WM 2026

Kritik-Lawine nach Aus: „Offensichtlich ist es der Trainer“

Zahlreiche Ex-Nationalspieler sind nach dem erneut frühen WM-Aus entsetzt. Es gibt viel Gegenwind für Bundestrainer Julian Nagelsmann. Jürgen Klopp wird bereits in Spiel gebracht - und reagiert.

30.06.2026

Der Name Jürgen Klopp taucht oft als möglicher Nachfolger für Julian Nagelsmann aufMartin Rickett/PA Wire/dpa

Der Name Jürgen Klopp taucht oft als möglicher Nachfolger für Julian Nagelsmann aufMartin Rickett/PA Wire/dpa

© Martin Rickett/PA Wire/dpa

Fassungslosigkeit, Ruf nach personellen Konsequenzen und immer wieder der Name Jürgen Klopp: Die dritte heftige WM-Blamage in Serie hat einen entsetzten Aufschrei der Fußball-Experten ausgelöst. Ob Ex-Weltmeister wie Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann, Christoph Kramer und Mats Hummels oder frühere Nationalspieler wie Jens Lehmann und Dietmar Hamann - für sie alle kann und darf es ein ‚Weiter so‘ nach dem Desaster gegen das arg limitierte Paraguay im WM-Sechzehntelfinale nicht geben. 

„Es schreit nach Konsequenzen“, sagte Magenta-TV-Experte Hummels nach dem 3:4 im Elfmeterschießen von Foxborough gegen die Südamerikaner. Schon die Heim-EM unter dem nun arg kritisierten Bundestrainer Julian Nagelsmann sei besser dargestellt worden, als sie seiner Meinung nach war. 2024 war Deutschland im Viertelfinale unglücklich am späteren Europameister Spanien gescheitert. 

ZDF-Experte Christoph Kramer (l) hat eine klare Meinung zu den Beschwerden von Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem WM-Aus. (Archivbild)Bernd Thissen/dpa

ZDF-Experte Christoph Kramer (l) hat eine klare Meinung zu den Beschwerden von Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem WM-Aus. (Archivbild)Bernd Thissen/dpa

© Bernd Thissen/dpa

„Deswegen muss das ein Thema sein, sowohl glaube ich vom Bundestrainer selbst aus als auch vom Verband“, forderte Hummels und sprach auch von Konsequenzen für den einen oder anderen Spieler, die ein „eventuell neuer Bundestrainer“ zu treffen habe.

Der Druck auf Nagelsmann dürfte nun immens werden. Schnell nach Spielschluss forderte nicht nur „Bild“: „Jetzt muss Klopp kommen.“ Natürlich wurde der frühere Coach von Borussia Dortmund und dem FC Liverpool in seiner Funktion als WM-Experte für MagentaTV darauf angesprochen. „Ich verstehe, dass jetzt mein Name ins Spiel kommt. Aber es ist nicht der richtige Zeitpunkt, darüber zu sprechen“, sagte der 59-Jährige. 

Hamann: „Keine Sympathien“ für Nagelsmann

Der dürfte aber kommen. Denn die Kritik an Nagelsmann droht zu einer Lawine zu werden. Gewohnt deutlich wurde der frühere Nationalspieler Hamann. „Offensichtlich ist es der Trainer. Es ist der Job eines Trainers, die Jungs zusammenzubekommen. Das ist ein Typ, der selten Spiele schaut“, meinte Hamann beim irischen Sender RTÉ Sport. „In der Bundesliga guckt er vielleicht ein, zwei Spiele im Monat.“ In anderen Ligen sei er gar nicht präsent.

Die WM-Vorbereitung von Nagelsmann sei mangelhaft gewesen. „Bei der Club-WM, wo in den Stadien gespielt wurde, hättest du die Umstände hier erfahren“, sagte Hamann und verwies auf die Nationaltrainer Roberto Martinez (Portugal), Thomas Tuchel (England) und Didier Deschamps (Frankreich), die alle im Sommer 2025 in die USA gefahren seien. „Wer war nicht da? Unser Trainer“, sagte Hamann und fällte ein vernichtendes persönliches Urteil: „Deswegen habe ich keine Sympathien für ihn.“

Klare Meinung von Kramer zu Nagelsmanns Schiedsrichter-Kritik

Andere Experten äußerten sich hauptsächlich inhaltlich. „Du darfst gegen Paraguay nicht in die Verlängerung kommen“, kritisierte der ZDF-Experte und 2014er-Weltmeister Kramer indirekt den Bundestrainer, der sich nach dem Spiel vor allem über das nicht gegebene Tor von Jonathan Tah in der Verlängerung geärgert hatte. 

„Wir haben entschieden, dass sie so spielen können und dass wir uns am Ende über eine Schiedsrichterdiskussion beklagen“, sagte Kramer und hielt dem entgegen: „Dazu darf es niemals kommen. Es war einfach zu wenig, um ein WM-Spiel, in dem es um alles geht, sodass es nur einen Sieger geben kann.“

Ebenfalls im ZDF bezeichnete auch der frühere Freiburger Bundesliga-Coach Christian Streich das deutsche Auftreten als unzureichend. „Dass Deutschland Weltmeister wird, ist für mich völlig außerhalb des Vorstellbaren gewesen. Aber wie Deutschland heute gespielt hat und wie viel Räume die Mannschaft hat liegen lassen. Paraguay ist keine Übermannschaft, bei allem Respekt. Das hat mich geärgert. Es waren genügend Räume da“, schimpfte Streich. 

Lothar Matthäus sieht nach dem WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft auch Unruhe durch Familienbesuche im Turnier. (Archivbild) Sven Hoppe/dpa

Lothar Matthäus sieht nach dem WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft auch Unruhe durch Familienbesuche im Turnier. (Archivbild) Sven Hoppe/dpa

© Sven Hoppe/dpa

Lothar Matthäus störte sich zudem auch an anderen Dingen abseits des Rasens. „Es gab viele Themen, die vielleicht wichtiger waren, als das auf dem Fußballplatz“, sagte der Weltmeister von 1990 der „Bild“ und meinte unter anderem die Präsenz der Familien der Spieler in den USA. „Ich weiß nicht, warum man jetzt schon von Anfang an die ganzen Familien dabeihaben muss“, meinte der 65-Jährige, der auch aus eigener leidvoller Erfahrung sprach.

Wie 1994: Matthäus sieht auch Disharmonie neben dem Platz

Wie 1994 als Deutschland mit Matthäus als Spieler und Berti Vogts als Bundestrainer ebenfalls in den USA im Viertelfinale gegen Bulgarien (1:2) gescheitert war. Damals hatte es permanent Unstimmigkeiten wegen der Präsenz einiger Spielerfrauen gegeben. Mit Blick auf das aktuelle Turnier sagte Matthäus: „Im Endeffekt gab es doch viel Unruhe, die zwar nicht rübergekommen ist. Aber trotz alledem lag der Fokus einfach nicht auf dieser WM. Es war immer ein freier Familientag und noch ein freier Familientag.“

Für seinen früheren DFB-Teamkollegen Klinsmann kann es daher nur eine Möglichkeit geben. „Alles, von oben bis unten, muss hinterfragt und diskutiert werden. Natürlich wird es Konsequenzen geben, was auch immer diese Konsequenzen sein mögen“, sagte der 1990er-Weltmeister und frühere Bundestrainer bei ESPN. 

Auch der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann fordert Konsequenzen.Christoph Lother/dpa

Auch der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann fordert Konsequenzen.Christoph Lother/dpa

© Christoph Lother/dpa