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Es soll schneller vom Labor an die Werkbank gehen

Damit neue Technologien den Weg in die Praxis finden, müssen zig Räder ineinander greifen. Am Ende kann wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Erfolg stehen. Wie Rheinland-Pfalz das fördern will.

21.10.2026

Die Minister Hoch (links) und Ebling schauten sich einige konkrete Beispiele für die Anwendung neuer Technologien an, etwa Teile eines ultraleichten Fahrzeugs der Hochschule Trier. Hannes P. Albert/dpa

Die Minister Hoch (links) und Ebling schauten sich einige konkrete Beispiele für die Anwendung neuer Technologien an, etwa Teile eines ultraleichten Fahrzeugs der Hochschule Trier. Hannes P. Albert/dpa

© Hannes P. Albert/dpa

Wo die Vergangenheit noch atmet, soll die Zukunft eingeläutet werden: In der Turbinenhalle der alten Waggonfabrik in Mainz haben das rheinland-pfälzische Wissenschafts- und das Wirtschaftsministerium gemeinsam den Startschuss für eine Hightech-Agenda des Landes gegeben. Ziel des Ganzen ist es, neue Technologien schneller in die Umsetzung zu bringen und so wirtschaftliche Wertschöpfung zu kreieren. 

Bei der Auftaktveranstaltung auf dem alten Industrieareal im Mainzer Stadtteil Mombach wurden abseits der Worte von Wissenschaftsminister Clemens Hoch und Wirtschaftsminister Michael Ebling (beide SPD) Beispiele präsentiert, bei denen neue Technologie schon jetzt angewandt wird. Genau das soll künftig noch häufiger und vor allem schneller gelingen. 

Ergänzung zur Agenda auf Bundesebene 

Die Agenda auf Landesebene sei gedacht als eine Ergänzung zur existierenden Agenda auf Bundesebene, erklärte Hoch. Diese soll die Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und technologische Souveränität Deutschlands fördern, so heißt es von der Bundesregierung. Rheinland-Pfalz wolle zeigen, dass es das auch könne, sagte Hoch - „und vieles davon besser“.

Allein das Wirtschaftsminister Ebling (links) und Wissenschaftsminister Hoch die Agenda gemeinsam vorstellten, sollte ein Zeichen sein. Hannes P. Albert/dpa

Allein das Wirtschaftsminister Ebling (links) und Wissenschaftsminister Hoch die Agenda gemeinsam vorstellten, sollte ein Zeichen sein. Hannes P. Albert/dpa

© Hannes P. Albert/dpa

Ebling ergänzte, vielleicht gelinge es hierzulande, manche Fehler nicht zu wiederholen. Der Bund habe etwa die Pharmabranche als Schlüsselindustrie ausgemacht und sie später bei der Finanzierung des Gesundheitssystems belastet. Wichtig sei grundsätzlich, Stärke von Forschung und Stärke von Wirtschaft zusammenzudenken. Schwerpunkte der rheinland-pfälzischen Agenda sollen etwa die Biotechnologie, Künstliche Intelligenz (KI) sowie Quantencomputing werden. 

Von Supraleiter bis Ultraleicht-Fahrzeug

Zu Vorzeigebeispielen, die sich bei der Auftaktveranstaltung zeigten, gehörte etwa eine automatisierte Plattform zur Analyse von Herzmuskelgewebe. Sie kann für die Entwicklung von Therapien genutzt werden, kann Tierversuche überflüssig machen und den Weg hin zu neuen Behandlungen verkürzen, weil schon in einem frühen Stadium mit Humangewebe gearbeitet wird. 

Zu sehen waren auch ein ultraleichtes Forschungs- und Lehrfahrzeug der Hochschule Trier, das seit längerem für die Entwicklung energieeffizienter Mobilitätslösungen genutzt wird oder ein sogenannter Supraleiter für eine effiziente Energieübertragung. Die kann wiederum bei energieintensiven Industrieprozessen oder in Datencentern eine große Rolle spielen. 

Eine ganze Reihe an Firmen und Institutionen präsentierten sich bei der Auftaktveranstaltung der Hightech-Agenda. Hannes P. Albert/dpa

Eine ganze Reihe an Firmen und Institutionen präsentierten sich bei der Auftaktveranstaltung der Hightech-Agenda. Hannes P. Albert/dpa

© Hannes P. Albert/dpa

Das Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe stellte einen smarten Wasserstofftank vor, der einmal in unbemannten Drohnen zum Einsatz kommen könnte. Zu sehen gab es auch eine modular aufgebaute Robotik-Produktionszelle. Sie kann für spezifische Aufgaben in der Fertigung angepasst werden und Arbeitsschritte automatisiert übernehmen.

Klares Ziel formuliert

Bei der Hightech-Agenda, die auf Förderung, Beratung und Netzwerke setzt, gehe es darum, aus der starken wissenschaftlichen Basis im Land wirtschaftliche Stärke zu schöpfen, betonte Minister Ebling. In Rheinland-Pfalz mit seinen vielen mittelständischen und kleinen Firmen müsse am Ende alles auch im Handwerksbetrieb ankommen können. Ziel seien auch mehr Gründungen und Startups. „Daran wollen wir uns in Zukunft messen lassen.“ 

Dass auf dem Weg von der Forschung in die Anwendung Tempo zugelegt werden muss, unterstrich Madeleine Kuhl, kaufmännische Leiterin von Premosys, einem Hersteller von Messsystemen aus der Eifel. Sie begrüße die Agenda, sagte sie. Entscheidend sei jedoch, was am Ende dabei herauskomme. Es ist nicht die Technologie, an der es fehle. „Das Problem ist eher der Weg in den Markt.“ 

Mahnungen aus der Wirtschaft 

Unternehmen müssten nicht nur bei der Entwicklung von Ideen unterstützt werden, sondern auch bei den weiteren teuren Schritten hin zu einer größeren Produktion, forderte Kuhl. Den Punkt griff Ebling auf. Nötig sei ein besserer Zugang zu Wagniskapital. Es drehe sich auch um das Einwerben von privatem Kapital, ohne das sei es schwer, Ideen auch in größerem Format umzusetzen.

„Wir müssen schneller werden“, verlangte auch Albert Sickmann, Vizepräsident der Leibniz-Gemeinschaft. Nötig seien ein Abbau von Bürokratie, schlankere Zulassungsverfahren. Und es brauche Langatmigkeit, also Strategien über einzelne Legislaturperioden in der Politik hinaus. Kuhl verwies darauf, dass große Konzerne oft ganze Stabsstellen für Regulatorik hätten. Kleinere Unternehmen hätten das nicht und drohten dadurch ausgebremst zu werden.

Bei der weiteren Ausgestaltung der Agenda müsse die Wirtschaft eng eingebunden werden, fordert der Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Unternehmerverbände, Karsten Tacke. (Archivfoto) Jörg Halisch/dpa

Bei der weiteren Ausgestaltung der Agenda müsse die Wirtschaft eng eingebunden werden, fordert der Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Unternehmerverbände, Karsten Tacke. (Archivfoto) Jörg Halisch/dpa

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Der Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz (LVU), Karsten Tacke, sagte, bei der weiteren Ausgestaltung der Agenda müsse die Wirtschaft eng eingebunden werden. „Denn unsere Unternehmen wissen am besten, was sie brauchen, damit aus guten Ideen auch Investitionen und Arbeitsplätze werden.“ 

Dass die Landesregierung Forschung und Wirtschaft stärker zusammenbringen wolle, sei richtig, sagte Tacke. Firmen im Land entwickelten schon längst Lösungen für Dekarbonisierung und mehr Nachhaltigkeit. „Entscheidend ist, dass die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz dauerhaft davon profitiert.“ Dafür benötige es auch wettbewerbsfähige Energiepreise, die richtige Infrastruktur und Offenheit für neue Technologien.