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Todesfahrt am Mauerweg: 27-Jähriger wegen Mordes vor Gericht

Am Berliner Mauerweg kommt es im vergangenen Jahr zu einem tödlichen Zusammenprall eines Radfahrers mit einem Auto. Dem Fahrer wird Mord vorgeworfen. Was war passiert?

25.06.2026

Der Prozess gegen einen 27-Jährigen ist am Landgericht in Potsdam gestartet.Jens Kalaene/dpa

Der Prozess gegen einen 27-Jährigen ist am Landgericht in Potsdam gestartet.Jens Kalaene/dpa

© Jens Kalaene/dpa

Weil er einen Menschen getötet und mehrere andere Menschen mit einem Auto verletzt haben soll, steht seit Donnerstag ein 27-Jähriger in Potsdam vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Mord vor: Er sei „hintereinander gezielt auf vier Personen zugefahren“, habe diese dadurch verletzt - und ein Mensch sei an den Verletzungen gestorben. Es bestehe das Mordmerkmal der Heimtücke. 

Kurzer Prozesstag

Zu Prozessbeginn am Landgericht wurde lediglich die Antragsschrift verlesen. Eine Aussage will der angeklagte türkische Staatsbürger voraussichtlich am nächsten Prozesstag - den 10. Juli - machen. Die Vorwürfe gegen ihn wiegen schwer. Allerdings soll er aufgrund einer paranoiden Schizophrenie nicht voll schuldfähig sein. Aktuell ist der 27-Jährige im Maßregelvollzug untergebracht.

Biss in den Finger

Die mutmaßliche Tat soll sich laut Staatsanwaltschaft am Morgen des 7. September vergangenen Jahres zugetragen haben. Da bestieg der Angeklagte mit seinem Cousin dessen Auto. Bei der Fahrt gerieten die beiden Männer in einen Streit. Der 27-Jährige soll seinen 43-jährigen Cousin, der den Wagen steuerte, schließlich mit der Faust geschlagen und ihn anschließend gewürgt haben. Als der 43-Jährige versuchte, sich zu befreien, biss der 27-Jährige ihm die Fingerkuppe des linken Ringfingers ab. Schlagartig flüchtete der Ältere aus dem Auto.

Allein im Wagen wechselte der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft auf die Fahrerseite und begann mit dem Auto durch die Gegend entlang der südlichen Landesgrenze von Berlin und Brandenburg zu rasen. Zunächst nahm er den Angaben zufolge einen Mann ins Visier. Er sei mit dem Auto in den Mann hineingefahren, der völlig unvorbereitet auf Hüfthöhe getroffen und auf einen Grünstreifen geschleudert worden sei. Der Mann brach sich demnach mehrere Knochen - unter anderem den Arm und mehrere Knochen im Bereich der Lenden.

Dann soll der 27-Jährige weitergefahren sein. Kurz darauf habe er eine Frau angefahren, die vor das Fahrzeug geraten und mehrere Meter mitgeschleift worden sei. Sie soll sich dabei schwere Wunden zugezogen haben, aber sie überlebte. Ein weiterer Mann konnte durch einen Sprung zur Seite dem herannahenden Auto und dem 27-Jährigen ausweichen, wie es weiter hieß.

Angeklagter wäre 50 Jahre alt geworden

Schließlich soll der Angeklagte Kurs auf einen 49-Jahre alten Radfahrer genommen haben. Dieser habe nicht wissen können, dass jemand ihn angreifen wolle, sagte der Staatsanwalt. Mit voller Wucht soll er von dem Wagen getroffen worden sein. Er sei über das Auto geschleudert. Seine Hauptschlagader riss demnach. Er starb noch an der Unfallstelle. Einen Tag vor Prozessbeginn wäre der Mann - so schildern es seine Schwestern - 50 Jahre alt geworden.

Die Tat, bei der der Angeklagte nach Angaben der Staatsanwaltschaft mutmaßlich größtmöglichen Schaden anrichten wollte, wirft Fragen zur psychischen Gesundheit des Mannes auf. 
Seine paranoide Schizophrenie könne zum Tatzeitpunkt seine Steuerungsfähigkeit aufgehoben haben, sagte der Staatsanwalt. Von ihm seien deshalb in Zukunft weitere Straftaten zu erwarten. Er denke, dass eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angemessen sei.

„Ich glaube, er möchte etwas sagen“, sagte der Anwalt des Angeklagten auf die Frage des Richters, ob sein Mandant sich äußern wolle. „Ja“, stimmte der Angeklagte zu. Das waren die einzigen Worte des 27-Jährigen an diesem Tag vor Gericht.