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Krawalle und Plünderungen nach Demo in Frankfurt

Die Bilder erinnern an die aus Paris: Nachdem die Polizei eine zunächst friedliche Demo junger Menschen auflöst, eskaliert die Lage auf der Zeil.

01.11.2026

Am Abend spielten sich in der Frankfurter Innenstadt chaotische Szenen ab. Andreas Arnold/dpa

Am Abend spielten sich in der Frankfurter Innenstadt chaotische Szenen ab. Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

Randalierer haben sich am Samstagabend in der Frankfurter Innenstadt stundenlang gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Sie schlugen dabei unter anderem Schaufensterscheiben ein und plünderten Geschäfte. Augenzeugen beobachteten, wie mehrere Menschen in einen Laden eindrangen und Turnschuhe stahlen. 

Auch ein Waffenfachgeschäft war das Ziel der Attacken. Die Polizei war mit einem großen Aufgebot im Einsatz, sie stellte später zwei Waffen sicher. Worum es sich genau handelte, war zunächst unklar. Die Polizei nahm im Zusammenhang mit den Ausschreitungen mehr als 30 Menschen vorläufig fest, sie war mit mehr als 1.000 Kräften im Einsatz. Auch das Spezialeinsatzkommando der Polizei (SEK) wurde hinzugerufen. Der entstandene Schaden ist noch unklar.

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) zeigte sich schockiert über die Gewaltexzesse. „Wer sich so verhält wie die Angreifer in der Frankfurter Innenstadt, stellt sich außerhalb unserer Gesellschaft“, sagte Rhein der Deutschen Presse-Agentur. „Wir werden Aggressoren, Tätergruppen und Hergang genau bewerten und unsere Schlüsse ziehen.“ 

„Molotowcocktails auf Einsatzkräfte“

Die Polizei sprach davon, dass an mehreren Läden rund um die Einkaufsstraße Zeil Scheiben eingeschlagen wurden. „Es werden zudem Molotowcocktails auf Einsatzkräfte geworfen.“ Ein Molotowcocktail ist ein selbst gebastelter Brandsatz mit einer Flasche und brennbarer Flüssigkeit. Gegen 22.00 Uhr sperrte die Polizei die Zeil zwischen Konstablerwache und Hauptwache. Eta vier Stunden zuvor hatte sie eine Kundgebung zu den Sozialprotesten aufgelöst, weil sich Attacken gegen die Polizei mit Steinen, Flaschen und Böllern wiederholt hatten.

Die Demonstration war am Nachmittag zunächst über weite Strecken friedlich verlaufen. Tausende Menschen folgten einem Aufruf der Initiativen „Gen Z regelt“ und „Generation Aufbruch“ und demonstrierten für mehr Investitionen in Bildung und Gesundheit sowie gegen die Einführung einer Wehrpflicht. 

Der Demozug verlief zunächst weitgehend friedlich. Andreas Arnold/dpa

Der Demozug verlief zunächst weitgehend friedlich. Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

Die Initiative „Gen Z regelt“ setzt sich unter anderem für mehr Klimaschutz ein, fordert Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und positioniert sich gegen eine Einführung einer Wehrpflicht. Bundesweit waren für Samstag in mehr als 30 Städten Proteste angekündigt.

Angemeldet waren in der Main-Metropole ursprünglich zwei Kundgebungen. Laut Polizei wurde eine nach kurzer Zeit beendet und ein gemeinsamer Demozug gebildet. Die Veranstalter appellierten an die Teilnehmer, friedlich zu bleiben.

Redner kritisierten unter anderem den Sparkurs bei Bildung und Gesundheit. Auf Plakaten forderten Teilnehmer mehr Perspektiven und mehr Gerechtigkeit für junge Menschen. In der Menge waren Sprechchöre ganz unterschiedlicher Gruppen zu hören, etwa „Wir steh’n auf“ über „Merz muss weg“ bis hin zu „Revolution“ und „Viva Palästina“. 

An dem Demonstrationszug nahmen nach Angaben der Polizei zwischenzeitlich bis zu 8.000 Menschen teil, er war über Stunden mehrere Kilometer durch die Frankfurter Innenstadt unterwegs. Die Veranstalter sprachen von rund 9.000 Teilnehmern.

Stimmung kippte im Laufe des Demozuges

In Frankfurt kippte Stunden nach dem Auftakt die Stimmung. Polizisten wurden nach eigenen Angaben mit Böllern, Steinen und Flaschen beworfen. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen Beamten und Teilnehmern der Demonstration. Mehrere Beamte erlitten nach ersten Erkenntnissen des Innenministeriums Verletzungen. Die Zahl der Verletzten unter den Demonstranten war zunächst nicht bekannt.

Es kam zu Festnahmen. Andreas Arnold/dpa

Es kam zu Festnahmen. Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

„Ich habe immer wieder darauf hingewiesen, dass wir damit rechnen müssen, dass sich linksextremistisches Gewaltpotenzial unter diese Demonstration mischen wird, und so ist es gekommen“, sagte der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) am Abend. 

„Wir gehen von ungefähr 100 linksextremistisch motivierten Gewalttätern aus. Diese haben die Polizei massiv angegriffen mit Flaschenwürfen, mit Steinen und mit Pyrotechnik.“ Seinen Angaben zufolge wurde ein Beamter möglicherweise etwas schwerer verletzt, „aber das bedarf noch der weiteren Aufarbeitung“, sagte er. 

Tumultartige Szenen am Abend 

Wegen wiederholter Attacken gegen Einsatzkräfte löste die Polizei den Demonstrationszug am frühen Abend auf. Immer wieder hatte sie zuvor unterwegs den Aufzug gestoppt, weil sich einzelne Teilnehmer verbotenerweise vermummten oder Pyrotechnik gezündet wurde. Gut einen Kilometer vor dem Abschluss an der Weseler Werft im Osten Frankfurts, wo der Aufzug gestartet war, eskalierte die Situation ein erstes Mal.

„Wir setzen unseren Wasserwerfer gegen die Störer ein“, schrieb die Polizei auf WhatsApp. Gegen 18.20 Uhr teilte sie mit, die Versammlung sei aufgrund des „unfriedlichen Verlaufs“ aufgelöst worden. 

Ruhe kehrte damit aber nicht ein. Nachdem zahlreiche Teilnehmer mit Plakaten gegangen waren, veränderte sich das Bild im Frankfurter Zentrum. Nach Darstellung der Beamten bildeten sich gewalttätige Gruppen. Insbesondere auf der Zeil kam es zu tumultartigen Szenen. Randalierer errichteten brennende Barrikaden, rissen Straßenschilder aus der Verankerung. Wer genau sich an den Krawallen in der Innenstadt beteiligte, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Teilweise regierte in der Innenstadt am Abend nackte Gewalt. Boris Roessler/dpa

Teilweise regierte in der Innenstadt am Abend nackte Gewalt. Boris Roessler/dpa

© Boris Roessler/dpa

Polizei geht teils massiv vor 

Nach dem Ende des Demozuges rief die Polizei unter anderem mit Lautsprecherdurchsagen immer wieder dazu auf, Ansammlungen in der Innenstadt aufzulösen und sich von Gewalttätern zu distanzieren. Aus Angst vor Ausschreitungen hatten viele Einzelhändler in den Innenstädten und vor allem in Luxus-Einkaufsstraßen auch in Frankfurt vorsorglich ihre Schaufenster mit Holzplatten oder anderem verbarrikadiert. Nicht ohne Grund, wie sich herausstellte.

Friedliche Demo in Kassel

Deutlich friedlicher ging es bei einer weiteren Kundgebung in Hessen zu: In Kassel versammelten sich am Nachmittag der Polizei zufolge zwischen 500 und 600 Menschen. Dort sei alles friedlich geblieben, sagte ein Polizeisprecher.

Die Plünderer nahmen unter anderem Turnschuhe mit.Boris Roessler/dpa

Die Plünderer nahmen unter anderem Turnschuhe mit.Boris Roessler/dpa

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Mehrere Schaufensterscheiben wurden eingeschlagen. Boris Roessler/dpa

Mehrere Schaufensterscheiben wurden eingeschlagen. Boris Roessler/dpa

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Gewalttätige Gruppen sammelten sich nach Auflösung der Demonstration in der Innenstadt. Boris Roessler/dpa

Gewalttätige Gruppen sammelten sich nach Auflösung der Demonstration in der Innenstadt. Boris Roessler/dpa

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