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Kirschen fliegen wieder: Wer spuckt den Stein am weitesten?

Seit 1985 fliegen in Witzenhausen die Kirschkerne um die Wette. Was steckt hinter dem deutschen Meistertitel im Kirschsteinweitspucken? Die kuriosesten Fakten.

11.07.2026

Mindestens 150 Teilnehmer waren beim Wettbewerb dabei.Kai Moorschlatt/dpa

Mindestens 150 Teilnehmer waren beim Wettbewerb dabei.Kai Moorschlatt/dpa

© Kai Moorschlatt/dpa

Wer kann den Kirschstein am weitesten spucken? Die rote Steinfrucht ist nicht nur lecker, sie dient im hessischen Witzenhausen (Werra-Meißner-Kreis) auch dem sportlichen Kräftemessen. Alljährlich treten dort Hunderte Kinder, Frauen und Männer im Kirschsteinweitspucken gegeneinander an. Die Sieger dürfen sich Deutsche Meister in der Disziplin nennen. 

Das Reglement sieht vor, dass das Spucken „ausschließlich mit dem bloßen Mund“ erfolgt. „Jegliche Hilfsmittel oder Veränderungen am Kirschstein sind nicht gestattet“, heißt es dort. Der verwendete Kirschstein muss aus den zur Verfügung gestellten Kirschen stammen. Jeder der Teilnehmer hat drei Spuckversuche. Es zählt nicht das erste Aufkommen, sondern der Punkt, an dem der Stein liegenbleibt. 

30 Meter lange Spuckebahn gebaut

Seit 1985 finden die Deutschen Meisterschaften im Kirschsteinweitspucken schon in Witzenhausen im Rahmen der jährlichen Kesperkirmes statt. Die Region gehört zu den wichtigsten Kirschanbaugebieten Hessens. Für den Wettkampf wurde laut Irina Ruppel, Geschäftsführerin der Pro Witzenhausen GmbH, eigens eine etwa 30 Meter lange und einen Meter breite Spuckebahn auf Stelzen konstruiert. 

Die Wettbewerbsteilnehmer haben in der Vergangenheit beachtliche Weiten erreicht. „Bisheriger Rekord in der Gruppe der Männer sind 24,3 Meter. Der ist ungeschlagen seit 2003“, berichtet Ruppel. Bei den Frauen sei mit 18,7 Metern im vergangenen Jahr ein neuer Bestwert erreicht worden, bei der Gruppe der Kinder 2006 mit 17,8 Metern.

Die Meisterschaften gibt es seit 1985 in Witzenhausen.Kai Moorschlatt/dpa

Die Meisterschaften gibt es seit 1985 in Witzenhausen.Kai Moorschlatt/dpa

© Kai Moorschlatt/dpa

In diesem Jahr reichten deutlich weniger Meter für den Titel des Deutschen Meisters. Mit gut 16 Metern qualifizierte sich Simon Priesching für das Finale und konnte dieses mit einer Weite von rund 14 Metern für sich entscheiden. Er habe es selbst nicht geglaubt, sagte er im Anschluss über seinen Erfolg.

Den Titel als Deutsche Meisterin beim Kirschsteinweitspucken verteidigte Frederike Brübach - mit mehr als zwölf Metern. Dieses Jahr seien mindestens 150 Teilnehmer dabei gewesen, sagte sie. Rekorde gab es keine.

Wettbewerb oder Just for Fun

Viele der Teilnehmer seien Wiederholungstäter, erzählt Ruppel. „Für Witzenhäuser ist das Kirschsteinweitspucken ein Muss.“ Aber es gebe auch Teilnehmer, die eigens für die Meisterschaft von weit her anreisten. „Wir hatten auch schon Anmeldungen aus Leipzig und Köln.“ Neben dem Wettkampf gibt es immer auch ein freies Spucken. „Da wird nicht gemessen, das ist Just for Fun oder zum Warmspucken.“ 

Es wird neue Deutsche Meister im Kirschkernweitspucken geben. (Symbolbild)Swen Pförtner/dpa

Es wird neue Deutsche Meister im Kirschkernweitspucken geben. (Symbolbild)Swen Pförtner/dpa

© Swen Pförtner/dpa

Auch ihren - ungewöhnlichen - Skandal hat die Meisterschaft schon gehabt. 2009 waren Beobachtern bereits kurz nach dem Wettbewerb lackierte Steine aufgefallen. Weil sie runder waren, konnten angeblich größere Weiten erzielt werden. „Nach dem Fund von manipulierten Kirschsteinen in der Auslaufzone der Spuckbahn“ - so lautete damals die hochoffizielle Begründung - „hat sich das Organisationskomitee entschieden, alle Einzelwettbewerbe der Meisterschaften 2009 zu annullieren.“ Denn die Steine seien nicht einem Spucker zuzuordnen. Aufgeklärt werden konnte der mutmaßliche Betrug nie.