Kiekeberg-Museum zeigt Alltag von Landwirtinnen im Porträt
Nur elf Prozent der deutschen Höfe liegen in Frauenhand. Eine Ausstellung im Freilichtmuseum am Kiekeberg zeigt, wie sich das Leben für Landwirtinnen gestaltet – und wo es noch Handlungsbedarf gibt.
Das Kiekeberg-Museum beleuchtet die Situation der Frauen in der Landwirtschaft. Philipp Schulze/dpa
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Zum Internationalen Jahr der Landwirtin zeigt das Freilichtmuseum am Kiekeberg die Wanderausstellung „Frauen. Leben. Landwirtschaft“. 18 Porträts der Fotografin Anna Tiessen und begleitende Texttafeln geben Einblicke in den Alltag und das Leben im ländlichen Raum. Grundlage der Ausstellung ist eine Studie zur Situation von Frauen in der Landwirtschaft in Deutschland. Bis zum 26. April ist die Galerie in Rosengarten südlich von Hamburg zu sehen.
Frauen übernähmen heutzutage zwar mehr Verantwortung in Betrieben, es gebe aber deutlich Luft nach oben, sagt Sybille Kahnenbley, Stiftungsratsvorsitzende des Museums. „Natürlich verändert und verbessert sich etwas, aber nur elf Prozent der Betriebe werden von Frauen geleitet. Das ist zu wenig.“
Ein Nachteil für Frauen sei etwa, dass bei Weitergabe der Höfe oft die Söhne an erster Stelle ständen. Dabei biete die Landwirtschaft mit ihren technischen Hilfen auch für Frauen inzwischen alle Möglichkeiten. „Das muss einer sein, der Lust hat, das kann sowohl der Sohn als auch die Tochter sein“, betont Kahnenbley. Handlungsbedarf gebe es auch bei der Altersvorsorge. Sie wünscht sich zudem, dass sich Landwirtinnen noch mehr in Verbände einbringen und politische Ämter übernehmen.
Weiblicher Nachwuchs wächst nach
In Deutschland arbeiten 2023 nach Zahlen des Statistischen Bundesamts, die der Landesbauernverband Landvolk Niedersachsen zitiert, rund 876.000 Menschen in der Landwirtschaft. Etwa 310.000 davon waren Frauen – das entspricht 35 Prozent. Bei den Führungspositionen (11 Prozent) zählte Deutschland zu den Schlusslichtern, im EU-Durchschnitt haben Frauen rund 32 Prozent inne.
Als Hinderungsgrund für Frauen sieht das Landvolk Unsicherheiten bei der Familiengründung. Dazu gehören etwa der fehlende Mutterschutz für selbstständige Landwirtinnen, Lücken in der sozialen Absicherung sowie eine hohe mentale Belastung durch die Doppelverantwortung von Betrieb und Familie.
Der weibliche Nachwuchs zumindest wächst: In den „grünen Berufen“ liegt der Frauenanteil laut dem Landvolk bei rund 25 Prozent, im Ausbildungsberuf Landwirt/in bei etwa 23 Prozent – mit steigender Tendenz. In den Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften sind demnach inzwischen rund 61 Prozent der Studierenden weiblich.
18 Porträts von Landwirtinnen machen auf das Landleben von Frauen aufmerksam. Philipp Schulze/dpa
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Zu wenige Frauen leiten landwirtschaftliche Höfe. Philipp Schulze/dpa
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Am Kiekeberg ist eine Foto-Galerie zu Frauen in der Landwirtschaft zu sehen. Philipp Schulze/dpa
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