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„Lausitz-Mourinho“ will Spektakel: Cottbus träumt von Liga 2

Trainer Wollitz und Energie sind nah dran am Fußballmärchen. Tausende Fans pilgern nach Regensburg, um dort die erhoffte Aufstiegsparty zu feiern. Was haben Bier, Bratwurst und Senf damit zu tun?

15.05.2026

Erzielte in der Vorwoche gegen Wiesbaden den Siegtreffer: Tolga Cigerci. (Archivbild)Frank Hammerschmidt/dpa

Erzielte in der Vorwoche gegen Wiesbaden den Siegtreffer: Tolga Cigerci. (Archivbild)Frank Hammerschmidt/dpa

© Frank Hammerschmidt/dpa

Beim Gedanken an mögliche Duelle mit Dynamo Dresden, Magdeburg oder Hertha BSC gerät Claus-Dieter Wollitz ins Schwärmen. „Die Stadien. Welchen Ausblick man haben könnte. Welche Derbys hier stattfinden würden auf Zweitliga-Niveau. Das sind ja für Cottbus Highlight-Spiele“, sagte der Energie-Coach vor dem Saisonfinale, dem die Lausitz voller Vorfreude und Hoffnung entgegenfiebert.

Nach zwölf Jahren Abstinenz mit sieben Jahren in der Viertklassigkeit steht Energie Cottbus vor der Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga. Für das von einigen Experten vor der Saison als Abstiegskandidat gehandelte Team wäre es ein Fußballmärchen.

Und die Ausgangsposition könnte vor dieser historisch anmutenden Chance und dem Auswärtsspiel beim SSV Jahn Regensburg an diesem Samstag (13.30 Uhr/rbb und Magenta Sport) kaum verheißungsvoller sein. Mit einem Sieg bleiben die Brandenburger definitiv vor Duisburg und Essen und steigen sicher auf. Selbst ein Remis reicht, wenn die Verfolger nicht hoch gewinnen. Bei einer Niederlage muss Energie auf einen Patzer der Konkurrenz hoffen.

Kein Angsthasenfußball: „Ich will Spektakel“

Aktuell steht Cottbus bei 69 Punkten und einer Tordifferenz von +20. Dahinter folgen Duisburg (67 Punkte/+17) und Essen (67 Punkte/+11). „Wenn wir es nicht schaffen sollten, gibt es sowieso nur einen Verlierer und der sitzt hier. Das ist sicher wie das Amen in der Kirche, deswegen kann die Mannschaft befreit aufspielen“, befand Wollitz und nahm Druck von seiner Mannschaft. 

Wollitz will seinem Team den maximalen Fokus ermöglichen. (Archivbild)Frank Hammerschmidt/dpa

Wollitz will seinem Team den maximalen Fokus ermöglichen. (Archivbild)Frank Hammerschmidt/dpa

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Die gewisse Anspannung, die über der Lausitz liegt, lässt sich trotzdem nicht leugnen. Angsthasenfußball ist von Energie aber nicht zu erwarten. „Wir sind keine Mannschaft, die passiv spielen kann. Ich möchte Spektakel. Nur Spektakel kann Möglichkeiten geben, sich frei zu bewegen. Dich überzeugt zu bewegen. Wir haben junge, unbekümmerte Spieler“, erklärte Wollitz angriffslustig. 

„Dieser Typ, der hat mich richtig berührt“

Der 60-Jährige trainiert die Brandenburger seit der Saison 2021 bereits zum dritten Mal. Für viele ist er eine Reizfigur, gar ein Prolet. Im Podcast „Sport im Osten“ wurde er aufgrund seiner oft kauzigen Art als „Lausitz-Mourinho“ betitelt - in Anlehnung an Lissabons Trainer José Mourinho, der ebenfalls gerne aneckt. 

Doch offenbar ist „Pele“ Wollitz in Cottbus genau am richtigen Ort. „Ich habe viele Trainer in meiner Karriere gehabt. Aber dieser Typ, der hat mich richtig berührt. Er ist menschlich top. Diese Emotionen, die er uns im Training vor dem Spiel gibt. Das kriegen nicht viele hin. Ich bin dankbar, dass ich so einen Trainer noch in meiner Karriere haben darf“, lobte der frühere Bundesliga-Profi Tolga Cigerci, Bruder von Drittliga-Ausnahmespieler Tolcay Cigerci.

Tausende Cottbus-Fans reisen mit

Rund 6.000 Fans sollen den Drittligisten in die Oberpfalz begleiten. Der Rest dürfte sich daheim bei Public Viewing versammeln. „Die Leute rennen uns die Bude ein“, verriet Gastronom Frank Kuban von der Strandpromenade der „Lausitzer Rundschau“. Es gebe für Samstag nur noch Restplätze. Auf sieben Bildschirmen und einer LED-Wand werde das Spiel gezeigt. „Man merkt: Die Leute sind euphorisch und stolz auf Energie“, urteilte Kuban. 

Träumt von der Rückkehr in die 2. Bundesliga: Energie Cottbus. (Archivbild)Frank Hammerschmidt/dpa

Träumt von der Rückkehr in die 2. Bundesliga: Energie Cottbus. (Archivbild)Frank Hammerschmidt/dpa

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Für Wollitz gibt es kaum ein Team, das mehr Widerstände überwinden musste als Cottbus. „Wir haben Standortnachteile, wir haben Infrastruktur-Nachteile, wir sind im Etatranking im hinteren Bereich. Wenn es eine Mannschaft verdient hat, dann diese.“

Auch für die Fans würde sich der Aufstieg lohnen, denn Wollitz stellte ihnen als Dank für den herausragenden Support eine besondere Belohnung in Aussicht: „Ich kann auch jedem Fan drei Bier ausgeben. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen hätte ich. Ich gebe denen auch noch eine Bratwurst aus und haue jedem den Senf darauf“, versprach der Coach.