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Leiharbeit in der Pflege: Kliniken zahlen drauf

Wenn Fachkräfte fehlen, müssen Leiharbeiter ran. In Krankenhäusern halten sie den Betrieb am Laufen. Doch das ist teuer – und belastet Kollegen und Patienten. 2027 könnte sich der Druck verschärfen.

19.10.2026

Laut Krankenhausgesellschaft geht die Zahl der Leihkräfte zurück. (Symbolbild)Hendrik Schmidt/dpa

Laut Krankenhausgesellschaft geht die Zahl der Leihkräfte zurück. (Symbolbild)Hendrik Schmidt/dpa

© Hendrik Schmidt/dpa

Für Pflegekräfte hat es Vorteile, aber für die Krankenhäuser ist es teurer und für die Patienten unruhiger: Leiharbeitsverträge in der Pflege sind ein Problem. Wie groß dieses Problem ist, darüber wird gerade wieder diskutiert. Klar ist aber: Der Fehler steckt im System. 

Die Vergabepraxis für Leiharbeitskräfte am Universitätsklinikum Frankfurt beschäftigte am Montag den Wissenschaftsausschuss im hessischen Landtag in Wiesbaden. Hintergrund ist ein Bericht der Hessenschau, wonach Aufträge ohne Ausschreibung vergeben wurden, obwohl dies nötig gewesen wäre. Der Vorstandsvorsitzende des Universitätsklinikums, Prof. Jürgen Graf, kündigte Nachbesserungen an.

Wieso gibt es überhaupt Leiharbeit?

Wieso gibt es überhaupt Leiharbeit? „Krankenhäuser können dadurch kurzfristig auf Personalengpässe reagieren“, sagt das hessische Gesundheitsministerium. „Wenn Fachkräfte fehlen oder eine Krankheitswelle Teams ausdünnt, ist Leiharbeit oft der einzige Weg, die Personalvorgaben einzuhalten und keine Betten sperren zu müssen“, sagt der Direktor der Hessischen Krankenhausgesellschaft, Steffen Gramminger. 

„Es gibt kein Krankenhaus, das ohne Leiharbeit funktioniert“, sagt Stefan Röhrhoff, der bei Verdi Hessen den Fachbereich Gesundheit leitet. Hintergrund sei der Fachkräftemangel. Besonders groß ist der Bedarf nach Einschätzung der Gewerkschaft bei „der Pflege am Bett“ und in den Operationssälen. 

Wie häufig werden Leiharbeiter eingesetzt?

Rund die Hälfte der hessischen Krankenhäuser setze dauerhaft oder gelegentlich Leiharbeitskräfte ein, so das Ministerium. Wie der „Hessische Pflegemonitor“ zeigt, waren bei Akutkrankenhäusern zuletzt neun Prozent aller Stellen mit Leiharbeitern besetzt. In der Altenpflege waren es sogar 18 Prozent.

„Die Leiharbeit in der Pflege geht zurück“, sagt Gramminger von der Krankenhausgesellschaft. Laut Bundesagentur für Arbeit gab es in Hessen Mitte 2025 rund 2.400 Leihkräfte in Pflegeberufen – in Krankenhäusern und Altenpflege zusammen. „Das ist etwa ein Viertel weniger als 2023 und entspricht 1,9 Prozent aller Beschäftigten in diesen Berufen“, so Gramminger. 

Was haben die Pflegekräfte davon?

Für Pflegekräfte ist Leiharbeit „eine Möglichkeit, aus der Krankenhausmühle auszubrechen“, so Röhrhoff. „Sie bekommen mehr Geld und können sich aussuchen, wann wo und wie viel sie arbeiten.“ 

Leihkräfte werden laut Verdi auch im OP eingesetzt. (Symbolbild)Sina Schuldt/dpa

Leihkräfte werden laut Verdi auch im OP eingesetzt. (Symbolbild)Sina Schuldt/dpa

© Sina Schuldt/dpa

Wie viel sie als Leiharbeiter mehr verdienen, weiß niemand so genau. Eine stichprobenartige Befragung von Verdi Hessen kam auf bis zu 500 Euro mehr pro Monat, in Einzelfällen bis zu 1.000 Euro. Dazu kommen für die Kliniken noch die Gebühren der Leiharbeitsfirmen.

Wo liegt das Problem?

Was für die einzelne Schwester oder den einzelnen Pfleger toll ist, ist ein Problem für den Arbeitgeber – und damit für unser aller Gesundheitskosten. „Für die Häuser ist es teuer“, sagt Gramminger von der Krankenhausgesellschaft. „Die Krankenkassen erstatten Leiharbeit nur bis zur Höhe des Tariflohns, alles darüber tragen die Kliniken selbst.“

Nachteile haben auch die Kollegen und die Patienten: „Die Versorgung ist gesichert, aber auf der Station fehlt Kontinuität“, sagt Gramminger. Auch das Ministerium sagt: „Der häufige Wechsel auf Station kann die Kontinuität in der Versorgung erschweren. Für das Stammpersonal kann dadurch zusätzlicher Aufwand entstehen, etwa wenn neue Kolleginnen und Kollegen eingearbeitet werden müssen.“ 

Was wünschen sich Pflegekräfte?

Was wäre der Weg, wenn man Leiharbeit eindämmen möchte – weil ein eingearbeitetes Team besser funktioniert, weil alle im gleichen Job gleich viel verdienen sollten, weil es die Krankenhäuser weniger kostet? „Man müsste versuchen, die Arbeit in der Pflege attraktiver zu machen“, sagt Verdi-Experte Röhrhoff. 

Das Geld ist dabei nicht der einzige Faktor, wie die Befragung „Ich pflege wieder, wenn...“ der Arbeitskammern zeigt: Pflegefachkräfte wären bereit, in ihren Beruf zurückzukehren oder ihre Stunden zu erhöhen, wenn sie bessere Arbeitsbedingungen vorfänden. Genannt wurden: ausreichend Zeit und Personal, verlässliche Arbeitszeiten, Mitsprache beim Dienstplan und eine wertschätzende Führungskultur. 

In welche Richtung entwickelt sich das?

Verdi-Gesundheitsexperte Röhrhoff glaubt eher, dass es in Zukunft mehr Leiharbeit geben wird. Wenn die Politik die Gesundheitskosten in den Griff bekommen will, könnte bei der Refinanzierung der Personalkosten gespart werden. „Das führt zu Personalabbau, der dann über Leiharbeit wieder ausgeglichen werden muss, um die nötige Pflege zu gewährleisten. Was allerdings auf Dauer betriebswirtschaftlich teurer ist.“

Der Krankenhausgesellschaft sieht Leiharbeit eher auf dem Rückzug: „Die Kliniken haben viel dafür getan“, sagt Gramminger: „mehr eigenes Personal, eigene Springerpools, flexiblere Dienstmodelle“. Ganz auf Leiharbeit verzichten könne man meistens trotzdem nicht.

Kann der Gesetzgeber eingreifen?

„Der Einsatz von Leiharbeitskräften ist grundsätzlich zulässig“, erklärt das hessische Gesundheitsministerium. Das Problem: „Die Krankenkassen erstatten Leiharbeit nur bis zur Höhe des Tariflohns, alles darüber tragen die Kliniken selbst“, sagt die Krankenhausgesellschaft. Ab 2027 wird das Pflegebudget zusätzlich gedeckelt. 

Die Deutsche und die Hessische Krankenhausgesellschaft fordern daher „eine gesetzliche Obergrenze für Verleihpreise“, wie Grammiger sagt. Der Bund habe das bisher aber abgelehnt. „Unser Ziel bleibt ein stabiles eigenes Team auf jeder Station.“

Laut Krankenhausgesellschaft geht die Zahl der Leihkräfte zurück. (Symbolbild)Hendrik Schmidt/dpa

Laut Krankenhausgesellschaft geht die Zahl der Leihkräfte zurück. (Symbolbild)Hendrik Schmidt/dpa

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