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Mehr als 1.000 Euro für die Kita? Eltern fordern Reform

Mehr als 1.000 Euro pro Monat für einen Kita-Platz? In vielen Kommunen steigen die Kita-Gebühren weiter. Was Eltern jetzt zahlen müssen und warum die Belastung unterschiedlich ausfällt.

28.09.2026

Eltern müssen mittlerweile für die Betreuung ihrer Kinder tief in die Tasche greifen. (Archivbild) Marijan Murat/dpa

Eltern müssen mittlerweile für die Betreuung ihrer Kinder tief in die Tasche greifen. (Archivbild) Marijan Murat/dpa

© Marijan Murat/dpa

Fragt man die Kommunen nach der Höhe ihrer Kita-Gebühren, bekommt man eine ähnliche Antwort, wie wenn man Haushersteller nach ihren Preisen fragt: Das hängt davon ab. Im Fall der Kita-Gebühren etwa davon, wie viele Geschwister es gibt, ob ein Vollzeitplatz gewünscht ist oder wie hoch das Haushaltseinkommen ist. Doch wie beim Hausbau ist eines ziemlich sicher: Es wird teurer.

Wie stark Familien die Kosten schon heute spüren, zeigt eine Elternbefragung mit knapp 500 Teilnehmern einer Kommune in Baden-Württemberg, die dem Landeselternbeirat Kindertagesbetreuung Baden-Württemberg (LEBK) vorliegt. Rund 57 Prozent bezeichneten ihre aktuelle finanzielle Belastung durch Kita-Beiträge demnach als hoch oder sehr hoch. Weitere 37 Prozent empfanden sie als spürbar. Nur knapp sechs Prozent stuften die Belastung als gering ein.

Eine weitere Erhöhung der Beiträge würde die Situation für viele Familien nach Einschätzung der Befragten weiter verschärfen. Rund elf Prozent würden demnach die Betreuungszeiten reduzieren. Acht Prozent gaben an, ihr Kind oder ihre Kinder im Fall einer Erhöhung möglicherweise ganz zu Hause betreuen zu wollen.

Große Unterschiede zwischen Kommunen

Wie viel Eltern tatsächlich zahlen, unterscheidet sich in Baden-Württemberg erheblich. Nach Angaben des LEBK lagen die Betreuungskosten für zwei Kinder im Median bei 500 Euro im Monat. Die Spannweite reichte demnach von beitragsfreien Angeboten bis zu mehr als 980 Euro im Ü3-Bereich und mehr als 1.200 Euro im U3-Bereich. 

Hinzu kommen Unterschiede bei Geschwisterregelungen. Nicht alle Kommunen und Träger bieten Rabatte oder eine soziale Staffelung nach Einkommen an. „Unterschieden wird zwischen dem badischen Modell, bei dem Geschwisterermäßigungen nur bei gleichzeitiger Betreuung in derselben Einrichtung greifen, und dem württembergischen Modell, bei dem auch Geschwister berücksichtigt werden können, die eine andere Einrichtung oder bereits die Schule besuchen“, erklärte eine LEBK-Sprecherin.

Ein Großteil der Eltern hat mit den gestiegenen Kosten zu kämpfen. (Archivbild) Marijan Murat/dpa

Ein Großteil der Eltern hat mit den gestiegenen Kosten zu kämpfen. (Archivbild) Marijan Murat/dpa

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Besonders stark belastet seien Familien mit mittleren Einkommen sowie Geringverdienende, die knapp oberhalb der Grenzen für staatliche Unterstützung liegen. „Während Familien, die bestimmte Transferleistungen beziehen, Anspruch auf eine Übernahme oder einen Erlass von Elternbeiträgen haben können, müssen andere Familien die steigenden Beiträge vollständig selbst tragen.“ Hinzu kommt laut LEBK eine sogenannte kalte Progression, wenn Eltern durch Lohnsteigerungen in eine höhere Gebührenstufe rutschen, ohne dass ihre tatsächliche Kaufkraft entsprechend steigt.

Warum Kita-Gebühren überhaupt steigen

Eine Kita zu betreiben, kostet Geld: für Räume, Verpflegung, Verwaltung und vor allem für Personal. Elternbeiträge decken vielerorts nur einen Teil der tatsächlichen Kosten. Den Rest tragen Kommunen, Land und andere Träger.

Wie hoch die Gebühren ausfallen, hängt deshalb nicht nur von den Kosten einer Einrichtung ab. Auch die Finanzlage der Kommune, die Betreuungszeiten und die jeweilige Gebührenordnung spielen eine Rolle. In Baden-Württemberg gibt es keine landesweit einheitlichen Kita-Gebühren. Die Kommunen legen ihre Beiträge selbst fest - häufig orientiert an der Empfehlung der kommunalen und kirchlichen Spitzenverbände.

Die Empfehlung der Kirchen und kommunalen Landesverbände - auch Landesrichtsatz genannt - sehen für den Zeitraum von 2023 bis 2028 eine kumulierte Erhöhung der Elternbeiträge von rund 36 Prozent vor, wie der LEBK mitteilte. In Backnang etwa stand zum 1. September eine Erhöhung von knapp 31 Prozent an. Über fünf Jahre summiere sich der Anstieg dort auf rund 60 Prozent.

Der sogenannte Landesrichtsatz sieht eine Beteiligung der Eltern an den Betriebskosten von 20 Prozent vor. Der LEBK bezeichnet diese Vorgabe als überholt und intransparent. Was genau in den 20 Prozent steckt, bleibe schwammig.

Das Kultusministerium betont, dass die Entscheidung über die Erhebung und Höhe von Elternbeiträgen in Baden-Württemberg allein bei den Trägern von Kindertageseinrichtungen liegt. Das Land könne wegen der kommunalen Selbstverwaltung und der Vertragsfreiheit freier Träger darauf keinen direkten Einfluss nehmen, sagte eine Sprecherin. Wann das kostenlose letzte Kita-Jahr kommen soll, das im Koalitionsvertrag vereinbart wurde, ist noch offen. 

Elternvertreter fordern grundlegende Reform

Ein beitragsfreies letztes Kita-Jahr könne aus Sicht des LEBK ein wichtiger Schritt zur Entlastung sein. Es dürfe allerdings keine isolierte Maßnahme bleiben. Der Elternbeirat warnt, dass Kommunen die Einnahmeausfälle andernfalls auf andere Kita-Jahrgänge umlegen könnten.

Der Landeselternbeirat fordert eine grundlegende Reform der Kita-Finanzierung in Baden-Württemberg. Frühkindliche Bildung müsse stärker als Teil des Bildungssystems betrachtet werden und dürfe nicht allein als kommunale Aufgabe behandelt werden, sagte die Sprecherin. „Kinder sind kein Kostenfaktor, sondern ein Invest, der sich volkswirtschaftlich lohnt.“

Wie hoch die Kosten sind, hängt auch vom Wohnort ab. (Archivbild) Marijan Murat/dpa

Wie hoch die Kosten sind, hängt auch vom Wohnort ab. (Archivbild) Marijan Murat/dpa

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