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Integration durch Arbeit: Mensa-Projekt soll Schule machen

Arbeit ist mehr als Geld verdienen. Das ist kein Geheimnis. Für Menschen, die als Migranten nach Deutschland kommen, gilt das besonders. Ein Projekt aus Dresden kann ein Vorbild sein.

29.07.2026

Das Studentenwerk Dresden hat geflüchteten Frauen Arbeit in der Mensa der Technischen Universität Dresden verschafft. Jörg Schurig/dpa

Das Studentenwerk Dresden hat geflüchteten Frauen Arbeit in der Mensa der Technischen Universität Dresden verschafft. Jörg Schurig/dpa

© Jörg Schurig/dpa

„Wenn ich früh aufstehe, bin ich froh, eine Arbeit zu haben“, sagt Zahra Sarwari und strahlt über das ganze Gesicht. Dann wisse sie, sie habe heute zu tun. Seit ein paar Monaten arbeitet die 39 Jahre alte Frau aus Afghanistan in der Mensa der Technischen Universität Dresden, mal bei der Ausgabe des Essens, mal an der Spülmaschine. Derzeit sind es vier Stunden am Tag, später sollen es sechs oder auch acht Stunden werden. Dann kann sie vielleicht in der Cafeteria oder sogar als Köchin arbeiten.

„Ich merke gar nicht, dass ich eine Ausländerin bin.“ 

„Ich habe lange eine Arbeit gesucht“, sagt die dreifache Mutter. In ihrer alten Heimat dürften Frauen gar nicht arbeiten. Jetzt sei sie Teil eines Teams. Die deutschen Mitarbeiter seien „ganz lieb“. „Ich merke gar nicht, dass ich eine Ausländerin bin. Ich bin auch eine Deutsche hier.“ Natürlich gebe es manchmal Probleme, schließlich sei man neu. Es sei ein schönes Gefühl, kein Geld mehr vom Jobcenter zu beziehen. „Ich gehe zu meinen Kindern und sage: Das ist das Geld, das ich für meine Arbeit bekommen habe. Das ist mein Geld.“

Gemeinsam mit 13 anderen Frauen mit ausländischen Wurzeln kam Zahra Sarwari über ein Programm des Dresdner Ausländerrates und des Sächsischen Flüchtlingsrates zu dem Job. Es wird unter anderem von der EU und dem Bundesarbeitsministerium gefördert. Elf Frauen sind noch dabei. „Das war eine besondere Situation. Das Studentenwerk hat auf einen Schlag viele neue Mitarbeiter gesucht“, sagt Christian Schäfer-Hock, Geschäftsführer des Ausländerrates.

Einen Job für geflüchtete Frauen zu finden ist schwer 

Laut Schäfer-Hock kümmert sich der Ausländerrat schon seit Jahren darum, Frauen mit einer Fluchtgeschichte in Arbeit zu bringen. „Das ist schwer genug.“ Doch das Projekt mit dem Studentenwerk macht ihm Mut. „Wenn der Arbeitgeber wirklich will, dann geht ganz viel.“ Oftmals höre er Ausflüchte. Wenn das ein Betrieb wie das Studentenwerk hinbekomme, dann bekämen das auch andere hin, ist der Geschäftsführer überzeugt. Und noch etwas stellt er klar: „Das ist kein Geschenk, das Studentenwerk verlangt Leistung.“ 

Michael Rollberg, Geschäftsführer des Studentenwerkes sieht das nicht anders. Man habe 200 Mitarbeiter in der Hochschulgastronomie, da sei genug Platz für Integration. Er empfiehlt – genau wie Schäfer-Hock und auch die für Integration zuständige sächsische Sozialministerin Petra Köpping (SPD) – das Projekt zur Nachahmung. „Wir müssen dahin kommen, dass das als etwas ganz Normales empfunden wird“, betont Christian Schäfer-Hock. 

Wunsch nach mehr Flexibilität und weniger Bürokratie

Köpping wünscht sich mehr Flexibilität. Einerseits gelte es bürokratische Hürden bei der Arbeitsaufnahme von Migranten abzubauen – auf der Seite der Arbeitgeber auch Vorurteile. Manche würden denken, wenn Migranten die deutsche Sprache nicht komplett beherrschten, könne das nichts werden. „Wir haben heute gesehen, dass die Sprache am besten am Arbeitsplatz gelernt wird, wenn man mit deutschen Arbeitnehmern zusammenarbeitet und hier integriert ist. Dann funktioniert alles am schnellsten.“

Die Arbeit in der Mensa hat nicht zuletzt den kulinarischen Horizont von Zahra Sarwari und ihren Kolleginnen erweitert. Manchmal kenne sie den Namen der Speisen noch nicht und müsse erst ihre deutschen Kolleginnen fragen, sagt Rodina Jamaah, die aus Damaskus stammt. „Ich finde das deutsche Essen sehr interessant“, meint die junge Frau und bleibt damit diplomatisch. Bestimmt werde das eine oder andere künftig auch zu Hause auf den Tisch kommen.