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Krebserkrankung vorgetäuscht - Mutter gesteht Spendenbetrug

Ihr kleiner Sohn soll selbst geglaubt haben, krebskrank zu sein: Vor Gericht räumt eine Mutter ein, mit einer erfundenen Krankheit des Kindes Hunderttausende Euro erschwindelt zu haben.

31.08.2026

Der Frau wird gewerbsmäßiger Betrug in 13 Fällen zur Last gelegt. Christine Schultze/dpa

Der Frau wird gewerbsmäßiger Betrug in 13 Fällen zur Last gelegt. Christine Schultze/dpa

© Christine Schultze/dpa

Sie soll mit einer vorgetäuschten Krebserkrankung ihres kleinen Sohnes insgesamt 358.000 Euro an Spendengeldern ergaunert haben - zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Gießen hat die Frau nun ein Geständnis abgelegt. Die Staatsanwaltschaft Gießen legt der 42-Jährigen gewerbsmäßigen Betrug in 13 Fällen sowie Urkundenfälschung in zwei Fällen zur Last. 

Die Taten sollen sich zwischen September 2021 und Oktober 2024 zugetragen haben. Laut Anklage hatte sich zuvor bei einer hautärztlichen Untersuchung des während des Tatzeitraums fünf- bis achtjährigen Kindes ein Befund ergeben, der sich jedoch als unauffällig herausstellte und keine medizinische Behandlung erforderlich machte. Die Frau soll mit ihrem Sohn auch in eine Klinik in der Schweiz gereist sein, wo Ärzte zu dem gleichen Ergebnis kamen. 

Mitgefühl und große Anteilnahme ausgelöst 

Daraufhin soll die Frau angefangen haben, eine Krankheitsgeschichte des Jungen zu fingieren: Sie habe behauptet, das Kind leide an Schwarzem Hautkrebs und benötige dringend eine teure und seltene Behandlung in den USA. Dies soll sie sowohl gegenüber der Familie als auch in Medien und auf Internetplattformen vertreten und so an das Mitgefühl anderer Menschen appelliert haben. „Meine Familie ist ganz verzweifelt“, hieß es etwa in einem Spendenaufruf, den die Mutter im Namen ihres Kindes verfasst haben soll. Auch Bilder des Jungen soll die Frau veröffentlicht haben - angeschlossen an medizinische Geräte. Die Aufrufe hätten Mitgefühl und große Anteilnahme ausgelöst, erklärte Staatsanwalt Kai Karges. 

Über längere Zeiträume habe sie ihren Sohn auch von der Schule abgemeldet. Sowohl Privatpersonen als auch gemeinnützige Organisationen hätten aus Mitgefühl teils mehrere Zehntausend Euro gespendet, um dem Kind zu helfen, darunter auch eine Elterninitiative für krebskranke Kinder.

Kind soll selbst überzeugt gewesen sein, krank zu sein 

Auch der Junge selbst habe geglaubt, dass er an Krebs erkrankt sei, sagte der Staatsanwalt. Er bezeichnete sowohl die Höhe der mutmaßlich erschwindelten Spendensumme als auch das „Tatbild“ als sehr außergewöhnlich. „Das hab ich so persönlich noch nie erlebt, weil es hier gerade ja nicht nur um das reine Vermögen geht, was verschoben wurde durch die Taten, sondern auch die menschliche Komponente dahinter.“ 

Aufgedeckt wurde der Fall, als die Kinderärztin des Jungen über soziale Medien von den Spendenaufrufen erfuhr und das Jugendamt einschaltete. „Da ist dann das Lügenkonstrukt aufgedeckt worden“, sagte Karges. Das Kind wurde in Obhut genommen. Eine Sozialarbeiterin des Jugendamtes soll den Jungen auch darüber aufgeklärt haben, dass ihm in Wirklichkeit nichts fehlte. „Ich werde nicht sterben, ich bin nicht krank“, soll das Kind daraufhin geäußert haben. 

„Sämtliche Taten werden eingeräumt“ 

In einer vom Verteidiger der Frau verlesenen Erklärung hieß es: „Sämtliche Taten werden ohne jede Einschränkung eingeräumt. Das bezieht sich sowohl auf den Sachverhalt als auch auf die Höhe der jeweils aufgeführten Summen.“ Weitere Angaben zu den Vorwürfen machte die Frau nicht. Ihr Verteidiger Ramazan Schmidt gab auch an, dass sie sich zunächst nicht zu Fragen äußern werde. Im Anschluss erklärte er, seine Mandantin bedauere das Geschehene. 

Prozess soll trotz Geständnis weitergehen

Der Prozess soll trotz des Geständnisses der Frau mit der Beweisaufnahme fortgesetzt werden - unter anderem sind mehr als 20 Zeugen vorgesehen. Auch eine psychiatrische Gutachterin wohnt dem Prozess bei.

Während der umfangreichen Ermittlungen hatte es auch eine Wohnungsdurchsuchung gegeben, bei der Unterlagen und Datenträger sichergestellt wurden. Zudem wurden zahlreiche Zeugen befragt und Konten ausgewertet. Ermittlungen gegen den Vater des Jungen waren mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt worden, wie die Staatsanwaltschaft zuvor mitgeteilt hatte.

Um Spendengelder zu erlangen, soll die Frau eine Krebserkrankung ihres Sohnes erfunden haben.Christine Schultze/dpa

Um Spendengelder zu erlangen, soll die Frau eine Krebserkrankung ihres Sohnes erfunden haben.Christine Schultze/dpa

© Christine Schultze/dpa