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Mehr Unfälle in dichterem Verkehr in Hessen

Vor allem junge Menschen und E-Scooter-Nutzer verunglücken häufiger. Dennoch gibt es in Hessens Unfallbilanz auch positive Entwicklungen. Das Land will mit neuen Konzepten gegensteuern.

11.05.2026

Der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) ist im Polizeipräsidium zu Gast. (Archivbild)Boris Roessler/dpa

Der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) ist im Polizeipräsidium zu Gast. (Archivbild)Boris Roessler/dpa

© Boris Roessler/dpa

Ein dichterer und vielfältigerer Verkehr führt auf Hessens Straßen zu mehr Unfällen. Besondere Sorge bereiten Innenminister Roman Poseck (CDU) E-Scooter und steigende Unfallzahlen bei jungen Erwachsenen. 

„Mehr zugelassene Fahrzeuge, eine wachsende Vielfalt an Verkehrsmitteln – von E-Scootern über Pedelecs bis hin zu Lastenrädern – und eine Infrastruktur, die mit dieser Entwicklung oft nicht Schritt halten kann, erhöhen das Unfallrisiko auf unseren Straßen erheblich“, sagte Poseck bei der Vorstellung der Verkehrsunfallbilanz im Frankfurter Polizeipräsidium. 

Wie sehen die Zahlen aus?

Die hessische Polizei registrierte im vergangenen Jahr 150.286 Verkehrsunfälle. Dabei kamen 199 Menschen ums Leben, 3.230 wurden schwer und 22.567 leicht verletzt. Im Vergleich zu 2024 stieg die Zahl der Unfälle um 2,3 Prozent, die Zahl der Todesopfer blieb nahezu unverändert. Vor allem sind es sehr viel weniger Todesfälle als vor zehn Jahren, wie der Innenminister berichtet. 

Die Zahl der Unfälle mit E-Scootern steigt stark. (Archivbild) Sebastian Gollnow/dpa

Die Zahl der Unfälle mit E-Scootern steigt stark. (Archivbild) Sebastian Gollnow/dpa

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Einen „besorgniserregenden Anstieg“ gebe es jedoch bei der Zahl der Unfälle mit E-Scootern. Die hessische Polizei zählte im vergangenen Jahr 1.505 Unfälle mit diesen Fahrzeugen - fast 40 Prozent mehr als 2024. Fünf Menschen starben bei Scooter-Unfällen, vier von ihnen waren jünger als 25 Jahre. 

Auch sonst sind junge Menschen besonders häufig in Unfälle verwickelt. „Die Unfallzahlen von jungen Fahrern im Alter von 18 bis 24 Jahren steigen seit fünf Jahren kontinuierlich“, sagte Poseck. 26 junge Menschen dieser Altersgruppe starben im vergangenen Jahr. „Viele junge Fahrer unterschätzen die Gefahren und überschätzen ihre Fähigkeiten“, so der Minister.

Drogen und Alkohol bleiben ein Thema. „Besonders der Konsum von Cannabis im Straßenverkehr führt vermehrt zu Unfällen“, sagte Poseck, der die Teillegalisierung und die Anhebung des Grenzwerts für einen Fehler hält. 

Was tut die Polizei?

  • Bei der Vorstellung der Unfallbilanz stellten der Minister und Landespolizeipräsident Felix Paschek eine ganze Reihe von Maßnahmen vor, die helfen sollen, die Unfallzahlen in Hessen zu senken. Die einen zielen auf Kontrolle, die anderen auf Prävention. 
  • Spezielle Fahrzeuge mit moderner Technik verfolgen Verkehrsteilnehmer, die zu schnell oder zu nah auffahren, und filmen den Verstoß (Video-Nachfahrsystem ViNAS). Die neuen Fahrzeuge ermöglichen laut Polizei präzisere Aufzeichnungen von Verstößen. Die Beamten könnten den Fahrern dann direkt im Video zeigen, wie sie andere gefährden, erklärte ein Polizist.
  • Das Präventionsprogramm „Crashkurs Hessen“ wurde 2025 flächendeckend in Hessen eingeführt. Das Programm richtet sich an Schüler zwischen 16 und 24 Jahren. Bei diesen Veranstaltungen berichten Rettungskräfte live von ihren Erfahrungen mit schweren Unfällen. „Echte Erfahrungen und echte Bilder“ statt Belehrung, fasste eine Beamtin zusammen.

Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU, l) und der Leiter der Kontrolleinheit Raser, Poser, Tuner, Jochen Wirth (r) sprechen unter einer Hebebühne über illegale  Manipulationen. Sandra Trauner/dpa

Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU, l) und der Leiter der Kontrolleinheit Raser, Poser, Tuner, Jochen Wirth (r) sprechen unter einer Hebebühne über illegale Manipulationen. Sandra Trauner/dpa

© Sandra Trauner/dpa

  • Eine Kontrollgruppe kümmert sich um Raser, Poser und Tuner, die ihr Auto auf illegale Weise manipulieren. Der Leiter der Kontrollgruppe, Jochen Wirth, zeigte dem Minister im Hof des Frankfurter Polizeipräsidiums, wie das konkret aussieht. 
  • Bei E-Scootern setzt die Polizei laut Poseck auf eine „Drei-E-Strategie“: straßenbauliche Maßnahmen (Engineering), polizeiliche Maßnahmen (Enforcement) und Aufklärung (Education). 
  • Bei „Blitz For Kids“ gibt es Geschwindigkeitskontrollen vor Schulen. Dazu kommen Jugendverkehrsschulen für die Fahrrad-Ausbildung.
Die Kontrolleinheit Raser, Poser, Tuner der Frankfurter Polizei kann sich im Frankfurter Polizeipräsidium Autos auch von unten ansehen. Sandra Trauner/dpa

Die Kontrolleinheit Raser, Poser, Tuner der Frankfurter Polizei kann sich im Frankfurter Polizeipräsidium Autos auch von unten ansehen. Sandra Trauner/dpa

© Sandra Trauner/dpa