„Nicht zu beschreiben“: Alba holt nach Aufholjagd Titel
Lange sieht es für Bayern München nach der Titelverteidigung aus. Doch in der Schlussphase kippt das Spiel - mit dem besseren Ende für den neuen deutschen Meister: Alba Berlin.
Alba Berlin feiert den großen Meister-Coup in München.Matthias Stickel/dpa
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Die Spieler von Alba Berlin hüpften über das Parkett und jubelten völlig losgelöst über ihre nächste Meisterschaft, den Basketball-Profis des FC Bayern war die Fassungslosigkeit anzusehen. Erneut gaben die Münchner in der Schlussphase dieser Final-Serie einen großen Vorsprung aus der Hand und mussten sich mit der Rolle des Gratulanten anfreunden. Dank einer atemberaubenden Aufholjagd gewannen die Hauptstädter das entscheidende fünfte Spiel auswärts beim Titelverteidiger mit 84:81 (27:47).
„Es ist superschwer, das in Worte zu fassen“, sagte Jonas Mattisseck bei Dyn. „In so einem Spiel, zur Halbzeit mit 20 Punkten zurückzuliegen und dann zurückzukommen, das kann ich nicht beschreiben. Ich weiß nicht, wie das funktioniert hat.“
Pesic verpasst Happy End
Alba feierte nicht nur den zwölften Meistertitel, sondern vermieste Bayerns Trainer-Veteran Svetislav Pesic in dessen letztem Spiel vor der Basketball-Rente auch noch den letzten Pokal. Während für die Münchner eine Saison zum Vergessen damit ohne Titel zu Ende geht, sind die „Albatrosse“ um Jungstar Jack Kayil die große Überraschung. Der 20-Jährige steht wohl vor einer Zukunft in der nordamerikanischen NBA.
Alba-Star mit Zukunft in der NBA? Jack Kayil.Matthias Stickel/dpa
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Deutlich lag Berlin zur Halbzeit zurück, ehe die Aufholjagd losging. Angeführt von den Präzisionsschützen Mattisseck und Justin Bean (jeweils 18 Punkte) kämpften sich die Gäste tatsächlich zum Happy End. Den Bayern reichten derweil 24 Punkte von Andreas Obst nicht. Der Welt- und Europameister war zwar bester Scorer, hatte in der Schlussphase aber ebenfalls Probleme.
„Extrem frustriert“, beschrieb Niels Giffey seinen Gefühlszustand. Eine Erklärung für den Einbruch seiner Bayern hatte er nicht parat. „Wir haben das einfach schlecht gehandhabt und hatten keine Kontrolle mehr über die Defensive, wie wir sie in der ersten Halbzeit noch hatten.“
Schwächephase der Bayern
Dass es überhaupt zum Showdown kam, lag an einer kapitalen Schwächephase der Bayern in Partie Nummer vier: Am Freitag führten die Münchner in Berlin noch im dritten Viertel mit zehn Punkten, die erfolgreiche Titelverteidigung war nah. Dann aber kassierten die Gäste einen schier unglaublichen 2:26-Lauf von Alba und verloren am Ende mit 61:71. Nur einmal gelangen dem deutschen Branchen-Primus in der Saison so wenig Punkte - im Oktober ebenfalls in Berlin.
Bei Bayern-Star Andreas Obst sitzt die Enttäuschung tief.Matthias Stickel/dpa
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Woran das lag, konnte Trainer Pesic nicht erklären. „Ich habe bisher in meiner Zeit bei den Bayern noch nie diese Situation gehabt, dass wir unser Konzept verloren haben“, sagte er. Justus Hollatz schilderte: „Wir haben komplett den Faden verloren. Wir haben uns zu sehr in die Spirale reinlaufen lassen und sind dann nicht mehr rausgekommen.“
Albas nächste Meisterparty in München
Alba witterte indes die Chance vom großen Coup. „Wir müssen jetzt den Sack zumachen“, forderte Flügelspieler Michael Rataj. Wie man in Bayern feiert, das wissen die Berliner eigentlich: Ihre bis dato letzten drei Meisterschaften 2020, 2021 und 2022 gewannen die Hauptstädter jeweils auswärts in München.
Von großer Partylaune war bei den Gästen und den mitgereisten Fans vor der Pause nichts zu spüren. Nach einem 20:25 im ersten Viertel erlebte Alba einen ähnlichen Einbruch wie zwei Tage zuvor die Bayern, ganze sieben Zähler brachte das Team von Coach Pedro Calles im zweiten Abschnitt zustande. Das bestraften die Bayern und bauten ihre Führung auf 20 Punkte aus. Dabei ließen die Gastgeber etliche Chancen auf einen noch größeren Vorsprung liegen.
Bayern-Streit mit Bamberg wegen Coach Gavel
Münchens Pesic tigerte in seiner Coaching-Zone auf und ab, auch im letzten Spiel seiner langen Trainerkarriere war der Serbe mit voller Energie dabei. Über dessen Nachfolge war in dieser Woche ein heftiger Streit entbrannt: Die Bayern buhlen um Anton Gavel aus Bamberg, auch der frühere Münchner Profi will.
Weil dem Vernehmen nach aber Bayern keine Ablösesumme bezahlen möchte, reichte der Trainer die Kündigung in Franken wegen eines Formfehlers bei seinem noch bis 2027 laufenden Kontrakt ein. Vereinsmäzen Michael Stoschek zürnte und kritisierte Gavel sowie die Bayern hart. Bambergs Geschäftsführer Philipp Höhne pocht beschwichtigend auf „eine faire Lösung für alle Seiten“.
Famoses Comeback nach der Pause
Die Bayern schwiegen zuletzt zu dem Thema. In der Halbzeitpause von Spiel fünf sagte Vereinspatron Uli Hoeneß, dass er zwar nicht involviert sei. Er klang aber entspannt. „Ich persönlich glaube, dass wir nächstes Jahr den Anton Gavel hier als Trainer haben.“
Diese Entspannung wich, als Bayern wie schon in Spiel vier plötzlich gar nichts mehr gelang und die Berliner Punkt um Punkt aufholten. Sieben Minuten vor Schluss ging Alba dann sogar in Führung (67:66). Es kam zur Zitterpartie im Finish - mit dem besseren Ende für Berlin.
Bayern und Alba stehen sich im finalen Showdown der Basketball-Bundesliga gegenüber.Matthias Stickel/dpa
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Zum Meister gecoacht: Alba-Trainer Pedro Calles (M).Matthias Stickel/dpa
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