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Nach Dresdner Fußball-Krawallen: Druck auf Vereine nimmt zu

Nach den Fußball-Krawallen in Dresden wird der Druck auf die Vereine größer und der Ruf nach einer härteren Gangart gegen Hooligans lauter. Vereine sollen stärker in Verantwortung genommen werden.

07.04.2026

Nach den Fußball-Krawallen im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion wird erneut der Ruf nach scharfen Konsequenzen laut (Archivbild).Sebastian Kahnert/dpa

Nach den Fußball-Krawallen im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion wird erneut der Ruf nach scharfen Konsequenzen laut (Archivbild).Sebastian Kahnert/dpa

© Sebastian Kahnert/dpa

Nach den Ausschreitungen beim Fußball in Dresden mehren sich die Stimmen nach Konsequenzen für die Vereine. Am Dienstag erreichte die Debatte den Sächsischen Landtag. Das Bündnis Sahra Wagenknecht und die Grünen griffen dabei eine Vorlage von Innenminister Armin Schuster (CDU) vom Sonntag auf. Er hatte die Krawalle scharf verurteilt. Es könne nun kein Pardon mehr geben, seine Geduld habe ein Ende, sagte er. Die Vorkommnisse stünden symbolisch für eine „Gewaltfolklore“ in deutschen Fußballstadien und stellten den gesamten bisherigen Verhandlungsweg mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) infrage.

Grüne halten Reaktion des Innenministers für überzogen

„Die Reaktionen vom Innenminister Armin Schuster sind leider erwartbar und in der plumpen Pauschalität vollkommen überzogen. Er nimmt erneut den überwiegenden Teil friedlicher Fußballfans und eine funktionierende Fankultur in Mithaftung für einzelne Gewalttäter“, konterte Grünen-Innenpolitiker Valentin Lippmann: „Seine Pläne, Fan-Rechte und die Bürgerrechte im und ums Stadion herum weiter einzuschränken, vertragen sich nicht mit unserer freiheitlichen Gesellschaft und treffen schlussendlich vor allem die Falschen.“

Forderung: Vereine stärker in die Pflicht nehmen

Lippmann riet Schuster, den engen Kontakt zum DFB und zur DFL, zu Vereinen und den friedlichen Fans zu suchen, „um gemeinsam gezielte Maßnahmen zu entwickeln, wie Gewalt im Stadion wirksam unterbunden werden kann. Insbesondere müssen die Vereine stärker in die Pflicht genommen werden, wirksam gegen Gewalttäter in der eigenen Fanszene vorzugehen, für Sicherheit in den Stadien zu sorgen und die friedliche Fankultur zu stärken.“ Die von Schuster geplanten Maßnahmen dürften dazu keinen effektiven Beitrag leisten.

Was passiert war

Beim Zweitliga-Spiel Dresden gegen Hertha war es am vergangenen Samstag zu Krawallen gekommen, an denen beide Fanlager beteiligt waren. Zunächst wurde Pyrotechnik gezündet. Danach kletterten Fans über die Zäune und attackierten sich im Innenraum des Stadions. Die Partie musste zweimal unterbrochen werden. Polizisten versuchten, das Geschehen in den Griff zu bekommen und die Lager zu trennen. Die Polizei hat mehr als ein Dutzend Ermittlungsverfahren eingeleitet. Von Verletzten war nicht die Rede. 

BSW verlangt unter anderem konsequente Stadionverbote

Auch das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) pocht auf wirksame Maßnahmen. „Konsequente Stadionverbote, klare Auflagen und ein entschiedenes Vorgehen gegen gewaltbereite Gruppen müssen selbstverständlich werden. Vereine stehen hier in der Verantwortung – und sie müssen dieser auch gerecht werden“, erklärte BSW-Innenpolitiker Bernd Rudolph. 

Die massiven Ausschreitungen rund um das Spiel von Dynamo Dresden gegen Hertha BSC zeigten erneut, dass „Teile der Fanszene bewusst eskalieren und Gewalt in Kauf nehmen“, erklärte die BSW-Landtagsfraktion. Die eingeleiteten Ermittlungsverfahren durch Polizei und Deutschen Fußball-Bund seien notwendig, dürften aber nicht das einzige Signal bleiben. 

„Keine Fankultur, sondern organisierte Gewalt“

„Was wir in Dresden erlebt haben, ist keine Fankultur, sondern organisierte Gewalt. Wer so handelt, verlässt den Boden unseres Rechtsstaats“, betonte Rudolph. Es entstehe erneut der Eindruck, „dass man sich mit problematischen Teilen der Fanszene arrangiert hat. Genau hier braucht es endlich eine klare und dauerhafte Abgrenzung. Wegschauen oder Beschwichtigen verschärft das Problem.“ 

Die Folgen der Eskalation träfen vor allem Polizei und Öffentlichkeit, betonte Rudolph: „Hunderte Einsatzkräfte, Unterstützung aus anderen Bundesländern, erhebliche Kosten – und das alles, um Situationen zu beherrschen, die vermeidbar wären. Das kann auf Dauer nicht der Normalzustand sein.“ 

Finanzielle Beteiligung der Vereine soll kein Tabu mehr sein

Rudolph verwies darauf, dass eine finanzielle Beteiligung der Vereine in Sachsen bislang kein Thema ist. „Das sollte auch nicht der erste Schritt sein. Aber angesichts solcher Entwicklungen darf selbst diese Debatte kein Tabu mehr sein, wenn andere Maßnahmen nicht greifen.“ 

„Die große Mehrheit der Fans will friedlichen Fußball. Sie hat ein Recht darauf, dass der Staat konsequent handelt – und dass Vereine alles dafür tun, Gewalt aus ihren Reihen zu verdrängen. Null Toleranz gegenüber Gewalt muss endlich Realität werden.“