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Integrationsbeauftragte: Queerfeindlichkeit weit verbreitet

Berlin-Neuköllns Integrationsbeauftragte Güner Balcı warnt vor queerfeindlichen Einstellungen in konservativen Milieus. Sie fordert mehr gesellschaftliche Durchmischung an Schulen.

30.07.2026

Alle konservativ-religiösen Menschen hätten ein Problem mit Homosexualität, völlig egal, um welche Religion es sich handele, sagte Balci der „Zeit“ (Archivbild).Kay Nietfeld/dpa

Alle konservativ-religiösen Menschen hätten ein Problem mit Homosexualität, völlig egal, um welche Religion es sich handele, sagte Balci der „Zeit“ (Archivbild).Kay Nietfeld/dpa

© Kay Nietfeld/dpa

Die Integrationsbeauftragte von Berlin-Neukölln, Güner Balcı, sieht queerfeindliche Einstellungen unter konservativen Muslimen weit verbreitet. „Sie sind aber nicht zwangsläufig gewaltbefürwortend“, sagte sie im Gespräch mit der „Zeit“. „Oft wollen diese Menschen das Thema aus ihrem privaten Leben verbannen und tabuisieren dann gerne, sodass in den Familien über Homosexualität gar nicht gesprochen wird.“ Für viele sei das Thema mit Angst und Scham belastet. 

Alle konservativ-religiösen Menschen hätten ein Problem mit Homosexualität, völlig egal, um welche Religion es sich handele, meint Balcı. Auch in der Mehrheitsgesellschaft ohne religiöse Hintergründe sei etwa im ländlichen Bereich schnell die Toleranzgrenze erreicht. „Entscheidend aber ist am Ende, ob eine solche Sicht in Bedrohung und Herabsetzung von Betroffenen mündet.“

„Tickende Zeitbomben“

Aus Balcıs Sicht ist essenziell zu verhindern, dass sich Milieus herausbilden, in denen es Schulen gibt, in denen fast alle Kinder entsprechende Einstellungen hätten. „Wer wie ich in einem Milieu wie Neukölln unterwegs ist und mitbekommt, wie Jugendliche dort mitunter denken, welche Art von Diskriminierung an den Schulen passiert, bekommt das Gefühl: Da laufen kleine tickende Zeitbomben herum“, sagte Balcı. Wo es keine soziokulturelle Durchmischung gebe, werde es schwierig. „Und es ist völlig egal, ob das in einem Dorf in Brandenburg ist oder in einem Stadtteil in Berlin.“ 

Bei dem Terroranschlag am Samstag am Rande des Christopher Street Days (CSD) hatte der 21-jährige Attentäter Abdul B. mit einem Auto mehrere Menschen angefahren, bevor er - vermutlich mit einer Machete - weitere Menschen verletzte. Eine Frau starb, 31 Menschen wurden verletzt, 7 davon schwer. Der Islamist wurde am Sonntagabend von Polizisten erschossen. Nach einem Bericht der „Berliner Morgenpost“ fiel B. schon als junger Schüler mit aggressivem Verhalten auf.