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Hunderte Menschen haben Geschlechtseintrag ändern lassen

Seit zwei Jahren ermöglicht das Selbstbestimmungsgesetz einen vereinfachten Wechsel des Geschlechtseintrags. In Thüringen haben Hunderte davon Gebrauch gemacht. Wie hat sich das Interesse entwickelt?

31.10.2026

Hunderte Menschen in Thüringen haben ihren Geschlechtseintrag ändern lassen. (Symbolbild)Hannes P Albert/dpa

Hunderte Menschen in Thüringen haben ihren Geschlechtseintrag ändern lassen. (Symbolbild)Hannes P Albert/dpa

© Hannes P Albert/dpa

Hunderte Menschen in Thüringen haben seit Inkrafttreten des Selbstbestimmungsgesetzes vor zwei Jahren ihren Geschlechtseintrag ändern lassen. Alleine in den Städten Erfurt, Jena, Gera, Weimar, Suhl, Ilmenau und Mühlhausen waren es 570 Änderungen, wie eine Abfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Nach einem Run zu Beginn hat das Interesse an einer Änderung den Zahlen zufolge aber zuletzt nachgelassen. 

So wurden beispielsweise in Jena im ersten Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes am 1. November 2024 87 Änderungen des Geschlechtseintrags verzeichnet. Im zweiten Jahr waren es demnach nur noch 36. Auch in Weimar waren es im ersten Jahr mehr als doppelt so viele Fälle wie im zweiten Jahr. Und in Erfurt gab es im November und Dezember 2024 einen ersten Ansturm mit 66 Änderungen. Im bisherigen Jahr 2026 waren es hingegen nur 30. 

Seit Inkrafttreten des Selbstbestimmungsgesetzes können Menschen relativ einfach über eine Erklärung beim Standesamt ihren Geschlechtseintrag und ihren Vornamen ändern lassen. Anmelden müssen sie dies drei Monate im Voraus. Mit dem zuvor geltenden umstrittenen Transsexuellengesetz war für Betroffene über 40 Jahre lang eine langwierige und kostspielige Prozedur mit Gutachten und Gerichtsbeschlüssen verbunden. 

Es gab auch Diskussionen 

Der Bundesverband Trans* hatte von einem Nachholeffekt in der Anfangszeit gesprochen. Demnach hätten viele trans- und nicht-binäre Menschen auf das Selbstbestimmungsgesetz und die damit verbundene Abschaffung von Begutachtung und Gerichtsverfahren gewartet. Die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch, hatte zuletzt gesagt, das Gesetz habe sich bewährt und viele Erleichterungen gebracht. 

Allerdings hatte es zuletzt auch Diskussionen gegeben. Auslöser war der Fall von Neonazi Marla Svenja Liebich. In dem Fall hatte Liebich seinen Geschlechtseintrag von männlich auf weiblich und den Namen von Sven auf Marla Svenja geändert. Kritiker sprachen von einem Missbrauch des Selbstbestimmungsgesetzes. Vor diesem Hintergrund drängten die Justizminister der Länder im Sommer auf eine Nachschärfung des Gesetzes, um Missbrauch zu erschweren.