Hitze setzt Kommunen unter Druck - mehr kühle Zufluchtsorte?
Wetterextreme wie die Rekordhitze der vergangenen Woche stellen Hessens Kommunen vor Herausforderungen. Welche Maßnahmen jetzt diskutiert werden.
Die Anpassung an Hitzewellen ist zur wichtigen Aufgabe für Hessens Kommunen geworden. Andreas Arnold/dpa
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Straßenschäden, mancherorts Wassermangel und Rettungsdienste teils am Limit - die Rekordhitze hat Hessens Städte und Gemeinden auf die Belastungsprobe gestellt. Auch wenn sich Land und Kommunen mit Hitzeaktionsplänen rüsten, haben die Extrem-Temperaturen gezeigt, dass die Zeit drängt. Was hat die Hitzewelle offengelegt - und welche Lösungen werden diskutiert?
Notunterkünfte im Gespräch
„Hitze in diesem Ausmaß ist ein Stresstest für viele Teile kommunaler Infrastruktur“, erklärte der Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, David Rauber. Neben Schäden an Straßen und Brücken verwies er auch auf Belastungen für Beschäftigte und Kunden in kommunalen Einrichtungen - von Kitas über Büchereien bis hin zu den Rathäusern.
Insgesamt seien die Kommunen „den Umständen entsprechend gut“ durch die Hitze gekommen, erklärte Rauber. Zugleich werde geprüft, was zusätzlich zur Anpassung an Hitzewellen nötig sei. Dazu gehörten Überlegungen, mehr kühle Aufenthaltsorte als eine Art Notunterkünfte zu schaffen.
Risiko von Vegetationsbränden ein Fokus
Auch die Gefahr von Vegetationsbränden steige und sei ein Thema für die Kommunen. Hier sei die Vorsorge gestärkt worden, erklärte Rauber. Auch Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) mahnte, anhaltende Hitze und Trockenheit ließen die Gefahr von Wald- und Vegetationsbränden deutlich steigen.
„Entscheidend ist, dass unsere Kommunen und ihre Feuerwehren bestmöglich ausgestattet sind“, so Poseck. Das Land Hessen unterstütze sie deshalb mit erheblichen Mitteln. Allein über die Brandschutzförderung seien das im vergangenen Jahr mehr als 21 Millionen Euro gewesen.
Notfallrettung in Frankfurt „im Ausnahmezustand“
In Frankfurt hatte die Notfallrettung am Hitze-Wochenende deutlich mehr zu tun und schon vorab Kapazitäten erhöht. Am Samstag und Sonntag seien jeweils mehr als 500 Rettungsdiensteinsätze angefallen, sagte Direktor Markus Röck von der Branddirektion. „Im Durchschnitt verzeichnen wir rund 350 Rettungsdiensteinsätze pro Tag.“
Auch am Montag lagen die Zahlen demnach über dem, was man mit vorgeplanten Einsatzkräften leisten könne. Es sei gelungen, die hohen Zahlen in Kooperation bestmöglich aufzufangen. „Aber wir müssen es ganz deutlich sagen: Die Notfallrettung ist im Ausnahmezustand.“ Technisch und personell komme man derzeit an Grenzen.
Und wie blickt man auf künftige Hitzewellen? Natürlich ziehe man Schlüsse aus diesem Wochenende, sagte eine Sprecherin. Die Stadt versuche, möglichst gut zu planen und etwa mehr Einsatzwagen vorzuhalten. Aber man appelliere auch an die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger. „Sie können uns helfen, indem sie gut auf sich achten, indem genug getrunken wird, indem aktiv kühle Orte aufgesucht werden.“
Zudem solle der Notruf wirklich nur in lebensbedrohlichen Notfällen gewählt werden. Von der Stadt Frankfurt hieß es auf Anfrage mit Blick auf das Ziel einer klimaresilienten Stadt: „Aus der aktuellen Hitzewelle nehmen wir vor allem mit, dass Umsetzungsgeschwindigkeit und räumliche Priorisierung noch wichtiger werden.“
Straßenschäden auch in Gießen
Auch in Gießen kam es durch die Hitze zu Straßenschäden, wie ein Sprecher sagte. Die Stadt hatte beim Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe wie Rüsselsheim und Hanau eine Rote Karte bekommen. Nennenswerte Brände seien nicht bekannt; zu medizinischen Notfällen könne er nichts sagen.
Gießen mit seinen fünf Stadtteilen sei dicht besiedelt und kompakt bebaut und stehe auch deshalb weniger günstig im Hitze-Check da als andere Städte. Für Abkühlung sorgten in der Innenstadt mehrere Trinkwasserbrunnen, die rege genutzt würden und auch Menschen ohne festen Wohnsitz zur Verfügung stünden. Ein „Cooler Stadtplan“ weise zudem auf kühle Orte hin - vom Botanischen Garten bis zu bestimmten Kirchen.
Verbrennungen an Bäumen
Zum Hitzeschutz dient auch das Pflanzen von Bäumen und sogenanntem Straßenbegleitgrün - doch auch hier hat die Hitzewelle deutliche Spuren hinterlassen, wie Matthias Wieliki, Fachbereichsleiter Zentrale Steuerung der Stadt Bad Nauheim, sagte. Dort war am Samstag mit 41,3 Grad laut Deutschem Wetterdienst der hessische Hitze-Rekord gemessen worden. An Bäumen zeigten sich nun teils Verbrennungen an Blättern, Astbruch und Wuchsdepressionen, sagte Wieliki. Teils müsse man auch einen Totalausfall von Neupflanzungen beklagen.
Die Stadt erarbeite derzeit einen speziellen Hitzeaktionsplan für Kitas. Im Rahmen der Krisenvorsorge seien außerdem Themen wie Notzapfstellen für Wasser sowie die Schaffung kühler Orte bereits in der Umsetzung beziehungsweise im Gespräch.
Öffnung klimatisierter Gebäude und Hitzetelefon in Offenbach
Kühle Orte vor allem für sogenannte vulnerable Gruppen wie ältere oder vorerkrankte Menschen - das hat Offenbach in der zurückliegenden Hitzeperiode bereits umgesetzt. Von diesem Mittwoch an werde es außerdem ein Hitzetelefon für ältere Menschen geben, erklärte die Stadt. Wie in anderen Kommunen bestehe weiterer Handlungsbedarf von der Wasserversorgung bis zur Temperatur im Klassenzimmer, um die Stadt auf extreme Hitze noch besser vorzubereiten.
Ein bereits in der vergangenen Woche einberufener Krisenstab werde auch in dieser Woche über mögliche Vorbereitungen auf künftige Hitzewellen beraten und Maßnahmen veranlassen. „Das Zusammentreffen von extremer Hitze sehr früh im Jahr (schon im Juni, vor den Sommerferien) verbunden mit den höchsten jemals gemessenen Temperaturen (DWD) sowohl am Tag als auch in den tropischen Nächten wird kein Einzelfall bleiben.“