Lacher, Memes, PR-Gags: Die kuriosen Momente der WM-Vorrunde
Schiri-Durchsagen als Netz-Hits, der Instagram-Hype um Kap Verdes Torwart und ein frecher Coup gegen strenge FIFA-Werberegeln: Die WM-Vorrunde bot viele Geschichten, die Fans zum Schmunzeln brachten.
72 Gruppenspiele, um am Ende doch nur wieder bei den 32 Teams vorheriger Turniere zu landen: Für Kritiker war Gianni Infantinos XXL-WM mit 48 Mannschaften vor allem eines - aufgebläht. Doch kurz vor Abschluss der Vorrunde zeigt sich: Langweilig war sie sicher nicht. Ein Überblick über die unterhaltsamsten Momente abseits der großen Stars der größten WM-Vorrunde aller Zeiten:
„Decision is: Red Card!“: VAR-Ansagen der Schiris werden Netz-Hits
Schiedsrichter Wilton Pereira Sampaio lieferte den ersten Netz-Hit des Turniers.Tom Weller/dpa
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Die VAR-Entscheidungen boten nicht nur Anlass zu Debatten, sondern auch für echte Lacher. Der Grund waren Durchsagen der Schiedsrichter nach Videoüberprüfungen. Schon im WM-Eröffnungsspiel landete der brasilianische Schiri Wilton Pereira Sampaio in der Heimat unfreiwillig einen Internet-Hit. Sein brasilianischer Akzent und die Formulierung der Erklärung auf Englisch bei einer Roten Karte für Südafrika sorgte für heitere Reaktionen und Memes.
Neben der Aussprache des Buchstabens „R“ habe dazu einem Linguistikforscher zufolge auch die Stadionakustik mit hörbarem Echo dazu beigetragen, dass der Schiedsrichter kaum zu verstehen war. Besonders häufig im Netz geteilt wurden daher auch Bilder südafrikanischer Spieler, die während der Durchsage sichtbar irritiert wirkten.
Auch Schiedsrichter Iván Barton aus El Salvador setzte bei der ersten Roten Karte der WM-Geschichte für das Bedecken des Mundes mit der Hand während eines Spielerstreits nur auf wenige, dafür aber die wichtigen Wörter. Den Platzverweis für Paraguays Miguel Almirón gab er in bestimmenden Ton zum Besten: „After Review. Number 10. Paraguay. Covered his mouth. Decision is: Red Card!“
Skurrile FIFA-Werberegeln: Levi’s trickst sich zu PR-Coup
Das Levi’s-Emblem wird während der WM abgedeckt - trotzdem gelang dem Unternehmen Levi Strauss & Co. ein Werbe-Coup.Jeff Chiu/AP/dpa
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Namenssponsoring von Stadien ist in den USA Normalität, bei der WM aber verboten. Die FIFA-Werberegeln werden dabei streng durchgesetzt. Im Stadion von Boston etwa hat der Namenssponsor sein Logo auf jedem einzelnen Sitz. Also wurde das Logo auf jedem der über 60.000 Sitze überklebt. Der Jeansmarke Levi’s gelang aber ein PR-Coup: Das Unternehmen Levi Strauss & Co. ließ sein Logo im Stadion von Santa Clara in Kalifornien so mit weißen Planen verhüllen, dass die Umrisse klar erkennbar waren. „Ein guter Marketing-Gag“, lobte Florian Pfeffel, Professor für Sportmanagement.
Hype um Vozinha: Kap Verdes Torwart (40) plötzlich Instagram-Star
Kap Verdes Torwart-Oldie Vozinha folgen mittlerweile mehr Menschen als Manuel Neuer.Ju Huanzong/XinHua/dpa
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Vor der WM folgten Vozinha wenige Zehntausende bei Instagram, wenige Tage später war der 40 Jahre alte Torhüter von WM-Außenseiter Kap Verde mit mehr als 15 Millionen Followern - mehr als Manuel Neuer - plötzlich Social-Media-Star.
Was war passiert? Vozinha hatte beim sensationellen 0:0 gegen Spanien das Spiel seines Lebens hingelegt - und dazu noch Aufbauhilfe aus Brasilien erhalten. Während des Spiels hatte der brasilianische Sender Caze TV dazu aufgerufen, dem Torhüter mindestens 100.000 Follower zu verschaffen. Ein Aufruf, der sich später eindrucksvoll verselbständigte.
Und das WM-Märchen geht weiter. Mit dem dritten Unentschieden beim 0:0 gegen Saudi-Arabien schaffte Kap Verde das Weiterkommen - und trifft nun auf Titelverteidiger Argentinien mit Lionel Messi.
„Sie trinken alles“: Schottische Fans machen Boston fassungslos
Die schottischen Fans gaben sich auch in Boston trinkfest.Andrew Milligan/PA Wire/dpa
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„No Scotland, no party“: In Europa kennt man sie mittlerweile, nun machten sich die Kult-Fußballfans mit den Kilts und dem großen Durst auch in den USA einen Namen: Rund 30.000 Schotten sollen für ihre ersten WM-Spiele seit 1998 über den Atlantik gereist sein. In Boston, wo sich weitere 10.000 Einwohner mit schottischen Wurzeln den Fans anschlossen, fanden die ersten zwei Spiele der Schotten statt - mit Folgen für die Gastronomie.
„Wir sind seit über 30 Jahren hier, und so etwas haben wir noch nie erlebt. Wir haben den Umsatz vom St. Patrick’s Day verdreifacht“, sagte Noelle Somers, Geschäftsführerin der Hennessy’s Bar, dem „Boston Globe“. Am Abend nach dem Auftaktsieg gegen Haiti sei das Bier ausverkauft gewesen. Jennifer Monastesse, Mitinhaberin eines Irish Pubs im Zentrum, brachte es auf den Punkt: „Sie trinken alles.“
Curaçaos Karibik-Kicker: Kabinentanz mit Königin Máxima
Diese Jubelszenen der Karibik-Kicker von Curaçao sah vor der WM kaum einer kommen, erst recht nicht nach dem 1:7 beim WM-Debüt gegen das DFB-Team. Doch nach dem überraschenden 0:0 gegen Ecuador feierten die Spieler in der Kabine plötzlich mit dem niederländischen Königspaar.
Königin Máxima legte einen flotten Kabinentanz mit den Kickern hin, König Willem-Alexander hielt eine kurze Ansprache: „Curaçao, ihr habt einen Punkt geholt. Das ist so einem kleinen Land noch nie gelungen. Das ist so fantastisch“, sagte er, reckte die Faust und klatschte den Spielern zu. Die reagierten hüpfend mit lauten „Bonus, Bonus, Bonus“-Rufen und brachten den niederländischen König, der zugleich Staatsoberhaupt aller Länder des Königreichs ist, zum Lachen.
Japan-Fans räumen Stadion auf - Frauen fordern das auch zu Hause
Die fleißigen Japan-Fans machten wieder Schlagzeilen, es wurde dabei aber auch an ein Gesellschaftsproblem erinnert.Jessica Tobias/AP/dpa
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Die Geschichte ist bekannt: Wenn Japans Fans bei Turnieren nach dem Spiel ihre Ränge aufräumen, sind ihnen positive Schlagzeilen sicher. Auch bei dieser WM gingen Bilder der Aktion um die Welt.
Diesmal gab es aber auch Gegenwind - ausgerechnet aus der Heimat. Einige Nutzerinnen und Nutzer sozialer Medien witterten eine Doppelmoral: Männer, die in der Öffentlichkeit aufräumen, zu Hause die Last aber ihren Ehefrauen überlassen. Viral ging ein Bild, das einen Mann beim Müllsammeln im Stadion zeigt - und denselben Mann zu Hause auf dem Sofa am Handy, während seine Frau abwäscht.
Die noch nicht so bekannte Geschichte dahinter: Nach Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahr 2021 verbringen japanische Frauen im Vergleich zu Männern täglich ein Vielfaches der Zeit mit unbezahlter Arbeit im Haushalt. Unter den hoch entwickelten Ländern zählen japanische Männer zu denen mit dem geringsten Anteil an dieser Arbeit.
Deutschland besiegt: Ecuador-Trainer rastet vor Glück aus
Energiebündel: Ecuadors Trainer Sebastián Beccacece coachte und jubelte leidenschaftlich.Jan Woitas/dpa
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Schon als das 2:1 für Ecuador fiel, gab es für Trainer Sebastián Beccacece kein Halten mehr: Mit wallendem Haar bejubelte er in East Rutherford das Tor seines Teams gegen Deutschland und rannte dann im Vollsprint auf die Tribüne zu, um an ihr hochzuspringen. Es war Beccaceces zunächst vergeblicher Versuch, dort sofort und so richtig seine Frau zu herzen. Millionen TV-Zuschauer fragten sich: Wer ist denn dieser herrlich-verrückte Trainer?
Schon während des Spiels hatte der 45-Jährige sein Team voller Hingabe nach vorne getrieben, phasenweise stand er sogar auf dem Spielfeld. Mit dem Schlusspfiff brachen beim Argentinier, der bei einer Niederlage wohl seinen Job verloren hätte, alle Dämme. Und dann klappte es auch mit dem Herzen seiner Liebsten auf der Tribüne: Es gehe darum, diese Momente mit Ehefrau, Mutter, Töchtern zu teilen, meinte Beccacece hinterher, sein Vater schaue „von oben zu“. Die nächsten Momente können für Ecuador und seinen emotionalen Trainer nun, auch deshalb die Jubel-Explosion, in der K.-o.-Runde folgen.