Hitzewelle trifft Wildvögel – Nabu fordert Landeskonzept
Bis zu 60 Grad in Nistplätzen: Viele Jungvögel geraten durch die Hitze in Not - und stürzen aus dem Nest. Warum der Nabu dringend eine bessere Finanzierung für Auffangstationen verlangt.
Die Hitze macht den Wildvögeln zu schaffen. (Symbolfoto) Boris Roessler/dpa
© Boris Roessler/dpa
Die erneute Hitze setzt nach Angaben des Naturschutzbunds (Nabu) auch Wildvögeln zu. Weil sich Nester unter Dächern stark aufheizen und Jungvögel aus ihnen stürzen, fordert der Verband vom Land Baden-Württemberg ein seit Jahren angekündigtes Landeskonzept für Wildtierauffangstationen.
Laut Nabu sind derzeit vor allem Spät- und Drittbruten von Gebäudebrütern wie Mauerseglern, Schwalben und Haussperlingen betroffen. Ihre Nistplätze unter Dächern und in Gebäudenischen könnten sich auf bis zu 60 Grad aufheizen. Viele noch nicht flugfähige Jungvögel verließen deshalb ihre Nester panisch und stürzten zu Boden.
Auffangstationen überlastet
Die Folgen seien in den Auffangstationen deutlich spürbar. Allein im Nabu-Vogelschutzzentrum Mössingen seien an einem Tag 60 hilfsbedürftige Mauersegler, Schwalben und Spatzen abgegeben worden. Einen Tag später habe die Einrichtung wegen Überlastung einen Aufnahmestopp verhängen müssen.
Nach Angaben des Nabu arbeiten die wenigen Wildtierauffangstationen im Land überwiegend ehrenamtlich und sind dauerhaft überlastet. Der Verband fordert deshalb das seit rund zehn Jahren diskutierte Landeskonzept für Wildtierauffangstationen. Dieses müsse anerkannte Pflegestationen besser vernetzen, klare Zuständigkeiten schaffen, eine landesweite Anlaufstelle vorsehen und eine verlässliche Finanzierung sicherstellen. Laut Umweltministerium wird an dem Thema gearbeitet.
Heute steuert die aktuelle Hitzewelle auf ihren Höhepunkt zu. Der Deutsche Wetterdienst rechnet mit bis zu 39 Grad am Oberrhein. Am Wochenende sollen die Temperaturen dann wieder etwas fallen.
Nach Angaben des Nabu ist die Hitze allerdings nur einer von mehreren Belastungsfaktoren für Wildvögel. Hinzu kämen unter anderem der Mangel an Insekten als Nahrungsquelle, fehlende Brutplätze sowie Gefahren durch den Straßenverkehr.