Karfreitagsprozession widmet sich psychischen Erkrankungen
Ein grünes Kreuz, Texte über seelisches Leid und prominente Kirchenvertreter: Die Berliner Karfreitagsprozession steht dieses Jahr ganz im Zeichen psychischer Erkrankungen.
Bei der Karfreitagsprozession wurde auch dieses Jahr wieder ein goßes grünes Kreuz durch die Innenstadt getragen.Christophe Gateau/dpa
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Unter dem Motto „Wenn die Seele leidet“ haben dieses Jahr zahlreiche Menschen an der ökumenischen Karfreitagsprozession in Berlin teilgenommen. Dabei wurde ein 80 Kilogramm schweres grünes Kreuz von der Sankt Marienkirche am Alexanderplatz durch die Berliner Innenstadt getragen. Die Prozession stoppte unter anderem am Berliner Dom, Unter den Linden und am Bebelplatz. Dort wurden Texte vorgelesen, die seelisches Leid thematisierten. Die Prozession endete in der katholischen Sankt-Hedwigs-Kathedrale.
Mit dabei waren der evangelische Berliner Landesbischof Christian Stäblein, Erzbischof Heiner Koch von der katholischen Kirche sowie Bischof Emmanuel von Christoupolis für die griechisch-orthodoxe Kirche. Am Karfreitag, einem der ältesten Gedenktage des Christentums, stellen die Kirchen das Leiden und Sterben Jesu ins Zentrum.
Bischof Stäblein: Schreit noch wer?
In seiner Predigt kurz vor Beginn der Prozession thematisierte Landesbischof Stäblein die Schreie Jesu am Kreuz und bezog sie auf das Unrecht in der Welt. „Manchmal ist da die Sorge, dass wir stumm werden. Dass keiner mehr schreit. Dass all das Elend geschieht, und niemand sagt etwas laut“, sagte Stäblein. „Die unfassbar vielen Toten im Südsudan. Die Hölle des Milizenkrieges. Und niemand sagt etwas? Das Verschleppen von syrischen Oppositionellen. Und von Belarussischen. Verschwunden im Gefängnis. Wer schreit? Schreit noch wer? Oder sind wir stumm geworden?“
Erzbischof Koch wird derweil in seiner Osterpredigt am Sonntag darauf verweisen, dass Gott Menschen auch in schweren Zeit Halt und Kraft geben könne. „Gerade in einer Zeit mit so viel Krieg und Elend, in einer Zeit gefüllt mit so viel Verzweiflung und Wirrsinn, in einer Zeit der Gewalt und des Terrors bekennen und hoffen wir auf den Auferstandenen, der mitten in dieser oft so furchtbaren und widersprüchlichen Welt gegenwärtig ist“, heißt es im vorab verbreiteten Manuskript.
Zahlreiche Menschen nahmen an der Prozession mit Stopps etwa am Berliner Dom und am Bebelplatz teil.Christophe Gateau/dpa
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