dpa

Millionen Blatt Papier trotz Digitalisierung

Schleswig-Holsteins Landesregierung bestellte im vergangenen Jahr 5,76 Millionen Blatt Papier. Ein SPD-Abgeordneter sieht ein grundsätzliches Problem.

20.10.2026

Der SPD-Abgeordnete Kianusch Stender hat den Papierverbrauch der Landesregierung abgefragt. (Archivbild)Frank Molter/dpa

Der SPD-Abgeordnete Kianusch Stender hat den Papierverbrauch der Landesregierung abgefragt. (Archivbild)Frank Molter/dpa

© Frank Molter/dpa

In Zeiten der Digitalisierung bestellt Schleswig-Holsteins Landesregierung immer noch viel Papier. 2025 beschafften Staatskanzlei und Ministerien zusammen knapp 5,8 Millionen Blatt Papier, wie aus der Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage des SPD-Abgeordneten Kianusch Stender hervorgeht. 

2024 waren es gut sieben Millionen Blatt. Der tatsächliche Verbrauch wurde nach Angaben der Landesregierung aber nicht erfasst. Zuvor hatten die „Kieler Nachrichten“ berichtet.

„Die Antwort der Landesregierung zeigt nicht nur ein Problem beim Papierverbrauch, sondern ein grundsätzliches Problem bei der Verwaltungssteuerung“, sagte Stender. Es fehle an Transparenz darüber, welchen konkreten Nutzen die angekündigten Digitalisierungsmaßnahmen tatsächlich bringen. „Die Landesregierung hat seit 2022 bis Ende Juni dieses Jahres fast 30 Millionen Blatt Papier beschafft.“

Zwei Ministerien liegen bei Papierkosten vorn

Wie aus der Antwort außerdem hervorgeht, lagen die Papierkosten 2022 bei knapp 55.000 Euro, wobei das Finanzministerium (13.067 Euro) und das Bildungsministerium (12.309 Euro) die größten Kosten verursachten. 

2025 lagen die Kosten insgesamt bei mehr als 48.000 Euro. Erneut lagen das Finanz- (13.055 Euro) und das Bildungsministerium (12.873 Euro) an der Spitze. Im ersten Halbjahr 2026 fielen Kosten in Höhe von mehr als 16.500 Euro an.

Gerade bei der Papierbeschaffung müsse die Landesregierung mit gutem Beispiel vorangehen, forderte Stender. Besonders auffällig sei, dass die Papiermengen und die ausgewiesenen Kosten zwischen den Ressorts teilweise erheblich auseinandergingen. „Das muss nicht automatisch auf Fehler hindeuten. Unterschiedliche Papierarten, Formate oder Beschaffungszeitpunkte können eine Rolle spielen.“

Analog und digital parallel?

Die Landesregierung verweise auf zahlreiche digitale Verfahren, nenne aber kaum konkrete Einsparungen, Effizienzgewinne oder überprüfbare Zielwerte, kritisierte der Abgeordnete. „Damit bleibt unklar, ob Digitalisierung tatsächlich zu weniger Aufwand führt oder ob lediglich bestehende analoge Abläufe durch neue digitale Systeme ergänzt werden. Eine Verwaltung ist nicht schon deshalb effizienter, weil sie ein weiteres digitales Verfahren eingeführt hat.“