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„Jamel rockt den Förster“ - Regen und Schlamm zum Trotz

Die Besetzung des Rockfestivals „Jamel rockt den Förster“ in Mecklenburg-Vorpommern war weniger prominent als in den Vorjahren - die Stimmung aber nicht schlechter. Doch es gibt Sorge um die Zukunft.

06.09.2026

Die Schuman Band hat das Festival „Jamel rockt den Förster“ eröffnet. Georg Wendt/dpa

Die Schuman Band hat das Festival „Jamel rockt den Förster“ eröffnet. Georg Wendt/dpa

© Georg Wendt/dpa

Beim Musikfestival „Jamel rockt den Förster“ haben in Mecklenburg-Vorpommern rund 2.500 Besucher zusammen mit Musikern und Künstlern aus ganz Deutschland ein Zeichen gegen Rechtsextremismus gesetzt. Die Besetzung blieb wie in den Vorjahren bis unmittelbar vor den Auftritten geheim. 

Wegen Unwetters konnte das Festival in dem Dorf Jamel bei Wismar in Nordwestmecklenburg erst einen Tag später als geplant starten und musste entsprechend gekürzt werden. Wegen des Dauerregens am Freitag fiel etwa der Auftritt der bekannten Hamburger Band Meute buchstäblich ins Wasser.

Das Regenwetter habe in diesem Jahr schon eine besondere Herausforderung dargestellt, räumte Markus Ameln, ehrenamtlicher Versammlungsleiter vom Mitorganisator Deutscher Gewerkschaftsbund, ein. Am Freitag mussten alle Konzerte abgesagt werden, nachdem es sechs Stunden geregnet hatte und das Festivalgelände so aufgeweicht war, dass die Lastwagen die Tontechnik nicht an die Bühne bringen konnten.

Die Probleme mit dem Schlamm „haben wir in den Griff bekommen, wir haben sehr viel Rindenmulch verteilt“, sagte Ameln am zweiten Festivaltag. Zudem seien Matten ausgelegt worden, um den Zuschauern einen einigermaßen sicheren Zugang zu den Konzerten zu verschaffen. Schlammig war es dennoch, die Besucher nahmen es aber gelassen: Entweder in Gummistiefeln oder teils sogar barfuß trotzten sie dem Regen, der zum Start der Konzerte zumindest kurzzeitig immer wieder einsetzte.

Die Veranstalter organisierten zum Ende des Events auch Traktoren, um feststeckende Autos aus dem Schlamm zu holen. Vielerorts leisteten die Festivalgäste einander aber auch einfach gegenseitig Hilfe beim Anschieben.

Besucher des Festivals feiern in der Nacht den Auftritt der Musikerin Deine Cousine.Georg Wendt/dpa

Besucher des Festivals feiern in der Nacht den Auftritt der Musikerin Deine Cousine.Georg Wendt/dpa

© Georg Wendt/dpa

Als erste Gruppe ging die Schuman Band an den Start - ein Projekt von Rainer Schumann, dem Schlagzeuger von Fury in the Slaughterhouse. Highlights waren unter anderem Soffie und Deine Cousine. Auch der bekannte Schauspieler Bjarne Mädel war auf der Bühne. 

Festival gegen Rechtsextremismus

Bei „Jamel rockt den Förster“ geht es den Veranstaltern nach aber nicht nur um gute Musik. Mit dem seit 2007 veranstalteten Festival wollen die Organisatoren Birgit und Horst Lohmeyer auch ein politisches Statement gegen Rechtsextremismus setzen. Es ist eine Gegenveranstaltung zu Bemühungen örtlicher Neonazis, das Dorf Jamel in eine rechtsextreme Mustergemeinde zu verwandeln. 

Das Ehepaar ist in der Vergangenheit immer wieder Ziel rechter Angriffe geworden. 2015 wurde die Scheune der Lohmeyers angezündet. Zu Silvester 2024/25 schossen unbekannte Täter Feuerwerkskörper und Raketen auf das Grundstück ab. Dazu riefen die Angreifer Nazi-Parolen. Doch die Lohmeyers blieben. Das Festival gewann zunehmend an Popularität gewonnen, zog immer mehr Besucher an. 

Festivalbesucher als Unterstützer

„Jahr für Jahr fühlt es sich mehr an, als würde man als Unterstützung hierherkommen“, sagte die aus Wismar stammende und inzwischen in Hamburg lebende Festivalbesucherin Katharina. Sie könne sich nicht vorstellen, hier zu leben und täglich den Kampf gegen rechte Anfeindungen auszufechten. „Aber das möchte ich natürlich unterstützen, so wie ich alles Linke in meiner rechten Heimat unterstütze.“

In diesem Jahr zeichneten die Lohmeyers die Europaschule Rövershagen bei Rostock mit dem Demokratiepreis aus. Die Schule betreibt seit Jahren eine Arbeitsgemeinschaft (AG) Kriegsgräber, die sich auch mit den Schicksalen der Opfer des Nationalsozialismus auseinandersetzt. Auf dem Schulhof baute die AG als Mahnmal einen Güterwaggon auf, wie er auch zum Transport von Juden und anderen NS-Verfolgten in die Konzentrationslager verwendet wurde.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig in Jamel neben den Veranstaltern Birgit und Horst Lohmeyer. Georg Wendt/dpa

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig in Jamel neben den Veranstaltern Birgit und Horst Lohmeyer. Georg Wendt/dpa

© Georg Wendt/dpa

Flankiert werden die Konzerte zudem von politischen Workshops und Infoständen. Kurz vor der Landtagswahl kam auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig am Abend vorbei. Schwesig ist Schirmherrin des Festivals. „Hier erlebt man, wie viel Kraft in Musik und in gemeinsamen Orten steckt“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur zur Begründung ihres Engagements. Solche Orte dienten dem Zusammenhalt. „Jamel ist ein kleines Dort mit einem großen Signal und ein Beispiel dafür, was möglich ist, wenn wir zusammenstehen“, fügte sie hinzu.

Bei ihrer Rede auf der Bühne forderte Schwesig, Rechtsradikalismus keinen Raum zu geben. „Euer Zuhause ist unser Zuhause“, versicherte sie dem Ehepaar Lohmeyer.

Landtagswahlen: Künstler warnen vor Rechtsruck

Am 20. September sind in Mecklenburg-Vorpommern Landtagswahlen. In Umfragen führt die rechtspopulistische AfD. Die Festivalveranstalter haben stets betont, keinen Wahlaufruf für eine Partei zu machen. Mehrere Künstler riefen aber von der Bühne dazu auf, so zu wählen, dass die AfD nicht an die Macht komme.

Das Spektakel zieht jedes Jahr Tausende Besucher an. In diesem Jahr mussten die Tickets verlost werden. In der Vergangenheit traten immer wieder sehr prominente Künstler auf, unter anderem Herbert Grönemeyer, Campino von den Toten Hosen, Die Ärzte, Fettes Brot und Deichkind. 

Dabei halten die Veranstalter die Namen der auftretenden Musiker und Bands traditionell bis zum Auftakt geheim. Dem Vernehmen nach gibt es auch für das kommende Jahr schon etliche Zusagen.