dpa

Kein Platz im Frauenhaus - Initiative gedenkt Gewaltopfer

Mit symbolisch aufgestellten roten Schuhen gedenkt eine Berliner Initiative Opfern von Gewalt - immer wenn wieder eine Frau getötet wurde. Sie weisen auch auf den Mangel an Frauenhausplätzen hin.

05.08.2026

Täglich müsse 10 bis 15 Frauen und ihren Kindern in Berlin mitgeteilt werden, dass es keinen freien Platz in einem Frauenhaus gibt, heißt es vom Verein BIG.Soeren Stache/dpa

Täglich müsse 10 bis 15 Frauen und ihren Kindern in Berlin mitgeteilt werden, dass es keinen freien Platz in einem Frauenhaus gibt, heißt es vom Verein BIG.Soeren Stache/dpa

© Soeren Stache/dpa

Viel zu wenige Plätze, viel zu wenige Stellen - Mitarbeitende von Anti-Gewalt-Projekten haben vor dem Rathaus Schöneberg demonstriert. Sie gedachten einer getöteten und einer verletzten Frau und protestierten gegen Missstände in Frauenhäusern und Beratungsstellen, wie die Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen (BIG e. V.) mitteilte. „Patriarchale Gewalt ist ein gesellschaftliches Problem und es braucht eine starke solidarische Antwort der Zivilgesellschaft und besonders der Landschaft sozialer Institutionen“, schreibt die Organisation. Nach Angaben der Veranstalter kamen 60 bis90 Menschen zusammen. 

451 Schutzplätze fehlen

Täglich müsse 10 bis 15 Frauen und ihren Kindern in Berlin mitgeteilt werden, dass es keinen freien Platz in einem Frauenhaus gibt, heißt es vom Verein BIG, der eine Hotline gegen häusliche Gewalt anbietet. Nach den Vorgaben der Istanbul-Konvention fehlten in Berlin 451 Schutzplätze für von Gewalt betroffene Frauen. Auf diese Zustände machen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Berliner Anti-Gewalt-Projekten seit Jahren aufmerksam. 

Vor dem Rathaus Schöneberg wurden rote Schuhe aufgestellt, ein etabliertes Symbol in Gedenken an getötete Frauen. Die Aktion „Rote Schuhe“ komme bei jedem Femizid zusammen, um gemeinsam der getöteten Frauen zu gedenken, ein Zeichen gegen patriarchale Gewalt zu setzen und ihren politischen Forderungen Ausdruck zu verleihen. 

Die Zustände im Arbeitsfeld seien nicht mehr tragbar, deswegen wurde zumindest während des Gedenkens an die Verstorbene die Arbeit niedergelegt. Soeren Stache/dpa

Die Zustände im Arbeitsfeld seien nicht mehr tragbar, deswegen wurde zumindest während des Gedenkens an die Verstorbene die Arbeit niedergelegt. Soeren Stache/dpa

© Soeren Stache/dpa

Am 21. Juli wurde nach Angaben der Veranstalter eine Frau in Schöneberg eine Frau von ihrem Sohn mit einem Messer angegriffen und getötet. Am selben Tag übergoss demnach ein Mann eine Frau in einer Obdachlosenunterkunft mit Benzin und zündete sie an. Die Frau überlebte, erlitt aber Brand- und Schnittverletzungen. 

Die Demonstrierenden fordern unter anderem den bundesweiten Ausbau von Frauenhausplätzen, bezahlbaren Wohnungsbau, therapeutische Angebote für Betroffene. Außerdem sollen Polizei, Richterinnen und Richter sowie Jugendämter verpflichtend zu häuslicher Gewalt fortgebildet werden, die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Justiz und Frauenhäusern zum Schutz hochgefährdeter Frauen und Kinder verbessert und durch Bildungsarbeit an Schulen präventiv gearbeitet werden. 

Vor dem Rathaus Schöneberg wurden rote Schuhe aufgestellt, ein etabliertes Symbol in Gedenken an getötete Frauen. Soeren Stache/dpa

Vor dem Rathaus Schöneberg wurden rote Schuhe aufgestellt, ein etabliertes Symbol in Gedenken an getötete Frauen. Soeren Stache/dpa

© Soeren Stache/dpa

„Sorge um Frauen nicht mehr zumutbar“

Die Zustände im Arbeitsfeld seien nicht mehr tragbar, heißt es von den Organisatorinnen. „Es gibt viel zu wenig Stellen, um den hohen Bedarf an Unterstützung zu decken; die Sorge um die vielen Frauen, die keinen Schutzplatz finden, ist nicht mehr zumutbar.“ Deswegen werde zumindest während des Gedenkens an die Verstorbene die Arbeit niedergelegt.