Holocaust-Überlebende Melmed spricht vor Hamburgs Parlament
Die Hamburgische Bürgerschaft erinnert an die Befreiung vom Nationalsozialismus und das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 81 Jahren. Im Zentrum stand die Holocaust-Überlebende Helga Melmed.
„Demokratie ist zerbrechlich„, warnt die Holocaust-Überlebende Helga Melmed (r) bei einer Gedenkstunde, Parlamentspräsidentin Carola Veit (l) sieht Demokratien bereits bedroht.Ulrich Perrey/dpa
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Die Hamburgische Bürgerschaft hat bei einer Feierstunde vor Beginn der Parlamentssitzung an die Befreiung vom Nationalsozialismus und das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa vor 81 Jahren erinnert. Im Mittelpunkt stand die Holocaust-Überlebende Helga Melmed, die als Kind deportiert wurde und mehrere Konzentrationslager, darunter auch das KZ Neuengamme, überlebte. Ihre Eltern wurden im Ghetto Lodz ermordet. Melmeds Geschichte steht nach Angaben der Bürgerschaftskanzlei stellvertretend für das Schicksal vieler Opfer des Nationalsozialismus.
Melmed: „Demokratie ist zerbrechlich“
„Demokratie ist zerbrechlich“, warnte die 98 Jahre alte Holocaustüberlebende, die als 17-Jährige bei ihrer Befreiung aus dem KZ nur noch 20 Kilogramm wog. Damit die Demokratie ihr volles Potenzial entfalten könne, brauche es Werte wie Ehrlichkeit, Vertrauen und Anständigkeit. „Und es braucht Gesetze, um die Freiheit für alle zu schützen.“ Ohne Gesetze und vor allem ohne klare Verantwortlichkeiten verwandele sich Freiheit in Chaos. „Deshalb fordere ich Sie alle auf, kluge Entscheidungen zu treffen“, sagte die heute in Florida lebende Melmed in Richtung der Parlamentarier von SPD, Grünen, CDU und Linken. Die AfD-Fraktion war nicht zur Gedenkstunde erschienen.
„Wir trauern um alle Opfer des Naziterrors, davon sechs Millionen jüdische Menschen“, sagte Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit. 81 Jahre später sei die Demokratie, „sind unsere grundgesetzverankerten Werte und Überzeugungen wieder bedroht, von innen und außen“. Weltweit stürzten Autokraten die Welt wieder in Unordnung. Nationalismus, Antisemitismus, Rassismus und Verschwörungserzählungen nähmen auch in Deutschland zu.
Veit: „Teile der Gesellschaft scheinen zu verrohen“
„Und erneut scheint es vielen als gangbarer Ausweg zu aktuellen Problemen, weit nach rechts zu driften und entsprechend zu wählen.“ Der jahrzehntelange Konsens, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen, bröckele, warnte Veit. „Teile der Gesellschaft scheinen zu verrohen, und gerade deshalb ist Gedenkarbeit heute wichtiger denn je.“
Der 8. Mai 1945 markiert das Ende des Zweiten Weltkriegs, die bedingungslose Kapitulation Deutschlands und die Befreiung zahlloser Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft. Das Datum stehe aber genauso für den Aufbruch Deutschlands in die heutige freiheitlich-demokratische Grundordnung, erklärte die Bürgerschaft. Mit dem Gedenken würdige die Bürgerschaft die Befreienden und erinnere an die Opfer. Zugleich unterstreiche sie die Verantwortung, die Erinnerung wachzuhalten und die demokratischen Werte zu schützen.