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„Lebensfreude pur“: Nackt auf dem Rad durch den Wald

Die „Taunus Nackt-Mountainbike-Gruppe“ radelt nicht nur hüllenlos durch den Wald. Die Männer stecken auch hinter der großen Nacktrad-Demo mit mehr als 500 Teilnehmern in Berlin. Was treibt sie an?

18.08.2026

Hunderte schlossen sich der Demo für Toleranz in Berlin an.Christophe Gateau/dpa

Hunderte schlossen sich der Demo für Toleranz in Berlin an.Christophe Gateau/dpa

© Christophe Gateau/dpa

Ein paar Hundert Meter hinein in den Wald, dann steigen die Männer vom Rad und schwupp, weg ist die Kleidung. Ralf, Stefan, Daniel und Thomas stopfen T-Shirts und kurze Hosen in Rucksäcke oder Fahrradtaschen. Der Helm bleibt auf dem Kopf, Schuhe und Socken an den Füßen, aber dazwischen sind die Mitglieder der „Taunus Nackt-Mountainbike-Gruppe“ genau das: nackt.

Jeden Donnerstagnachmittag zwischen Mai und September treffen sich bis zu ein Dutzend Teilnehmer, um hüllenlos rund zwei Stunden auf verschiedenen Touren durch den Wald zu radeln. Spaziergänger reagieren verdutzt, aber bis sie sich versehen, ist die Gruppe auch schon vorbei, denn die meisten fahren motorisiert.

Jeden Donnerstag fahren die Mitglieder der Gruppe nackt durch den Wald.Helmut Fricke/dpa

Jeden Donnerstag fahren die Mitglieder der Gruppe nackt durch den Wald.Helmut Fricke/dpa

© Helmut Fricke/dpa

„Das ist pure Lebensfreude“, schwärmt Ralf Sprenger am Startpunkt der Gruppe. Der 58-jährige Neu-Anspacher hat die Gruppe vor fünf Jahren ins Leben gerufen. Nackt im Wald fühle er sich der Natur besonders nah. Horst schwärmt von dem Gefühl, „Wind und Sonne am ganzen Körper zu spüren“. Stefan genießt, „dass keine verschwitzten Klamotten an mir kleben“. Mit den Klamotten legt man den Alltag ab“, sagt Stefan. Das einzige Stück Stoff für die nächsten zwei Stunden: selbst genähte, waschbare Überzüge für den Sattel. 

Nacktheit als Therapie

Unter „Naturisten“, das erfährt das Reporterteam bereits im vorbereitenden Mailverkehr, ist man prinzipiell per Du. Die meisten der rund 25 Mitglieder der „Taunus Nackt-Mountainbike-Gruppe“ betreiben auch andere Freikörper-Aktivitäten. Horst organisiert zum Beispiel Nacktwanderungen. Obwohl es bei anderen FKK-Aktivitäten durchaus Frauen gibt, haben sich der Mountainbike-Gruppe bisher keine Frauen angeschlossen. 

Dass es die Gruppe gibt, liegt an Ralf Sprengers Depression. In der Therapie bekam er eine Liste mit „100 angenehmen Tätigkeiten“, die er ausprobieren sollte, um positive Erfahrungen zu machen. Punkt zwei war „nackt herumlaufen“. Der Trick habe funktioniert: „Sich mit dem eigenen Körper auseinanderzusetzen, ist der erste Schritt, sich selbst zu akzeptieren.“

Ralph Sprenger hat die Gruppe vor fünf Jahren ins Leben gerufen.Helmut Fricke/dpa

Ralph Sprenger hat die Gruppe vor fünf Jahren ins Leben gerufen.Helmut Fricke/dpa

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Die Krankenkasse Barmer stützt diese These: „Wer Nacktheit positiv gegenübersteht und sie häufiger zelebriert, das haben Forscher herausgefunden, ist zufriedener mit dem eigenen Körper. Und wer sich öfter selbst mal ganz auszieht, der bekommt dadurch ein besseres Körperbild und auch ein höheres Selbstwertgefühl.“

Polizei weiß von keinen Beschwerden

Als leidenschaftlicher Fahrradfahrer wollte Sprenger die neu entdeckte Nacktheit gern auch auf dem Rad erleben. Eine Recherche ergab: Juristisch spricht nichts dagegen. „Vom Grundsatz her ist Nacktsein nicht verboten“, bestätigt das für den Taunus zuständige Polizeipräsidium Westhessen. Im Einzelfall könnte eine Belästigung der Allgemeinheit vorliegen - beispielsweise in großen Menschenmengen oder an Spielplätzen.

Mit den Radlern habe es bisher keine Probleme gegeben, berichtet die Polizei. „Spaziergänger schmunzeln, Kinder beömmeln sich“, fasst Sprenger die Mehrzahl der Reaktionen zusammen. Kritische Nachfragen seien okay. Gerade heute hat ihn allerdings eine anonyme Postkarte erreicht - „mit Dreckschweine und so“. Er hat sie zerrissen.

Demo in Berlin mit Hunderten Teilnehmern, organisiert im Taunus 

Der Zeitpunkt könnte damit zusammenhängen, dass den Naturisten der Taunus nicht mehr genügt. Anfang August haben die Taunus-Radler in Berlin den ersten „World Naked Bike Ride“ Deutschlands organisiert. Mehr als 500 Menschen fuhren laut Polizei hüllenlos durch die Hauptstadt, mitten durch die City und einmal ums Regierungsviertel. Angemeldet war die Tour als Demo für „Toleranz, Vielfalt, Selbstakzeptanz und ein tolerantes Miteinander ohne Perfektionsdruck“. Die Polizei begleitete bekleidet.

Die Demo „World Naked Bike Ride“ in Berlin wurde vom Taunus aus organisiert. (Archivbild)Christophe Gateau/dpa

Die Demo „World Naked Bike Ride“ in Berlin wurde vom Taunus aus organisiert. (Archivbild)Christophe Gateau/dpa

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Trotz der inzwischen überregionalen Bekanntheit ist die Gruppe kein eingetragener Verein. Wer sich im Internet über den Club informieren will, muss zunächst bestätigen, dass er oder sie volljährig ist, denn schon auf den ersten Klick ist alles zu sehen, was es zu sehen gibt.

Als die Nacktradler an diesem Donnerstag an ihrer üblichen Stelle im Wald blankziehen, nähert sich eine Frau mit Hund. „Nicht erschrecken!“, ruft Ralf ihr schon aus großer Entfernung zu. Als sie näher kommt, lacht sie: „Ich hab‘ von Euch gelesen.“ Wie findet sie es, dass ihr nackte Männer begegnen mitten im Wald? Sie überlegt kurz und sagt dann: „Jeder so, wie er mag.“

Hunderte schlossen sich der Demo für Toleranz in Berlin an.Christophe Gateau/dpa

Hunderte schlossen sich der Demo für Toleranz in Berlin an.Christophe Gateau/dpa

© Christophe Gateau/dpa