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Jüdisches Leben am Rhein: Von Schum bis heute

Mit den Schum-Stätten in Rheinland-Pfalz sind vor fünf Jahren erstmals jüdische Denkmäler in Deutschland als Unesco-Welterbe anerkannt worden. Jetzt stehen sie im Mittelpunkt einer Ausstellung.

14.01.2026

Mehr als 50 Originalexponate sind zu sehen. Helmut Fricke/dpa

Mehr als 50 Originalexponate sind zu sehen. Helmut Fricke/dpa

© Helmut Fricke/dpa

Die Ausstellung „Shalom am Rhein“ im Mainzer Landesmuseum folgt in ihrem Aufbau einem riesigen Davidstern: Historische Fotos und Bilder, Grabsteine, Säulen und Exponate zeugen von 1.000 Jahren jüdischen Lebens auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz. Dazu kommen auf mehr als 400 Quadratmetern Zitate, Texte und moderne Medienstationen. Den Anfang machen die Schum-Gemeinden Speyer, Worms und Mainz, die das Mittelalter prägten und vor fünf Jahren zum Unesco-Welterbe ernannt wurden. 

„Wir wollen aber nicht nur über Vergangenheit sprechen, sondern einen Bogen vom Mittelalter zum heutigen Tag schlagen“, erläutert Museums-Direktorin Birgit Heide das Konzept. Und: „Wir zeigen die dunklen Seiten, und wir zeigen die guten Seiten.“ 

Schweitzer: Schau zeigt Strahlkraft jüdischer Kultur 

„Die Schau bietet mit berührenden Objekten und eindrucksvollen Biografien neue Blicke auf das Miteinader der jüdischen und der nicht-jüdischen Gesellschaft“, sagte Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) bei der Eröffnung. „Sie zeigt eindrucksvoll die Strahlkraft jüdischer Kultur, Wissenschaft und Religion ebenso wie die Brüche durch Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung - und die Kraft des Neubeginns.“ 

Die Ausstellung ist in der Form eine Davidsterns aufgebaut. Helmut Fricke/dpa

Die Ausstellung ist in der Form eine Davidsterns aufgebaut. Helmut Fricke/dpa

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Die Ausstellung beginnt mit dem 10. Jahrhundert, in dem die erste jüdische Gemeinde in Mainz nachgewiesen worden sei, sagt Heide. Der älteste erhaltene jüdische Grabstein mit einer Inschrift nördlich der Alpen stamme von 1049 und aus Mainz - und gehört zu den mehr als 50 gezeigten Originalexponaten. 

Alltag, Sprache und Bildung und Glauben werden beleuchtet

„Es gibt keinen festgelegten Rundweg“, sagt Heide. Der Besucher kann seinen Interessen folgen, ohne etwas zu verpassen, die Ausstellung ist thematisch mit sechs Schwerpunkten aufgebaut. Dazu gehören außer Schum auch Bildung, Glaube und Synagogen, Zusammenleben, Festkultur und Lebenszyklus sowie Engagement. 

Jüdische Feste sind auch ein Thema der Ausstellung. Helmut Fricke/dpa

Jüdische Feste sind auch ein Thema der Ausstellung. Helmut Fricke/dpa

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Der Name Schum-Stätten bezieht sich auf die hebräischen Anfangsbuchstaben Schin (sch) für Schpira (Speyer), Waw (u) für Warmaisa (Worms) und Mem (m) für Magenza (Mainz) für die drei Städte, die im Mittelalter Zentren jüdischer Gelehrsamkeit waren.

Schwerpunkt Judentum auf dem Land 

„Das Landjudentum ist bisher in dieser Form noch nie in einer Ausstellung gezeigt worden“, sagt die Museums-Direktorin. Mit dem Beginn der Vertreibung in der Reformationszeit seien zahlreiche jüdische Gemeinden auf dem Land entstanden, die größte war demnach im 19. Jahrhundert in Ingenheim in der Pfalz. Ende des 19. Jahrhunderts seien viele Juden dann wieder in die Städte geflüchtet. 

Ein KI gesteuerter Avatar eines Rabiners beantwortet Fragen. Helmut Fricke/dpa

Ein KI gesteuerter Avatar eines Rabiners beantwortet Fragen. Helmut Fricke/dpa

© Helmut Fricke/dpa

Ein Avatar beantwortet Fragen 

Der erste KI-generierte Avatar in einer Schau des Landesmuseums - Rabbi Macharil - beantwortet Fragen zum Judentum. Auf 15 runden Tafeln werden jüdische Persönlichkeiten mit Bezug zu Rheinland-Pfalz vorgestellt - darunter der älteste - 1920 geborene - Holocaust-Überlebende Nicolaus Blättermann aus Bad Kreuznach. 

Die historischen Synagogenbezirke der Schum-Städte, ein koscheres Pop-up-Restaurant aus Trier und der Wiederaufbau der Wormser Synagoge 1961 sind einige von mehreren Filmen. QR-Codes bieten anstelle eines Audioguides vertiefende Informationen auf Deutsch und Englisch. 

Klapptafeln erläutern in Mainz entstandene Takkanots, „Regeln die bis heute gelten, zum Beispiel zum Erbrecht, Scheidungsrecht oder Briefgeheimnis“, wie Heide sagt. Auch koscheres Essen oder jiddische Begriffe wie Tacheles, Macke und Kaff werden auch auf diese Weise oder an interaktiven Medienstationen anschaulich - die hebräische Schrift kann auch ausprobiert werden. 

„Shalom am Rhein“ heißt die neue Ausstellung, die in den kommenden Jahren im Mainzer Landesmuseum zu sehen ist.  Peter Zschunke/dpa-Zentralbild/dpa

„Shalom am Rhein“ heißt die neue Ausstellung, die in den kommenden Jahren im Mainzer Landesmuseum zu sehen ist. Peter Zschunke/dpa-Zentralbild/dpa

© Peter Zschunke/dpa-Zentralbild/dpa

Umfangreiches Rahmenprogramm für mehrere Jahre

Die Ausstellung in dem Raum in der historischen Steinhalle solle etwa vier bis fünf Jahre zu sehen sein und die Erfahrungen dann in die Neukonzeption der künftigen Dauerausstellung des Landesmuseums einfließen. Das Budget liegt den Angaben zufolge bei etwas mehr als einer halben Million Euro. Die Steinhalle solle dann auch komplett umgebaut und wieder als eine Halle für das römische Erbe erlebbar werden. Die Ausstellungsmacher wollen mit den Besuchern ins Gespräch kommen, dafür gibt es einen extra Raum - und ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Kultur, Diskussionen, Musik und Show.