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Mehr als 700 Stolpersteine in MV – viele auch digital

Es sind wohl die einzigen Steine, über die man stolpern soll. Jedenfalls gedanklich. Hunderte von ihnen erinnern im Nordosten an die Opfer des Nationalsozialismus, immer häufiger auch per App.

25.01.2026

Das Stolperstein-Projekt geht auf eine eigentlich einmalige Kunstaktion zurück. Philip Dulian/dpa

Das Stolperstein-Projekt geht auf eine eigentlich einmalige Kunstaktion zurück. Philip Dulian/dpa

© Philip Dulian/dpa

Mehr als 700 Denk- und Stolpersteine erinnern in Mecklenburg-Vorpommern an die von den Nationalsozialisten ermordeten Opfer. Die meisten sind auf den Straßen in Schwerin, Stralsund, Pasewalk, Wismar und Rostock verlegt, wie das Kulturministerium und die Landeszentrale für politische Bildung auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilten. 

Was als einmalige Kunstaktion gedacht war, ist mittlerweile zum Projekt von Gunter Demnig geworden. Seit 33 Jahren verlegt der Künstler die Messingwürfel, auf denen Namen und Lebensdaten stehen, in ganz Europa. Lokale Initiativen wie Vereine, Schulklassen, Privatpersonen und Kommunen unterstützen in MV laut Ministerium bei der Umsetzung und Finanzierung. „Erinnerung soll im Alltag sichtbar und von der lokalen Gesellschaft getragen werden“, hieß es. In Rostock und Neubukow seien die Denksteine eine Initiative des Max-Samuel-Hauses.

Bespuckt, beschmiert, gestohlen

Doch immer wieder werden Stolpersteine angegriffen oder beschädigt. Im vergangenen Jahr zählte das Landeskriminalamt (LKA) nach eigenen Angaben zwei Straftaten. Ein Stein sei gestohlen worden, einer wurde bespuckt. 2021 seien sechs Steine beschädigt worden, fünf von ihnen wurden mit Farbe beschmiert. In solchen Fällen ermittelt der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz. Von 2022 bis 2024 seien dem LKA keine Vorfälle bekannt.

Immer mehr digitale Stolpersteine

Um die Messingsteine von der Straße aufs Smartphone zu holen, hat die Landeszentrale 2025 gemeinsam mit dem IT-Unternehmen Dataport die kostenlose App „Stolpersteine Digital“ gestartet. Damit können viele der Steine abgescannt und Informationen zu den Opfern abgerufen werden. Auch virtuelle Gedenkkerzen könne man anzünden. 

„Besonders am 27. Januar, dem Gedenktag, ist es wichtig, nicht nur zu erinnern, sondern auch die neuen Möglichkeiten des Gedenkens zu nutzen, um jüngere Generationen zu erreichen“, sagte der Direktor der Landeszentrale, Jochen Schmidt. Über die App könnten sich die Menschen auf digitale und persönliche Weise mit den Schicksalen auseinandersetzen. In Schwerin, Stralsund und Waren (Müritz) seien die Steine schon integriert, in Wismar und Greifswald sollen sie jetzt folgen. Im Februar kämen Pasewalk und Rostock dazu.

Landesweite Gedenken

Der 27. Januar erinnert an die Befreiung des Vernichtungslagers in Auschwitz 1945. Im ganzen Land sind deshalb zahlreiche Gedenken geplant. Am Montag (26. Januar) soll im Schweriner Rathaus zum Auftakt der Stadtvertretersitzung ein öffentliches Gedenkkonzert stattfinden. Am Dienstag (27. Januar) sind weitere Veranstaltungen in Schwerin, Rostock, Neubrandenburg, Stralsund, Grevesmühlen, Wöbbelin, Ludwigslust und Malchin geplant.

Die meisten Stolpersteine liegen in Schwerin, Stralsund, Pasewalk, Wismar und Rostock.Philip Dulian/dpa

Die meisten Stolpersteine liegen in Schwerin, Stralsund, Pasewalk, Wismar und Rostock.Philip Dulian/dpa

© Philip Dulian/dpa