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Krabbenfischer Claußen will an die Zukunft in Büsum glauben

Granat, Porren, Krabben - wie immer man die kleinen Garnelen nennt, sie sind einfach lecker. Für Krabbenfischer wird das Geschäft immer schwieriger. André Claußen in Büsum denkt nicht ans Aufgeben.

30.07.2026

Fischer André Claußen hofft, dass der Krabbenfang an der deutschen Nordseeküste Zukunft hat.Daniel Bockwoldt/dpa

Fischer André Claußen hofft, dass der Krabbenfang an der deutschen Nordseeküste Zukunft hat.Daniel Bockwoldt/dpa

© Daniel Bockwoldt/dpa

Einheimische und Urlauber warten im guten Dutzend in der heißen Vormittagssonne am Kai des Büsumer Hafens, wo am Vorabend Krabbenkutter „Andrea“ festgemacht hat. André Claußen und seine Frau Aileen bauen einen kleinen Stand auf und messen frisch gefangene Krabben zu je sieben Euro den Liter ab.

Ruckzuck ist die mobile Kühltheke leer und der Krabbenfischer hat etwas Zeit zum Plaudern. „Es wird langsam wieder besser, Mitte des Jahres ist immer eine flaue Zeit.“ Daher hat er in diesen Tagen nur wenige Krabben zum Direktverkauf. Die schmackhaften Tierchen sind aktuell relativ klein - und am Kutter werden nur die größeren verkauft. Alles andere geht in den Großhandel.

Viele Krabbenliebhaber kaufen die kleinen Nordseegarnelen direkt vom Kutter.Daniel Bockwoldt/dpa

Viele Krabbenliebhaber kaufen die kleinen Nordseegarnelen direkt vom Kutter.Daniel Bockwoldt/dpa

© Daniel Bockwoldt/dpa

Grund für die sommerliche Flaute im Geschäft ist nicht nur die höhere Temperatur. Das Geschäft sei unberechenbarer geworden, sagt der 42-Jährige, der in fünfter Generation Fischer ist. „Letztes Jahr waren Rekordfänge bei uns, dieses Frühjahr war noch okay und dann gingen die Fänge auf einmal runter.“ Claußen setzt darauf, dass es spätestens im September wieder besser läuft. Genaue Fangzahlen nennt er nicht. Bei einem dreitägigen Fang sei zwischen 200 Kilogramm und 2,5 Tonnen aber alles möglich.

Aktuell bei geringer Fangmenge keine hohen Preise

Auch mit den Preisen seien die Fischer in diesem Jahr nicht ganz zufrieden. Leben könne man noch vom Krabbenfang. „Wenn man uns fischen lässt“, sagt Claußen und meint damit politische Regulierungen. „Man muss schon fleißig sein, letztes Jahr sind wir fast 300 Tage auf See gewesen.“

Aktuell müssen Claußen und Kollegen etwa drei Stunden in Richtung Elbmündung fahren, um Krabben zu fangen, die auch Porren oder Granat genannt werden und eigentlich kleine Garnelen sind. Im Herbst verlagert sich das Fanggebiet dichter an die Küste. Woher er weiß, wo die kleinen Tiere schwimmen? „Das ist Erfahrung über die Jahre.“ Man müsse wissen, welche Wassertiefe zu welcher Temperatur und Jahreszeit. „Ein bisschen Erfahrung und Glückssache.“

Fangmengen und Preise sind bei Krabben aktuell nicht besonders gut.Daniel Bockwoldt/dpa

Fangmengen und Preise sind bei Krabben aktuell nicht besonders gut.Daniel Bockwoldt/dpa

© Daniel Bockwoldt/dpa

Noch fahren etwa 30 Kutter vom Büsumer Hafen aus auf die Nordsee. Als er sich vor fast 20 Jahren mit einem eigenen Boot selbstständig gemacht habe, seien es noch deutlich mehr gewesen. Die Älteren können sich an 80 und mehr Kutter erinnern. Claußen selbst ist vor Jahren aus dem inzwischen geschlossenen Hafen Friedrichskoog nach Büsum übergesiedelt.

Claußen hofft auf Zukunft als Krabbenfischer

Die Zukunft sieht nicht rosig aus und dennoch möchte Claußen daran glauben, dass es weitergeht. In den kommenden Jahren wird die Flotte weiter schrumpfen, es gibt eine Abwrackprämie für 30 Kutter in Deutschland, die nach Claußens Wissen etliche ältere Kollegen nutzen werden, weil es nur noch wenig Nachwuchs gibt und sich ein Krabbenkutter auch nicht mehr leicht zu Geld machen lässt. Kredite von Banken seien für Krabbenfischer schon lange nicht mehr zu bekommen, sagt er.

Ob er selbst bis zur Rente Krabbenfischer sein könne? „Ich hoffe schon.“ Es stehe immer noch das Grundschleppnetzverbot im Raum. „Das bereitet uns Bauchschmerzen. Wir haben keine richtige Zusage, dass wir weiter fischen dürfen.“

Claußen deutet auf das Fanggeschirr, das inzwischen auf dem Kai liegt. Eine schwere Stahlstange mit Gummirollen schleppt das Netz am Grund hinter sich her. Das Prinzip ist einfach: Nähert sich das Fanggeschirr, springen die Krabben vom Meeresboden auf und landen im Netz. Dabei wird im Gegensatz zur Plattfisch-Fischerei der Meeresboden nicht aufgerissen. „Wir pflügen nichts um“, versichert er.

Nach Besuch von Politprominenz ist nicht viel passiert

Im vergangenen Oktober war Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) einen Morgen lang bei den Krabbenfischern in Büsum zu Gast. Großer Bahnhof damals für den bayerischen Politiker, der zum ersten Mal in seinem Leben fangfrische Krabben pulte. Der Bayer hörte sich Sorgen an und zeigte Verständnis. Passiert sei danach nicht viel. „Man weiß ja nicht, wie es weitergeht.“ So sieht es jedenfalls Krabbenfischer Claußen, der rund 30 Prozent seiner Einnahmen allein für Diesel ausgibt - aktuell bei kleinerer Fangmenge und hohen Dieselpreisen auch mehr.

Dass der Büsumer Hafen schon geschäftigere Tage gesehen hat, weiß auch Bürgermeister Oliver Kumbartzky (FDP). Der frühere Landtagsabgeordnete hat seinen Platz im Plenarsaal gegen einen Schreibtisch im historischen Rathaus der 5.000-Einwohner-Gemeinde getauscht. Da es sich um einen Landeshafen handelt, hat er nur wenig Einfluss auf das, was dort geschieht.

Hafen soll ertüchtigt werden

Geplant ist, das große Hafenbecken 4, das aktuell nur teilweise als Jachthafen genutzt wird, in den nächsten Jahren auszubaggern und für den Umschlag von Sand, Kies und anderen Massengütern fit zu machen. Rund 59 Millionen Euro sollen in den Hafen fließen. Der größte Teil davon stammt aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“ des Bundes. Umgeschlagen werden aktuell knapp 200.000 Tonnen Güter im Jahr. Nach Möglichkeit soll das Hafengleis reaktiviert werden, um Waren auch mit der Bahn transportieren zu können.

Für Bürgermeister Oliver Kumbartzky ist der Hafen ein wichtiger Teil des stark auf Tourismus ausgerichteten Ortes Büsum.Daniel Bockwoldt/dpa

Für Bürgermeister Oliver Kumbartzky ist der Hafen ein wichtiger Teil des stark auf Tourismus ausgerichteten Ortes Büsum.Daniel Bockwoldt/dpa

© Daniel Bockwoldt/dpa

Für den Tourismus wichtig sind die Ausflugsschiffe und -boote, die für Fahrten nach Helgoland, zu Fangfahrten oder kurzen Ausflügen aus dem tidenunabhängig hinter einer Schleuse gelegenen Hafen aufbrechen. „Der Hafen ist ein touristisches Herzstück der Gemeinde“, sagt Kumbartzky. Weiterentwickelt werden solle auch der kleine Museumshafen.

Altbürgermeister sieht auch positive Entwicklungen

Sein Vorgänger Hans-Jürgen Lütje bedauert den Rückgang der Fischerei. „Das ist natürlich schade für Büsum, weil das ein Alleinstellungsmerkmal ist.“ Büsum ist der größte Fischereihafen an der schleswig-holsteinischen Westküste. „Ich finde das sehr schade, weil wir immer stolz auf unseren Hafen waren.“ Lütje sieht aber auch eine positive Entwicklung: „Das Land hat nach vielen Jahren erkannt, dass unser Hafen wertvoll ist, gerade in Hinblick auf Offshore und die Anbindung nach Helgoland.“

Haben die Krabbenkutter in Büsum eine Zukunft?Daniel Bockwoldt/dpa

Haben die Krabbenkutter in Büsum eine Zukunft?Daniel Bockwoldt/dpa

© Daniel Bockwoldt/dpa

Noch am Vormittag ruft Claußen seine kleine Mannschaft wieder zusammen, löst die Leinen und tuckert zu einem anderen Liegeplatz. Die „Andrea“ soll hübsch gemacht werden für die alljährliche Büsumer Kutterregatta. Anschließend warten wieder arbeitsreiche Tage auf See - immer in der Hoffnung, dass genug Krabben ins Netz gehen, um die Rechnungen bezahlen zu können.