Mehr als jeder Dritte im Land ohne guten ÖPNV-Anschluss
In Halle und Magdeburg sind Bus und Bahn für viele Menschen gut erreichbar. In weiten Teilen Sachsen-Anhalts sieht es deutlich schlechter aus. Besonders groß sind die Lücken in einem Landkreis.
Mehr als jeder dritte Mensch in Sachsen-Anhalt hat am Wohnort kein gutes Angebot von Bus und Bahn. (Symbolbild) Jan Woitas/dpa
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Mehr als einem Drittel der Menschen in Sachsen-Anhalt fehlt am Wohnort ein gutes Grundangebot von Bus und Bahn. Rund 37 Prozent haben keine Haltestelle mit ausreichend häufigen Verbindungen in ihrer Nähe, wie aus dem neuen ÖV-Atlas der Denkfabrik Agora Verkehrswende hervorgeht. Das betreffe rund 784.000 Personen.
Knapp 190.000 Menschen oder etwa neun Prozent erreichen nicht einmal die niedrigste Angebotsklasse. Als gutes Grundangebot gilt in der Studie beispielsweise eine etwa 250 Meter entfernte Haltestelle, an der werktags alle 30 Minuten ein Bus abfährt.
Große Unterschiede zwischen Stadt und Land
Besonders gut ist die Anbindung in Halle: Dort verfügen rund 85 Prozent der Bevölkerung über ein gutes oder sehr gutes Angebot. In Magdeburg sind es rund 75 Prozent, in Dessau-Roßlau gut 41 Prozent. Landesweit liegt der Anteil bei knapp 27 Prozent.
Unter den größeren Städten folgt nach Halle und Magdeburg Halberstadt, danach kommen Merseburg, Dessau-Roßlau und Wernigerode. Ein Stadt-Land-Gefälle gibt es laut Studie bundesweit. Besonders stark sei es in Bayern und den ostdeutschen Flächenländern.
Landkreis Wittenberg schneidet am schlechtesten ab
Am schwächsten ist das Angebot im Landkreis Wittenberg. Dort haben knapp 63 Prozent der Bevölkerung kein gutes Grundangebot. Fast jeder Vierte erreicht nicht einmal in angemessener Entfernung ein Linienangebot, das mindestens alle zwei Stunden fährt.
Auch in den Landkreisen Börde, Jerichower Land und Mansfeld-Südharz liegt der Anteil ohne gutes Grundangebot bei mehr als der Hälfte. Vergleichsweise besser schneiden der Harz und der Saalekreis ab. Aber auch dort sind es jeweils rund 39 Prozent.
Fahrpläne statt Pünktlichkeit bewertet
Für den Atlas wurden die Entfernung zur nächsten Haltestelle, die Häufigkeit der Verbindungen und die Art des Verkehrsmittels ausgewertet. Ein Bahnanschluss wird höher bewertet als eine Straßenbahn- oder Bushaltestelle. Grundlage sind Soll-Fahrplandaten von Ende Januar 2026 und Bevölkerungsdaten des Zensus 2022.
Die Studie bildet das planmäßige Angebot ab. Pünktlichkeit, Ausfälle und Reisezeiten wurden nicht berücksichtigt. Auch Rufbusse und andere Angebote ohne feste Linienführung fehlen wegen unzureichender Daten.