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Marx 30 Jahre im Bischofsamt: „Ihr werdet mich nicht los“

Der Münchner Erzbischof Marx gehört zu den bekanntesten Gesichtern der katholischen Kirche in Deutschland. Seit drei Jahrzehnten ist er Bischof und hatte es in der Zeit mit vier Päpsten zu tun.

16.09.2026

Kardinal Reinhard Marx wurde vor 30 Jahren zum Weihbischof geweiht. (Archivbild)Uwe Lein/dpa

Kardinal Reinhard Marx wurde vor 30 Jahren zum Weihbischof geweiht. (Archivbild)Uwe Lein/dpa

© Uwe Lein/dpa

Johannes Paul II. hat ihn zum Weihbischof, Benedikt XVI. zum Erzbischof und Kardinal gemacht, und unter Franziskus ist er zu einem wichtigen Berater der Kurie geworden. Und nun unter Papst Leo XIV.? 

Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, gehört zu den profiliertesten Köpfen der katholischen Kirche in Deutschland - und er hat nach eigenen Angaben Lust auf weitere Jahre im Amt. Wenn er in zwei Jahren 75 wird, werde er - wie vom Kirchenrecht vorgesehen - dem Papst seinen Rücktritt anbieten, sagte er der Mediengruppe „Münchner Merkur/tz“. „Bis dahin sind es aber noch zwei Jahre - und ich bin überhaupt nicht amtsmüde.“

Papst Leo habe ihn gerade für weitere fünf Jahre an die Spitze des Vatikanischen Wirtschaftsrates berufen. „Ich bin zwar jetzt ein älterer Herr und gehe gelegentlich am Stock. Aber mir geht es gut“, sagte er in dem Interview.

Jubiläum: 30 Jahre Bischof

Marx feiert am kommenden Montag sein Bischofsjubiläum. Vor 30 Jahren, am 21. September 1996, wurde er in Paderborn zum Weihbischof geweiht. Seitdem ging es noch weiter nach oben auf der kirchlichen Karriereleiter.

Sein Bischofsjubiläum feiert Marx am kommenden Montag mit einem Gottesdienst in München, er wird an diesem Tag auch 73 Jahre alt - doch zuvor gibt es eine durchaus bemerkenswerte Veranstaltung in der Katholischen Akademie Bayern. Unter der Überschrift „Der synodale Bischof: Das Leitungsamt der Kirche unter dem Anspruch der Synodalität neu denken“ will Marx am Wochenende selbst mitdiskutieren. An seiner Seite stehen eine ganze Reihe von Expertinnen und Experten, die über die Bedeutung des Bischofsamts nachdenken wollen und darüber, wie Reformen auf diesem Feld gelingen könnten.

Reizbegriff „Synodal“

Denn Fakt ist: Die katholische Kirche ist durch und durch hierarchisch geprägt. Viele Reformvorschläge setzen genau hier an: Müssten nicht die Gläubigen stärker eingebunden werden in die Frage, wer eine Diözese leitet? Welche Eigenschaften muss ein Bischof mitbringen in Zeiten von sinkenden Mitgliederzahlen? 

„Synodal“ ist dabei inzwischen in der katholischen Kirche zu einem Reizbegriff geworden. Papst Franziskus hatte eine Weltsynode installiert, um über die Zukunft der Kirche nachzudenken. Konkreter wurde die katholische Kirche in Deutschland: Als Konsequenz auf den Missbrauchsskandal wurde der Synodale Weg eingerichtet, Bischöfe und Laien wollten dabei gemeinsam nach Wegen aus der Krise suchen. Bislang ist aber völlig offen, wie es mit diesem Projekt weitergehen kann, der Vatikan blickt skeptisch auf die Bemühungen, heftiger Gegenwind kommt auch aus konservativen Kreisen.

Rücktrittsversuch bereits 2021

Und Marx? Der war mittendrin. Von 2014 bis 2020 leitete er die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und initiierte auch den Synodalen Weg mit. Doch fast wäre es mit der Kirchenkarriere von Marx bereits 2021 vorbei gewesen, im Zuge des Missbrauchsskandals hatte er dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Doch Franziskus lehnte ab.

Als in Marx‘ früherem Bistum Trier vor knapp einem Jahr eine Missbrauchsstudie vorgestellt wurde, räumte er Fehler ein. Es sei ihm immer deutlicher geworden, „dass ich in meiner Zeit als Bischof von Trier die Thematik sexualisierter Gewalt und sexuellen Missbrauchs nicht so umfassend und klar wahrgenommen habe, wie das angemessen gewesen wäre“, schrieb Marx in einer Stellungnahme. Er bitte die Menschen um Verzeihung, „denen ich nicht gerecht geworden bin“.

Klare Worte 

Marx hat als Kardinal zweimal am Konklave zur Papstwahl teilgenommen, er gilt als rhetorisch stark und jemand, der klare Worte findet und sich nicht auf salbungsvolle Sätze beschränkt. Er fordert Einsatz für Demokratie, Menschenrechte und Frieden - erst jüngst nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt betonte er: Völkischer Nationalismus sei mit dem christlichen Gottes- und Menschenbild unvereinbar.

Im Pontifikat des 2025 gestorbenen Franziskus hatte Marx auch in der Weltkirche großen Einfluss. Inzwischen ist es ruhiger geworden um ihn. Gleichwohl findet er lobende Worte für Papst Leo XIV., so etwa zum Jahrestag der Papstwahl im Mai. Leo sei eine „Stimme der ganzen Menschheit“, der Papst handle „ohne nationale und ökonomische Interessen, da ist kein Staatsoberhaupt über ihm, er ist frei. Welch eine großartige Institution!“

Marx: „Ihr werdet mich nicht los“

Und Marx selbst? Er stammt zwar aus Geseke in Westfalen, seine Zukunft sieht er aber in Bayern. „Ihr werdet mich nicht los. Ich würde schon gerne in München bleiben. Hier bin ich gerne zuhause“, sagte er in dem „Merkur/tz“-Interview. 

„München ist der Ort, an dem ich am längsten gelebt habe. Wie schön sind die Berge und Seen in Oberbayern! Ich sitze auch gerne in meiner Bücherhöhle, meinem privaten Arbeitsbüro, da bin ich von Büchern umgeben und kann auch eine Zigarre rauchen. Meine Angehörigen und viele Freunde wohnen ja weit weg von hier. Aber ich bin hier jetzt stark verwurzelt und „dahoam“. Mir als gebürtigem Westfalen ist Oberbayern wirklich zur Heimat geworden.“

Marx leitet die Erzdiözese München-Freising. (Archivbild)Daniel Löb/dpa

Marx leitet die Erzdiözese München-Freising. (Archivbild)Daniel Löb/dpa

© Daniel Löb/dpa

Zum Weihejubiläum, das Kardinal Marx am 21. September feiert, gibt es einen Gottesdienst im Münchner Dom. (Archivbild)Felix Hörhager/dpa

Zum Weihejubiläum, das Kardinal Marx am 21. September feiert, gibt es einen Gottesdienst im Münchner Dom. (Archivbild)Felix Hörhager/dpa

© Felix Hörhager/dpa