dpa

Nach CSD-Anschlag: „Es hätte auch hier passieren können“

Trauer, Wut und Hoffnung: Nach dem Terroranschlag am Rande des CSD in Berlin zeigen Menschen in Frankfurt Solidarität und setzen mit Regenbogenflaggen ein Zeichen gegen Hass und Gewalt.

27.07.2026

Zwischen Trauer und Fassungslosigkeit gibt es bei der Gedenkkundgebung auch Hoffnung.Andreas Arnold/dpa

Zwischen Trauer und Fassungslosigkeit gibt es bei der Gedenkkundgebung auch Hoffnung.Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

Nach dem tödlichen Anschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin haben Menschen auf dem Frankfurter Paulsplatz der Opfer gedacht. Laut Polizei versammelten sich dort rund 250 Menschen. Der Kreisverband der Grünen in Frankfurt hatte gemeinsam mit CSD Frankfurt e.V. zu der Gedenkkundgebung aufgerufen.

„Die Tat erschüttert weit über Berlin hinaus viele queere Menschen und ihre Verbündeten. Umso wichtiger ist es, jetzt füreinander da zu sein“, schrieben Grüne und CSD Frankfurt e.V. unter dem Versammlungsaufruf auf Instagram.

Viele sind zur Kundgebung gekommen, um ihre Trauer zu teilen, Solidarität zu zeigen und ihre Angst vor weiterer Gewalt gegen queere Menschen auszudrücken.Andreas Arnold/dpa

Viele sind zur Kundgebung gekommen, um ihre Trauer zu teilen, Solidarität zu zeigen und ihre Angst vor weiterer Gewalt gegen queere Menschen auszudrücken.Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

„Ich war ohnmächtig“

Viele sind gekommen, um ihre Trauer zu teilen, Solidarität zu zeigen und ihre Angst vor weiterer Gewalt gegen queere Menschen auszudrücken. „Es hätte auch hier passieren können“, sagt Moritz, ein Teilnehmer der Kundgebung. Die Ereignisse in Berlin ließen ihn nicht los. „Ich war ohnmächtig. Ich wusste nicht, wohin mit mir.“

Auch Anna ist zur Gedenkkundgebung gekommen. Sie ist mit ihrer Tochter am 18. Juni beim CSD in Frankfurt mitgelaufen. Ihr sei es deshalb wichtig, auch an diesem Abend Flagge zu zeigen. Den Umgang mit dem CSD in der politischen Debatte kritisiert sie. „Mich stört es, dass wir jetzt eine Politik haben, die von einer Feier spricht, von einer Party. Das war eine Demonstration. Wir sind alle gekommen, um zu demonstrieren, in Berlin sowie auch in Frankfurt. Wir haben eine Politik, die Queerness in irgendwelche schrägen Ecken rückt“, sagt sie. „Dieses Bild möchte ich gerade rücken.“

Bereits am Sonntagabend hatten etwa 500 Menschen bei einer Mahnwache auf dem Römerberg der Opfer in Berlin gedacht.Andreas Arnold/dpa

Bereits am Sonntagabend hatten etwa 500 Menschen bei einer Mahnwache auf dem Römerberg der Opfer in Berlin gedacht.Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

Zwischen der Trauer gibt es auch Hoffnung

Auch Jörg, Mike und Holger sind unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Auf die Frage, warum sie da sind, sagt Mike ohne zu zögern: „Solidarität!“ Jörg ergänzt: „Ich bin wütend, ehrlich gesagt“. Es sei erschreckend, „dass man im 21. Jahrhundert, 2026, gerade mit den Erfahrungen Deutschlands, jetzt Flagge zeigen muss“. Auf die Frage, was er von der Politik erwarte, antwortet er: „Klarheit und Mut, unangenehme Dinge auszusprechen.“

Zwischen Trauer und Fassungslosigkeit gibt es an diesem Abend aber auch Hoffnung. Holger freut es, dass so viele Menschen zusammengekommen sind, um der Opfer zu gedenken und der queeren Community den Rücken zu stärken. Bereits am Sonntagabend hatten etwa 500 Menschen bei einer Mahnwache auf dem Römerberg an die Opfer des Angriffs am Rande des CSD in Berlin erinnert.

Der CSD in Berlin war am Samstagabend abgebrochen worden, nachdem ein Auto am Rande der Großveranstaltung in eine Menschenmenge gefahren war. Eine Frau wurde getötet, 29 weitere Menschen wurden verletzt. Am Sonntagabend wurde der mutmaßliche Täter Abdul B. bei einem Polizeieinsatz getötet.