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Mehr als 400 antisemitische Vorfälle im Norden gemeldet

Weiter viele antisemitische Vorfälle in Schleswig-Holstein: Die Dokumentationssteller erfasste 2025 insgesamt 411 Fälle - 2024 waren es 588.

28.05.2026

Die Zahl der antisemitischen Vorfälle bleibt im Norden auf einem erschreckenden Niveau. (Symbolbild)Elisa Schu/dpa

Die Zahl der antisemitischen Vorfälle bleibt im Norden auf einem erschreckenden Niveau. (Symbolbild)Elisa Schu/dpa

© Elisa Schu/dpa

Die landesweite Informations- und Dokumentationsstelle Antisemitismus in Schleswig-Holstein hat im vergangenen Jahr 411 antisemitische Vorfälle registriert. Das entsprach zwar einem Rückgang um etwa 30 Prozent im Vergleich zu 2024 (588 Fälle). „Sowohl auf Basis der erfassten Vorfälle als auch der Erkenntnisse, die wir im Rahmen der Vernetzung mit jüdischen Communities generieren, müssen wir weiterhin von einer extrem angespannten Lage sprechen“, sagte Projektleiter Joshua Vogel.

Die Mehrzahl der dokumentierten Bedrohungen habe sich gegen Jüdinnen und Juden gerichtet, sagte Vogel. Die meisten Vorfälle ereigneten sich im öffentlichen Raum. Diese seien als Botschaftstaten zu verstehen. „Die massiven Konsequenzen insbesondere für Jüd*innen in Schleswig-Holstein sind Ausdruck eines wachsend gesamtgesellschaftlich antisemitischen Grundrauschens, das wir seit 2023 beobachten müssen.“

Antisemitismus gibt es im Norden demnach in verschiedensten Formen, gehäuft auch in Gestalt israelbezogener Vorfälle - von Schmierereien über Beleidigungen bis hin zu körperlichen Angriffen. Insgesamt seien nur 4,3 Prozent der Fälle bei der Polizei gemeldet worden, sagte die Beraterin vom Verein Zebra, Madó Dreher.

Vogel ergänze, „das massive Aufkommen von Antisemitismus ermüdet die Betroffenen zusehends und hält sie immer häufiger davon ab, das Erlebte zu teilen“. Aus ihrer Sicht folge auf das Melden von Vorfällen oft nichts oder in ihrer Wahrnehmung zu wenig.

Nach Angaben der Dokumentationsstelle erschwerte Antisemitismus insbesondere Jüdinnen und Juden die Partizipation am öffentlichen Leben und hindere damit auch die Versuche, jüdisches Leben als alltägliche Selbstverständlichkeit sichtbarer zu machen.

Ulrich mahnt

Der Landesbeauftragte für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Gerhard Ulrich, mahnte, der Bericht unterstreiche eine gesellschaftliche Entwicklung, die er mit großer Besorgnis verfolge. Speziell das hohe Niveau der 
Angriffe und Bedrohungen sei auch mit Blick auf die bundesweiten, europaweiten und internationalen Entwicklungen alarmierend. „Und wir erleben, dass Antisemitismus immer selbstverständlicher im öffentlichen Raum auftritt, offen, aggressiv und zunehmend enthemmt.“

Der Rückgang 2025 im Vorjahresvergleich gebe keinen Anlass, von einer Trendwende zu sprechen, sagte Ulrich. „Jüdinnen und Juden sind tagtäglich 
Anfeindungen und Bedrohungen ausgesetzt.“ Antisemitismus sei längst kein Randphänomen mehr. „Wenn wir mit Überzeugung sagen, für Antisemitismus sei kein Platz bei uns, dann müssen wir doch zugleich feststellen: Er hat längst Platz genommen.“

Nach Angaben von Vogel wurden im vergangenen Jahr 327 Vorfälle einem israelbezogenen Antisemitismus zugeordnet (2024: 504). „Der Begriff israelbezogener Antisemitismus kann dabei ein Stück weit irritieren, weil er suggeriert, dass diese Form des Antisemitismus nichts mit Jüdinnen und Juden, die hier mit uns in Schleswig-Holstein Leben zu tun hätten.“ Das Gegenteil sei der Fall.