Letzter Kühlturm beim ehemaligen AKW Biblis abgerissen
Einst konnte man sie aus der Ferne sehen, die vier Kühltürme des ehemaligen Atomkraftwerks Biblis. Jetzt sind sie Trümmer.
Die Kühltürme in Biblis sind weg. Der letzte Turm ist bei den Abrissarbeiten kollabiert.-/RWE/dpa
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Die vier früher weithin sichtbaren Kühltürme des AKW Biblis sind Geschichte. Der letzte Turm sei bei den Abrissarbeiten um 12.43 Uhr kollabiert, sagte ein Sprecher des Energieversorgers RWE. Der Abriss des 80 Meter hohen Turms sei im selben Verfahren erfolgt, wie bei den drei anderen Türmen zuvor. Durch das Entfernen von Stützen sei er so lange destabilisiert worden, bis er einstürzte.
„Der Abbruch aller Kühltürme ist für uns ein wichtiger Meilenstein im Rückbau und ein nach außen sichtbarer Beleg, dass wir den politisch beschlossenen Kernenergieausstieg konsequent umsetzen“, sagte Ralf Stüwe, der den Rückbau der Anlage verantwortet.
Naturschützer wollten Turm als Brutkolonie
Zuvor war von Naturschützern Kritik am Abriss laut geworden, weil an dem Turm eine Brutkolonie von Mehlschwalben war. Mehlschwalben gehören den Tierschützern zufolge nach der europäischen Vogelschutzrichtlinie zu den besonders geschützten Arten und sind auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft. Sie hatten sich mit einer Petition an den Kreis gewendet, um einen Abriss zu stoppen.
Nach Angaben eines RWE-Sprechers habe der Kreis auch angewiesen den Abriss zu stoppen. Nach den am Dienstag begonnenen Arbeiten sei die Statik des Turms aber schon so geschwächt gewesen, dass er heute abgerissen wurde.
Ausgleichsmaßnahmen und Monitoring
Artenschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen seien bereits umgesetzt worden. „Dafür wurden an ausgewählten Standorten insgesamt acht Schwalbenhäuser mit Platz für mehrere hundert Tiere errichtet“, heißt es in einer Mitteilung von RWE. Die Ersatzmaßnahmen würden gemäß den Auflagen seit 2023 für fünf Jahre von einem unabhängigen Artenschutzgutachter durch ein jährliches Monitoring begleitet.
Warum wird Biblis rückgebaut?
Nach der Fukushima-Katastrophe 2011 in Japan wurde das Kernkraftwerk wie nach und nach alle anderen deutschen Kernkraftwerke stillgelegt. Seit 2017 wird die Anlage abgerissen. Die beiden Druckwasserreaktoren in Block A und Block B waren 1974 beziehungsweise 1976 in Betrieb gegangen.
Die Verantwortlichen rechnen mit dem Abriss des früheren Kraftwerks mit rund einer Million Tonnen Schutt und Schrott. Die jeweils 7.500 Tonnen konventioneller Schutt, die pro Kühlturm anfallen, sollen nach Angaben des Energieversorgers RWE recycelt und wiederverwendet werden.
Der letzte Kühlturm in Biblis ist abgerissen. (Archivbild)picture alliance / dpa
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