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Keine Belebung im Frühjahr für Hessens Arbeitsmarkt

Kaum neue Stellen, mehr Insolvenzen und sinkende Beschäftigung: Warum Hessens Arbeitsmarkt trotz Frühling keine Trendwende erlebt – und welche Branchen besonders betroffen sind.

30.04.2026

In der Chemie- und Metallindustrie sind in Hessen besonders viele Stellen verloren gegangen. (Symbolbild)Andreas Arnold/dpa

In der Chemie- und Metallindustrie sind in Hessen besonders viele Stellen verloren gegangen. (Symbolbild)Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

In Hessen ist die Lage am Arbeitsmarkt im April angespannt geblieben. Die sonst übliche Frühjahrsbelebung ist faktisch ausgefallen: Mit 212.435 Menschen waren zum Stichtag 13. April nur rund 650 Personen weniger arbeitslos gemeldet als im März, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur berichtet. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 6,0 Prozent, während die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl um 1.000 Personen nach oben kletterte. 

„Dem Arbeitsmarkt fehlen jegliche Impulse. Er bleibt deswegen deutlich hinter den Erwartungen zurück“, sagt Direktionsleiter Frank Martin. Wegen des Iran-Kriegs und seiner Folgen sei auch in den kommenden Monaten keine Besserung in Sicht: „Die für dieses Jahr erwartete wirtschaftliche Erholung wird durch geopolitische Schocks ausgebremst.“ 

Anzeichen dafür sind weiterhin viele Unternehmensinsolvenzen, wenige neu gemeldete Stellen für Fachkräfte und eine sinkende Beschäftigung in Hessen. Demnach hatten im Februar noch 2,76 Millionen Menschen in Hessen einen sozialversicherungspflichtigen Job. Das waren 0,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Besonders viele Stellen gingen bei Zeitarbeitsfirmen und in der Metall- und Chemieindustrie verloren. Zusätzliche Jobs wurden unter anderem in Heimen und Sozialeinrichtungen sowie im Gesundheitswesen aufgebaut. 

Der DGB Hessen-Thüringen warnte vor Einschnitten bei Arbeitszeit, Sozialleistungen und Gesundheitsversorgung. Das werde die Lage am Arbeitsmarkt nicht verbessern, erklärte Bezirkschef Michael Rudolph. Notwendig sei in der Erneuerungskrise eine aktive Industriepolitik. „Ziel muss es sein, durch gezielte Investitionen gute Arbeit dauerhaft zu sichern und auszubauen. Hessen geht hier mit dem Industriepaket erste Schritte in die richtige Richtung.“ 

Die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände bezeichnete es als alarmierend, dass mehr als 80 Prozent der arbeitslosen Jugendlichen keinen Berufsabschluss haben und ein Drittel nicht einmal einen Schulabschluss. Besonders betroffen seien Ausländer, die bei den jugendlichen Arbeitslosen mit einem Anteil von rund 45 Prozent deutlich überrepräsentiert seien. Integration in Schule, Ausbildung und Beruf gelinge noch zu selten, meinte VhU-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert. „Früher und verbindlicher Deutschunterricht, mehr Sprachförderung und bessere Übergänge in Ausbildung sind nötig – aber sie wirken nur, wenn Jugendliche diese Chancen auch konsequent nutzen.“