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Impfstoffwerk in Dresden soll schließen – 650 Jobs in Gefahr

Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline will seinen traditionsreichen Standort in Dresden bis Sommer 2028 schließen. Weltweit geht die Nachfrage nach Impfstoff zurück. Wie es jetzt weitergeht.

10.09.2026

Im Serumwerk von GSK in Dresden wackeln rund 650 Jobs. Robert Michael/dpa

Im Serumwerk von GSK in Dresden wackeln rund 650 Jobs. Robert Michael/dpa

© Robert Michael/dpa

Nach 115 Jahren steht die Impfstoffproduktion in Dresden vor dem Aus. Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) will seinen Standort in Dresden mit knapp 650 Mitarbeitern bis zum Sommer 2028 schließen. Die Produktion von Grippeimpfstoffen soll künftig im kanadischen Standort Ste-Foy gebündelt werden, wie ein Unternehmenssprecher mitteilte. Grund sei die weltweit rückläufige Nachfrage sowie bestehende Überkapazitäten. Der Unternehmer Karl August Lingner, der mit dem Mundwasser Odol reich wurde, hatte das Sächsische Serumwerk 1911 gegründet. Es ist der Ursprung des heutigen GSK-Werks.

Das Unternehmen verpflichte sich, eng mit dem Dresdner Betriebsrat und allen Mitarbeitenden zusammenzuarbeiten und maßgeschneiderte Unterstützungsmaßnahmen bereitzustellen, hieß es. Ziel sei es, die Auswirkungen auf die Beschäftigten zu mildern. „Uns ist bewusst, dass das sehr schwere Nachrichten für unsere engagierten Kolleginnen und Kollegen in Dresden sind“, so das Unternehmen. 

Gewerkschaft kündigt Widerstand an

Die Gewerkschaft IGBCE kündigte entschiedenen Widerstand an. Mit der Schließung droht Sachsen hoch qualifizierte Industriearbeitsplätze und Deutschland wichtige pharmazeutische Produktionskompetenz zu verlieren, wie die Gewerkschaft mitteilte. „Diese Nachricht trifft uns bis ins Mark“, sagte Peter Mißbach, Betriebsratsvorsitzender am GSK-Standort Dresden. „Wir werden geschlossen, laut und entschlossen für unsere Arbeitsplätze kämpfen.“

Für Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter kam die Ankündigung des Unternehmens überraschend. Der Freistaat habe sich in den vergangenen Jahren zu einer der dynamischsten Biotechnologie-Regionen Deutschlands entwickelt, so der SPD-Politiker. Er verwies auf Dresden als Standort mit langer Tradition. Die Staatsregierung werde nun das Gespräch mit Unternehmensleitung und Beschäftigten suchen, hieß es. 

CDU-Europapolitiker Oliver Schenk will die Pläne gegenüber der Europäischen Union ansprechen. „Wir arbeiten mit dem Critical Medicines Act gerade daran, die Arzneimittel- und Impfstoffproduktion in Europa zu stärken und unsere Abhängigkeit von Drittstaaten zu verringern. Wir können nicht über pharmazeutische Souveränität und Versorgungssicherheit reden und gleichzeitig bestehende Produktionskapazitäten und jahrzehntelanges Know-how in Europa verlieren“, stellte Schenk klar. Stadt, Freistaat, Bund und Europa müssten gemeinsam mit GSK prüfen, ob und welche Perspektive es für den Standort Dresden gibt. 

Impfstoffe gegen Grippe und Hepatitis

GSK produziert im Dresdner Werk Impfstoffe gegen Grippe und Hepatitis. Nach früheren Angaben des Unternehmens werden pro Woche zwei Millionen Impfdosen produziert. Deutschland bleibe für GSK ein wichtiger Markt und ein bedeutender Standort innerhalb des Unternehmens, hieß es. Es werde sichergestellt, dass Patienten weiterhin den Zugang zu den Impfstoffen hätten.

Laut IG BCE sind mit der geplanten Schließung des Werks von GlaxoSmithKline inzwischen in Sachsen 4.250 Arbeitsplätze in der Branche verloren gegangen. „Das zeigt, wie dramatisch die Lage geworden ist“, so Philipp Zirzow, Bezirksleiter der IG BCE Bezirk Sachsen. Die Gewerkschaft forderte das Unternehmen auf, die Schließungspläne auszusetzen, die Entscheidungsgrundlagen offenzulegen und mit Betriebsrat und Gewerkschaft ernsthaft über Alternativen zu verhandeln. Von Bund und Freistaat werde ein gemeinsamer Standortgipfel erwartet.