Kirche warnt: AfD-Regierung wäre „kein Spaß“
Bischof Tilman Jeremias sieht die AfD als unvereinbar mit christlichen Werten. Was das für Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern bedeuten könnte.
Die AfD ist für den Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der evangelischen Nordkirche, Tilman Jeremias, nicht mit dem christlichen Glauben und der Lehre vereinbar. (Archivbild)Stefan Sauer/dpa
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Der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelischen Nordkirche, Tilman Jeremias, hält die AfD für nicht vereinbar mit dem christlichen Glauben und der Lehre. „Für uns als Christinnen und Christen ist es wesentlich, dass alle Menschen Geschöpfe Gottes sind“, sagte Jeremias in einem Interview des „Nordkurier“. Die Bibel berichte sogar, dass sie Ebenbilder Gottes seien. Und wenn das für alle Menschen gleichermaßen gelte, dann sei die daraus resultierende Menschenwürde unantastbar.
Keine Abstufungen zwischen unterschiedlichen Gruppen
Dann gebe es keine Abstufungen zwischen unterschiedlichen Gruppen, betonte Jeremias. „Dann haben gebürtige Deutsche keinen höheren Wert als zum Beispiel Menschen, die zugewandert sind.“ Wer das behaupte, „begibt sich auf ein Terrain, das mit dem christlichen Glauben und der Lehre unserer evangelischen Kirche nicht vereinbar ist“. Auch wolle die AfD das Sozialsystem so umbauen, dass Menschen mit Zuwanderungsgeschichte einseitig benachteiligt würden. „Und auch das kollidiert mit der Gleichwertigkeit aller Menschen, an die wir als Christen glauben“, sagte Jeremias.
Die AfD in Mecklenburg-Vorpommern gilt im Vergleich zu anderen Ost-Verbänden noch als gemäßigt, ist nicht vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft. Umfragen sehen die Partei gut fünfeinhalb Monate vor der Landtagswahl am 20. September klar vor allen anderen Parteien. Wahlforschungsinstitute gehen derzeit von einem Ergebnis von deutlich über 30 Prozent für die AfD im Nordosten aus.
Bischof: „Es wird kein Spaß, wenn die AfD an die Regierung kommt.“
Die Evangelische Kirche mache sich keine Illusionen, sagte Jeremias. „Es wird kein Spaß werden für die Religionsgemeinschaften und für uns als Kirchen nicht, sollte die AfD in Mecklenburg-Vorpommern an die Regierung kommen.“ Das gelte auch im Bildungs- und Wissenschaftsbereich sowie in der Wirtschaft. „Da müssen wir gut vorbereitet sein“, sagte der Bischof und plädierte für Gespräche mit potenziellen AfD-Wählern, die von sich sagten, „dass sie kein rechtsextremes, geschlossenes Weltbild haben und keine Nazis sind“.
Die AfD selbst zeigte sich empört, warf Jeremias vor, Wahlkampf gegen die AfD zu betreiben, und sprach von Unterstellungen. „Es geht dem Bischof allein darum, die AfD mit dem moralischen Gewicht seines Amtes als unwählbar hinzustellen“, erklärte der rechtspolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Horst Förster.