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Männer demonstrieren am Vatertag gegen Gewalt an Frauen

Herrentag ganz anders: In Hamburg und Berlin kommen mehrere Hundert Männer zusammen, um sich gegen Gewalt an Frauen einzusetzen. Was steckt hinter der Aktion?

14.05.2026

Das Ziel der Aktion sei es, den Männertag inhaltlich neu zu besetzen.Lilli Förter/dpa

Das Ziel der Aktion sei es, den Männertag inhaltlich neu zu besetzen.Lilli Förter/dpa

© Lilli Förter/dpa

Protest statt Bollerwagen: Zum Vatertag sind in Hamburg zahlreiche Menschen auf dem Heiligengeistfeld zusammengekommen, um sich gegen sexualisierte Gewalt an Frauen starkzumachen. Die Hamburger Gruppierung „ComeOnBoys“ hatte dazu aufgerufen - parallel gab es am Brandenburger Tor in Berlin eine Demonstration mit gleichem Tenor. Das Ziel sei es, den „Herrentag“ inhaltlich neu zu besetzen 

„Es fängt mit uns an. Es ist unsere Aufgabe. Es ist unsere Verantwortung“, sagte ein Sprecher in Hamburg. Unter dem Motto „Come on, Boys! – aka Der Bollerwagen der Würde“ solle dem Vatertag eine neue Bedeutung verliehen werden. 

Auf Transparenten stand „Boys will be... verantwortlich“, „Kein Platz für Täterkultur“, „Men of quality do not fear equality“ oder „Bessere Männer erziehen. #Vatertag“. Auch viele Frauen und Kinder waren bei der Kundgebung dabei – und ausdrücklich willkommen.

 Die „Bro-Culture“ aufbrechen

Die Kritik an Männlichkeit habe seit der Me-too-Debatte ein enormes Tempo aufgenommen, so die Veranstalter. Es sei an der Zeit, Männerbünde, die sogenannte „Bro-Culture“, zu erkennen und aufzubrechen. „Schlechte Witze, Abwertung, Besitzdenken“ seien in bestimmten Kreisen immer noch an der Tagesordnung. 

Viele Menschen kamen mit Plakaten, auf denen etwa die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen angeprangert wurde.Lilli Förter/dpa

Viele Menschen kamen mit Plakaten, auf denen etwa die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen angeprangert wurde.Lilli Förter/dpa

© Lilli Förter/dpa

„Wieso haben die meisten Männer eigentlich keine weiblichen oder queeren Vorbilder?“, fragte ein Sprecher. Auch patriarchale Strukturen wie unbezahlte Sorgearbeit, die größtenteils an Frauen hängenbleibe, und finanzielle Abhängigkeit wurden kritisiert. Die Aufklärungsarbeit zu diesen Themen dürfe nicht an Frauen hängenbleiben. 

„An der Zeit, noch wütender zu sein“

Eine Teilnehmerin sagte: „Ich bin neugierig mir anzuschauen, was Männer hier auf die Beine gestellt haben, um sich laut zu machen gegen Gewalt an Frauen.“ Es sei an der Zeit, noch wütender zu sein und sich den Raum zu nehmen. „Und deswegen ist es wichtig, an solchen Tagen auf die Straße zu gehen, zusammenzuhalten, laut zu sein und ein Zeichen zu setzen“, so die Hamburgerin.

„Ich finde es auf jeden Fall wichtig, dass nicht nur Frauen die Männer mitschleppen oder nur Frauen auf solchen Demos stehen“, betonte ein Teilnehmer. „Ich habe jetzt heute Morgen auch von meinen Töchtern ein Geschenk bekommen und das finde ich auch cool“ – aber Gewalt gegen Frauen sei Alltag und dagegen aufzustehen, längst überfällig. „Es sind ja nicht nur meine Töchter, die irgendwie potenziell Gewalt ausgesetzt sind, sondern es ist die Hälfte der Gesellschaft“, betonte er. 

Schauspieler und Rapper unter Initiatoren

Unter den Initiatoren der Demo sind auch bekannte Namen, etwa der Schauspieler Enrique Fiß, bekannt aus der ARD-Vorabendserie „Großstadtrevier“, und Arne Ihlenfeld, der unter dem Künstlernamen Captain Gips als Rapper auftritt 

Die Initiatoren hatten mitgeteilt: „Wir wollen keinen Tag erleben, an dem Männergruppen bis oben hin mit Alkohol gefüllte Bollerwagen hinter sich herziehen, ihre vermeintliche Männlichkeit breitbeinig vor sich hertragen und vor allem durch (sexuelle) Belästigungen im öffentlichen Raum auffallen.“ Stattdessen wollten sie sich an diesem Tag solidarisch an die Seite Gewaltbetroffener stellen - und sich „kritisch mit Männlichkeit, insbesondere männlicher Gewalt“ auseinandersetzen. 

Neuer Anstoß durch Collien Fernandes

Die gesellschaftliche Diskussion über digitale und sexualisierte Gewalt gegen Frauen hatte mit Bekanntwerden der Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen Ende März neue Fahrt aufgenommen. Er soll Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber pornografische Inhalte verbreitet haben. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Tausende Menschen gingen danach in vielen Städten bei Demonstrationen auf die Straße, um mehr Schutz für Opfer sexualisierter Gewalt zu fordern.

Das Publikum war bunt gemischt: Männer, Frauen, Kinder.Lilli Förter/dpa

Das Publikum war bunt gemischt: Männer, Frauen, Kinder.Lilli Förter/dpa

© Lilli Förter/dpa

Künstlerinnen, Künstler und Sprecher traten auf.Lilli Förter/dpa

Künstlerinnen, Künstler und Sprecher traten auf.Lilli Förter/dpa

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