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Nach der Räumung legen Hausbesetzer in Potsdam nach

Die Polizei räumt ein besetztes Gebäude in Potsdam. Doch für die Aktivisten ist der Konflikt noch längst nicht beendet. Spitzt sich der Streit um fehlende Wohnungen und Leerstand zu?

24.05.2026

Das besetzte Haus auf der Halbinsel Hermannswerder in Potsdam wurde geräumt. (Archivbild)Michael Bahlo/dpa

Das besetzte Haus auf der Halbinsel Hermannswerder in Potsdam wurde geräumt. (Archivbild)Michael Bahlo/dpa

© Michael Bahlo/dpa

Die Stadt Potsdam hat ein besetztes Haus räumen lassen, doch die Aktivisten wollen sich dagegen wehren. Sie kündigen den nächsten Protest gegen das Vorgehen der Stadtspitze an. 

Am Dienstagabend planen sie eine Protestdemonstration von der Innenstadt bis zum ehemals besetzten Gebäude in der Tornowstraße. Die Gruppe fordert die Rückgabe des Hauses mindestens bis zu einem Abriss. 

Am Freitag beendete die Stadt die eine Woche dauernde Besetzung einer ehemaligen Fahrradwerkstatt. Die Polizei verschaffte sich Zutritt und holte mehrere Aktivisten aus dem Haus in der Tornowstraße 40 auf der Halbinsel Hermannswerder im Südwesten der Landeshauptstadt. Danach gab es am Abend in der Innenstadt bereits eine Demonstration - nach Schätzung der Polizei mit rund 160 Personen. 

„Keine Millionärsvillen“

Die Hausbesetzer wollen sich gegen kommunalen Leerstand stemmen. Sie schrieben: „Die Menschen der Tornow40 und alle Bürger*innen der Stadt Potsdam, die keine Millionärsvillen in der Berliner Vorstadt besitzen, werden weiter machen“. Die Hausbesetzung solle im Juni auch Thema im Stadtparlament werden. 

Die Aktivisten dringen darauf, dass die Stadt die rechtlichen Möglichkeiten für eine Zwischennutzung des Hauses prüfe oder ein Ausweichquartier in einem anderen kommunalen Gebäude zur Verfügung gestellt werde. Auf dem ehemals besetzten Grundstück könnten als mögliche Option Wagen zum Wohnen aufgestellt werden, hieß es. Das Gebäude dort wurde gewerblich genutzt und steht seit 2023 leer.

Protestdemo zur Tornowstraße geplant

Die Protestdemonstration am Dienstag soll um 18.00 Uhr am Alten Markt im Zentrum Potsdams beginnen und bis zur Tornowstraße führen. Die Gruppe der Hausbesetzer fordert auch eine Entschuldigung und Erklärung der Stadt. Sie kritisierte, Oberbürgermeisterin Noosha Aubel (parteilos) habe sich mit Blick auf ihre Wohnungspolitik unglaubwürdig gemacht. Die Rathauschefin sagte in einem Video bei Instagram am Samstag nur kurz, sie werde über die Räumung in der nächsten Woche weiter informieren. 

Potsdams Oberbürgermeisterin Aubel steht wegen der Räumung eines besetzen Hauses in der Kritik. (Archivbild)Bernd von Jutrczenka/dpa

Potsdams Oberbürgermeisterin Aubel steht wegen der Räumung eines besetzen Hauses in der Kritik. (Archivbild)Bernd von Jutrczenka/dpa

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Fraktionen kritisieren Vorgehen der Stadtspitze

Die Linke in Potsdam kritisierte die Räumung - diese sei „unverhältnismäßig und unnötig“ gewesen. Sie fordert die Stadtspitze auf, alle Entscheidungsgrundlagen offenzulegen. Die Stadtfraktion der Wählergruppe Die Andere schrieb in den sozialen Medien: „Diese Räumung erfolgt ohne erkennbare Notwendigkeit und setzt ein völlig falsches Zeichen in einer Zeit, in der die Wohnungsnot in Potsdam immer wieder eskaliert.“

Am Freitag hatte die Stadt unter anderem mitgeteilt, eine Umnutzung des Gebäudes zu Wohnzwecken sei nicht möglich. Zudem seien technische Anlagen nicht geprüft. „Hiervon geht eine Gefahr für die Bewohnenden sowie für die öffentliche Sicherheit und Ordnung aus“, so die Stadt.

Angespannter Wohnungsmarkt 

Oberbürgermeisterin Aubel hatte nach ihrer Wahl im Herbst 2025 als eines ihrer ersten Projekte angekündigt, sich für mehr Wohnraum und gegen steigende Mieten einzusetzen. Eine illegale Hausbesetzung bezeichnete die Politikerin aber als ungeeignetes Mittel. 

Die Mietpreise in der Landeshauptstadt sind hoch, der Wohnungsmarkt ist angespannt. Bekannt ist Potsdam auch für seine Villenviertel in Seenähe, die bei Prominenten und Unternehmern beliebt sind. 

Auf dem Areal in der Tornowstraße, wo mehrere kommunale Gebäude leer stehen, sollen nach dem Plan der Stadt neue Wohnungen entstehen. Das geräumte Grundstück wird inzwischen bewacht, um eine erneute Besetzung zu verhindern.