auch in Niedersachsen mit einem Landesverband vertreten. Zum Vorsitzenden wurde der 28-jährige Bundestagsabgeordnete Micha Fehre gewählt, wie die Jugendorganisation im Anschluss an ihre Gründungsveranstaltung in Dötlingen (Landkreis Oldenburg) mitteilte. Der Verfassungsschutz hatte die AfD Niedersachsen erst in dieser Woche als extremistische Bestrebung eingestuft. 

Die neu gegründete Jugendorganisation machte keine Angaben zur Anzahl ihrer Mitglieder. „Wir erfreuen uns sehr großer Beliebtheit“, sagte der Vorsitzende.

Welche Schwerpunkte die Jugendorganisation setzen möchte

Die Jugendorganisation wolle „junge Menschen ermutigen, aktiv zu sein und Gesicht zu zeigen“, sagte Fehre. „Wir sind eine Talentschmiede.“ Der Unternehmer gehört als Beisitzer dem AfD-Landesvorstand an, für den Bundestag trat er im Wahlkreis Stadt Hannover II an. Das Direktmandat holte er dort jedoch nicht, sondern zog über die Landesliste ein. „Inhaltlich sind wir keinesfalls radikaler“, sagte Fehre mit Blick auf die Mutterpartei.

Der Landesverband der Generation Deutschland möchte sich nach eigenen Angaben für junge Familien, wettbewerbsfähige Preise für Unternehmen, Wiedereinstieg in die Kernkraft und für eine sogenannte Remigration einsetzen. Wenn Rechtsextremisten den Begriff Remigration verwenden, meinen sie in der Regel, dass eine große Zahl von Menschen ausländischer Herkunft das Land verlassen soll, auch unter Zwang.

Wer kein Bleiberecht habe, gehöre abgeschoben, meint Fehre. „Sobald wir irgendwo in Regierungsverantwortung sind, werden wir mit allen Mitteln und Möglichkeiten, die wir haben, hier Recht und Ordnung durchsetzen.“

Wer noch im Landesvorstand ist

Der Landesvorstand besteht aus elf Mitgliedern. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde der 33-jährige Patrick Schwarzer gewählt, der im AfD-Kreisverband Oldenburg-Land aktiv ist. 

Elf Mitglieder gehören dem Vorstand an.Lars Penning/dpa

Elf Mitglieder gehören dem Vorstand an.Lars Penning/dpa

© Lars Penning/dpa

Als Beisitzer gehört der 29-jährige Adrian Maxhuni dem Vorstand an, früher Vorsitzender der Jungen Alternative in Niedersachsen und heute stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands der Generation Deutschland. Zur Finanzbeauftragten wurde die 26-jährige Reinhild Goes gewählt, die ebenfalls aus dem Bundesverband kommt.

Jugendorganisation im Fokus der Behörden

Das Gründungstreffen in Dötlingen – wo auch die niedersächsische AfD ihren Sitz hat – fand hinter verschlossenen Türen statt. Vor dem Veranstaltungsort demonstrierten rund 300 Menschen.

Nach der neuen Einstufung des AfD-Landesverbands als extremistische Bestrebung steht auch die Jugendorganisation im Blick der Sicherheitsbehörden. Man gehe von personellen und ideologischen Kontinuitäten zur früheren als rechtsextremistisch eingestuften Jungen Alternative aus, hieß es vom Verfassungsschutz.

AfD-Landesvize Stephan Bothe wies das zurück. Es gebe keine personellen Überschneidungen. Viele frühere Mitglieder der Jungen Alternative seien inzwischen zu alt für eine Jugendorganisation. Die Generation Deutschland sei bewusst so aufgebaut worden, dass die AfD „die Hand drauf hat“ und gegen extremistische Bestrebungen vorgehen könne. Man habe aus „Konstruktionsfehlern der Vergangenheit“ gelernt und beginne nun einen Neustart.

Nachfolge der Jungen Alternative

Die Gründung des niedersächsischen Landesverbands ist Teil des bundesweiten Aufbaus der neuen AfD-Jugendstruktur. In Bremen gründete Generation Deutschland vor drei Wochen einen Landesverband. Dieser wird – wie die AfD dort – vom Landesamt für Verfassungsschutz als Verdachtsfall beobachtet. Vorsitzender ist der 21-jährige Marcel Fetke.

Die Bundes-AfD hatte Generation Deutschland im vergangenen November bei einem Kongress im hessischen Gießen ins Leben gerufen. Dort verabschiedeten mehr als 800 Teilnehmer ein Jugendstatut. Ziel ist eine engere Anbindung an die Mutterpartei. Generation Deutschland tritt die Nachfolge der Jungen Alternative an, die sich im Frühjahr vergangenen Jahres aufgelöst hatte, nachdem sich die AfD von ihr getrennt hatte.

Offen sein soll die Organisation für Mitglieder unter 36 Jahren

Die Junge Alternative war als eigenständiger Verein organisiert und nur lose an die AfD angebunden. Die Partei hatte daher wenig Einfluss auf ihr Verhalten – was bei extremen Vorfällen regelmäßig auf das Image der AfD zurückfiel. Mitglied kann in der neuen Jugendorganisation in der Regel nur sein, wer auch AfD-Mitglied ist. Verstöße können parteiintern geahndet werden, bis hin zum Parteiausschluss. Offen sein soll die Organisation für Mitglieder unter 36 Jahren.

Micha Fehre ist Vorsitzender des Landesverbands der Generation Deutschland in Niedersachsen.Lars Penning/dpa

Micha Fehre ist Vorsitzender des Landesverbands der Generation Deutschland in Niedersachsen.Lars Penning/dpa

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