dpa

Illegale Zigarettenfabrik - Vier Verdächtige in U-Haft

30 Millionen Zigaretten, 40 Tonnen Tabak: In einer umgebauten Halle lief die illegale Produktion auf Hochtouren – Arbeiter lebten dort unter fragwürdigen Bedingungen.

09.02.2026

Ein Zöllner steht vor einem mit Zigaretten beladenem Lkw.Zoll Hannover/dpa

Ein Zöllner steht vor einem mit Zigaretten beladenem Lkw.Zoll Hannover/dpa

© Zoll Hannover/dpa

Nach der Entdeckung einer illegal betriebenen Zigarettenfabrik ist gegen drei Männer im Alter von 39 bis 56 Jahren und eine 31-jährige Frau Untersuchungshaft angeordnet worden. In der Halle in der Stadt Kalbe (Milde) im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt stellten die Zollfahnder unter anderem Produktions- und Verpackungsmaschinen sicher, wie das Zollfahndungsamt Hannover mitteilte.

Ermittler finden 30 Millionen Zigaretten und 40 Tonnen Tabak

Die Ermittler stellten am Freitag demnach auch rund 30 Millionen fertige Zigaretten sowie mindestens 40 Tonnen Tabakfeinschnitt sicher. Außerdem seien große Mengen Vormaterial wie Filter, Hülsen und Verpackungen gefunden worden. Die Beweissicherung und der Abtransport der Anlage dauerten an.

Die vier Verdächtigen sollen für die Transportlogistik zuständig gewesen sein. In der Halle seien beim Zugriff keine weiteren Personen angetroffen worden, teilte der Zoll mit.

Nach Angaben der Ermittler war die Halle für die illegale Herstellung aufwendig umgebaut worden: Fenster seien abgeklebt und eine Geräuschdämmung installiert worden, um die Produktion nach außen abzuschirmen. Zudem habe es eine Videoüberwachung gegeben.

Die in der Halle eingesetzten Arbeiter – mutmaßlich bis zu zwölf Personen – seien den bisherigen Erkenntnissen nach über einen längeren Zeitraum hinweg unter „fragwürdigen Lebensbedingungen“ in den Räumlichkeiten eingeschlossen gewesen. Dies sollte sicherstellen, im Umfeld und in der Nachbarschaft der Produktionsanlage keine Aufmerksamkeit zu erregen.

Dennhardt: „Hygienisch unhaltbare Produktionsbedingungen“

Die Leiterin des Zollfahndungsamtes Hannover, Monika Dennhardt, sagte: „Allein der industrielle Maßstab der durch uns aufgedeckten illegalen Zigarettenproduktion in Kalbe zeigt, dass wir es hier mit Organisierter Kriminalität zu tun haben.“ Der Steuerschaden treffe am Ende die Allgemeinheit, da Einnahmen für staatliche Aufgaben fehlten.

Dennhardt warnte vor den gesundheitlichen Folgen des Konsums von Tabakwaren aus illegaler Produktion. „In diesem Fall stießen unsere Einsatzkräfte auf hygienisch unhaltbare Produktionsbedingungen“, sagte sie.

Steuerschaden liegt bei vielen Millionen Euro

Vor dem Zugriff am Freitag hatten Zollbeamte des Hauptzollamts Bielefeld auf der Autobahn 2 bei Auetal in Niedersachsen einen Lastwagen kontrolliert. Dabei wurden rund zwölf Millionen Zigaretten beschlagnahmt. Der Steuerschaden durch die – mutmaßlich gefälschten – Zigaretten liegt den Angaben zufolge bei mehr als acht Millionen Euro.

Die Ermittlungen des Zollfahndungsamtes im Auftrag der Staatsanwaltschaft Bielefeld laufen. In Bielefeld sitzt die Schwerpunktabteilung für besonders umfangreiche Wirtschaftsstrafsachen und herausgehobene Verfahren der Organisierten Kriminalität.