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Kosten, Chaos und die Zukunft der Zwillings-Rockfestivals

Entwicklungen bei Künstlergagen und Wetterextreme fordern die Zwillingsfestivals Rock am Ring und Rock im Park heraus. Veranstalter Matt Schwarz eröffnet einen Blick hinter die Kulissen.

20.09.2026

Dem Veranstalter zufolge werden die Top-Acts immer teurer. (Archivbild)Thomas Frey/dpa

Dem Veranstalter zufolge werden die Top-Acts immer teurer. (Archivbild)Thomas Frey/dpa

© Thomas Frey/dpa

Steigende Kosten in vielen Bereichen sieht der Veranstalter von Rock am Ring und Rock im Park als aktuell größte Herausforderung für die Zwillingsfestivals in Rheinland-Pfalz und Bayern. „Die enorme Kostendynamik in der Live-Branche - allen voran bei den Künstlergagen“, hab Matt Schwarz im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dabei besonders hervor. Schwarz ist Geschäftsführer von PRK Dreamhaus und Veranstalter von Rock am Ring und Rock im Park.

Die Gagen-Erwartungen internationaler Top-Acts seien in den vergangenen Jahren massiv gestiegen, sagte Schwarz. Zudem setzten viele große Acts stärker auf eigene Stadion- und Arena-Tourneen. Das mache das Festival-Booking anspruchsvoller und kostspieliger.

Trotz der Kosten wolle der Veranstalter weiter in Line-up, Produktion, Infrastruktur und Service investieren. Zugleich müsse auf ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis geachtet werden. „Unser Maßstab ist simpel: Am Sonntagabend sollen unsere Gäste sagen, dieses Wochenende war jeden Euro wert“, sagte Schwarz.

Veranstalter will auf Kritik reagieren

Auch Kritik an Besucherzahlen, Sanitäranlagen und Ticketpreisen nach dem diesjährigen Festival nehme man ernst. Nach jedem Festival würden Feedback, Besucherströme und Abläufe analysiert, sagte Schwarz. Bei rund 90.000 Menschen könnten sich Wege zu bestimmten Zeiten füllen und Sanitärbereiche stark ausgelastet sein. Solche Punkte wolle man gezielt angehen.

„Unsere Gäste investieren viel Geld und drei Tage ihrer Zeit in Rock am Ring“, sagte Schwarz. „Dafür müssen wir ihnen ein außergewöhnlich gutes Wochenende bieten. An diesem Anspruch lassen wir uns messen.“

Matt Schwarz ist Veranstalter von Rock am Ring und Rock im Park. Thomas Rabsch/dpa

Matt Schwarz ist Veranstalter von Rock am Ring und Rock im Park. Thomas Rabsch/dpa

© Thomas Rabsch/dpa

Vorbereitung auf Wetterextreme

Auch zunehmende Wetterextreme stellten die Veranstalter vor Herausforderungen. Man bereite sich mit Wettermonitoring, Sicherheitskonzepten und Infrastruktur vor und arbeite eng mit Meteorologen, Behörden und Sicherheitsdiensten zusammen, sagte Schwarz.

Der Nürburgring biete dabei einen Vorteil, weil ein erheblicher Teil des Infields befestigt sei. Schwieriger seien extreme Wetterlagen auf den teilweise unbefestigten Campingflächen. „Das Wetter können wir nicht beeinflussen. Aber wir können sehr viel dafür tun, darauf bestmöglich vorbereitet zu sein“, sagte Schwarz.

Trotz des Klimawandels sieht der Veranstalter derzeit keinen Grund, den angestammten Termin grundsätzlich infrage zu stellen. Das erste Juniwochenende gehöre seit Jahrzehnten zu Rock am Ring und biete weiterhin gute Voraussetzungen. „Diesen Termin wollen wir auch langfristig erfolgreich gestalten“, sagte Schwarz.

Nachhaltigkeit spiele bei der Weiterentwicklung des Festivals ebenfalls eine Rolle. In „wesentlichen Bereichen“ werde Strom aus erneuerbaren Quellen genutzt, zudem würden Mehrwegsysteme sowie Mobilitäts- und Abfallkonzepte weiterentwickelt.

Festival soll Erlebnis vor Ort bleiben

Livestreams und neue Technologien sieht Schwarz nicht als Konkurrenz zum Festival. Rock am Ring werde jedes Jahr live übertragen und erreiche Millionen Menschen zu Hause. Für manche sei das der Erstkontakt mit dem Festival und könne die Lust auf einen Besuch steigern.

„Einen Livestream kann man sehen. Ein Festival muss man erleben“, sagte Schwarz. Entscheidend seien auch das Treffen mit Freunden und die Atmosphäre vor Ort. Neue Technologien könnten das Erlebnis bereichern, aber nicht ersetzen.

In fünf oder zehn Jahren solle Rock am Ring nach Vorstellung des Veranstalters weiterentwickelt sein, aber seinen Charakter behalten. Von einem „Rahmen für ein geordnetes Chaos“ sprach Schwarz. „Der Spirit dieses Festivals muss bleiben: laut, offen, gemeinschaftlich und ein bisschen unberechenbar.“