Hitze im Norden - volle Strände und teils Kreislaufprobleme
Wer kann, lässt es bei der Hitze ruhig angehen und sucht das Wasser. Einige Veranstaltungen sind ohnehin abgesagt. Hamburgs Feuerwehr berichtet von mehr Einsätzen und ein Rettungsschwimmer gibt Tipps.
Ein Strandkorb oder zumindest ein Sonnenschirm ist viel wert bei den hohen Temperaturen.Stefan Sauer/dpa
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Abgesagte Veranstaltungen, dafür volle Strände - die Hitze treibt die Menschen im Norden ans Wasser. Der Strand sei „brechend voll“, sagte am Samstagmittag etwa Lukas Reuter von der DLRG-Ortsgruppe Haffkrug-Scharbeutz. „Zumindest in den Kernorten Timmendorfer Strand und Scharbeutz ist es wirklich voll.“
Anders sah es am frühen Nachmittag am Hamburger Elbstrand in Övelgönne aus. Teils gähnende Leere herrschte dort. Wer doch dort war, suchte den Schatten oder die Nähe zum Wasser.
Unterdessen verzeichnete die Hamburger Feuerwehr nach Angaben eines Sprechers eine deutlich erhöhte Anzahl an Rettungseinsätzen und wappnet sich mit zusätzlichen Kräften gegen die Auswirkungen der Hitze.
Mehr Rettungswagen benötigt
Es werde auch auf Rettungswagen von Hilfsorganisationen wie etwa des DRK oder des Arbeiter-Samariter-Bundes zurückgegriffen. Intern habe man zudem Ressourcen aus dem Bereich Brandschutz abgezogen und hierfür Freiwillige Feuerwehren eingebunden. Zudem sei die Anweisung herausgeben worden, dass Rettungswagen möglichst immer mit Blaulicht fahren sollten, auch leer, damit sie schnell wieder bei den Wachen und einsatzbereit seien.
Die Feuerwehr verzeichnete bis zum späten Nachmittag schon mehr als 1.000 Einsätze. Normalerweise habe man rund 1.000 Einsätze binnen 24 Stunden. Das Aufkommen sei definitiv höher. Dazu tragen demnach auch Notfalleinsätze wegen der Hitze bei. Die notfallmedizinische Versorgung sei aber gesichert.
„Es ist absolutes Badewetter“
Auch Reuter berichtete statt von Badenotfällen eher von medizinischen Notfällen in Form von Kreislaufproblemen wegen der Hitze. „Ansonsten viele kleine Erste-Hilfe-Leistungen, also Pflaster kleben und so.“ Es gebe keine besonderen Strömungen. „Es ist absolutes Badewetter.“
Wegen der Hitze wird es voll an der Ostsee.Stefan Sauer/dpa
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In Warnemünde freute sich Strandkorbvermieter Alexander Fritz: „Die aktuelle Situation ist exzellent.“ Zu seiner Ware sagte er: „Das ist jetzt im Augenblick wirklich das begehrteste Gut.“ Durch die Reservierungen sei er schon mit 90-prozentiger Auslastung in den Tag gestartet. Besonders beliebt bei Strandbesuchern war laut Fritz auch der Strandbereich dicht am Wasser vor den Strandkörben.
Auch der Strand in Binz auf Rügen war nach Angaben der dortigen Rettungsschwimmer gegen Mittag voll - trotz An- und Abreisetag. Bereits um 9.00 Uhr morgens habe die Lufttemperatur 27 und die Wassertemperatur 20 Grad betragen.
Im Wasser stehen und Schiffe gucken
In Kiel verfolgten nach Veranstalterangaben rund 185.000 Menschen an den Stränden die Windjammerparade der Kieler Woche. „Auf dem Wasser ist es, glaube ich, der kühlste Fleck, gerade bei den Temperaturen“, sagte eine Stadtsprecherin der Deutschen Presse-Agentur angesichts der Hitze. Und so befanden sich zahlreiche Boote mit Zuschauern auf dem Wasser. Andere verfolgten das Spektakel mit mehr als 50 Traditionsschiffen in Badehose im Wasser stehend.
Schiffe gucken in Badehose - das ging in Kiel besonders gut.Frank Molter/dpa
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Viele Veranstaltungen im Norden waren wegen der Hitze abgesagt, verschoben oder zumindest angepasst worden. So wurde der eigentlich für Sonntag vorgesehene Hamburger Halbmarathon auf einen noch unbekannten Termin verschoben.
Für das am Samstagabend auf dem Hamburger Heiligengeistfeld geplante Konzert von Techno-Legende Paul Kalkbrenner mit knapp 20.000 erwarteten Zuschauern wurde das Vorprogramm abgesagt und die Einlasszeit nach hinten verlegt. In Mecklenburg-Vorpommern wurden etwa die eigentlich für das Wochenende in Neubrandenburg geplanten Jugendsportspiele abgesagt.
Freibäder: Schlange, aber keine Rekordzahlen
Der Andrang auf die Freibäder in Hamburg hielt sich zunächst weitgehend in Grenzen. Wie der Sprecher von Bäderland mitteilte, war am Samstag zwar deutlich mehr los als noch in den vergangenen Tagen - von Rekordzahlen könne man jedoch in keinem der Bäder sprechen.
Dass Besucher und Besucherinnen beim beliebten Kaifubad oder dem Naturbad Stadtparksee besonders zu Stoßzeiten einige Minuten warten müssten, passiere zwar regelmäßig, einen richtigen Einlassstopp habe es weder heute noch in der vergangenen Woche gegeben. Vor dem Kaifubad in Eimsbüttel hatte sich bereits am Samstagvormittag eine lange Schlange gebildet.
Am Elbstrand in Övelgönne war noch reichlich Platz.Benjamin Haller/dpa
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Kühle Abwechslungen boten etwa Kirchen. Bei einer Konfirmation in Hamburg-Eimsbüttel dienten Programmblätter als Fächer, gleich am Eingang wurde Wasser gereicht. Nach Angaben eines Schweriner Spielzeugladens standen dort Wasserpistolen zuletzt hoch im Kurs.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte Höchstwerte von 30 bis 34 Grad für Schleswig-Holstein, 38 Grad für Hamburg und 29 bis 39 Grad für Mecklenburg-Vorpommern für Samstag vorhergesagt. Ab dem Nachmittag droht demnach Unwettergefahr mit Hitzegewittern im Norden: Hagel, Starkregen und schwere Sturmböen sind demnach möglich.
Rettungsschwimmer gibt Tipps
Neben Sonnenschein bleibt es demnach am Sonntag weiter gewittrig bei Höchstwerten von 30 bis 35 Grad in Schleswig-Holstein und Hamburg und 34 bis 39 Grad in Mecklenburg-Vorpommern.
Für Strandbesucher hatte Rettungsschwimmer Reuter noch ein paar Tipps: Die Menschen sollten langsam ins Wasser gehen und sich dabei abkühlen, um nicht den Kreislauf zu überfordern. Wichtig sei zudem, ausreichend zu trinken. Außerdem appellierte er angesichts voller Strände an Eltern, dass sie auf ihre Kinder achten „und das Handy mal weglegen vielleicht“. Ein paar Kinder habe man schon suchen müssen, aber auch wiedergefunden. Er empfahl zudem den Strandticker, der unter anderem über die Auslastung der Strandabschnitte der inneren Lübecker Bucht informiert.
Schattenspende Strandkörbe sind gefragt.Stefan Sauer/dpa
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