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Hertha bleibt unruhig: Überraschungswahl und harte Worte

Hertha BSC zieht eine ernüchternde Saisonbilanz: Zu wenig Erfolg, zu wenig Geld, zu wenig Glück – Präsident Drescher fordert klare Konsequenzen. Überraschungen gibt es im Kontrollgremium.

26.04.2026

Hertha-Kapitän Fabian Reese spricht mit Schiedsrichter Robert Kampka. Andreas Gora/dpa

Hertha-Kapitän Fabian Reese spricht mit Schiedsrichter Robert Kampka. Andreas Gora/dpa

© Andreas Gora/dpa

Immerhin höflicher Applaus für Kapitän Fabian Reese und seine enttäuschten Zweitliga-Teamkollegen, aber eine schallende Ohrfeige für das bisherige Führungs-Duo im Aufsichtsrat. Hertha BSC bleibt für Überraschungen gut und hat mit der Abwahl seiner langjährigen Vereins-Kontrolleure für ein weiteres Kapitel in seiner bewegten Club-Historie gesorgt. 

In Torsten-Jörn Klein und Scott Körber wurden der Chef und sein Stellvertreter des Aufsichtsrates bei der Mitgliederversammlung abgewählt. Entscheidender Makel des Duos war deren Amtszeit in den desaströsen Jahren unter Ex-Investor Lars Windhorst. Einzig Ex-Profi Andreas Schmidt wurde im Amt bestätigt. 

Kontrolliert wird das Hertha-Präsidium nun von Tim Kauermann, Niklas Rotter, Schmidt und Rebecca Zenner. Das Quartett hat große Aufgaben, denn wirklich Ruhe gibt es bei der Hertha absehbar nicht, sportlich wie wirtschaftlich. Das spürte auch Publikumsliebling Reese. 

Kapitän Reese spricht zu Mitgliedern

Im hellblauen Trainingsoutfit stand er wie ein Musterschüler beim ungewohnten Rapport auf der Bühne im City Cube. Bei seiner kurzen Ansprache an die Hertha-Mitglieder fand der Kapitän dann fast schon entschuldigende Worte für die jüngsten sportlichen Enttäuschungen. 

„Ich möchte mich im Namen der Mannschaft für die Unterstützung in dieser Saison bei euch allen bedanken. Ich glaube, ihr und wir haben uns das anders vorgestellt diese Saison. Das ist einfach nun mal Fakt“, sagte Reese, bevor sich das Team zum Sonntags-Training begab.

Die rund 1.000 Mitglieder spendeten bei ihrer Jahresversammlung freundlichen, aber verhaltenen Applaus für Reese und seine Kollegen. Für Euphorie gibt es bei der Hertha bekanntlich wieder einmal keinen Anlass. Hertha BSC hat auch im Frühjahr 2026 von allem zu wenig. Zu wenig Geld, zu wenig Glück, zu wenig Erfolg.

Nur an Überraschungen mangelt es der Hertha weiterhin nicht. Bei der Wahl des Chefs des Aufsichtsrates setzte sich Kauermann klar gegen Amtsinhaber Klein durch. Der 41 Jahre alte Unternehmer, bisher für jeweils kurze Zeit Präsidiumsmitglied und Leiter Sanierung auf der Geschäftsstelle, punktete mit seinen Ideen des Wandels. Klein wurde von mehreren Mitgliedern sein Wirken in der Zeit von Ex-Investor Lars Windhorst vorgehalten. 

Saison „unbefriedigend“

Schon vor der Wahl hatte Vereinspräsident Fabian Drescher in seiner Ansprache die Gemütslage beim Hauptstadtclub zusammengefasst. „Sie war aus unserer Sicht unbefriedigend“, sagte der 43-Jährige über die noch laufende Spielzeit. Man sei den eigenen Ambitionen „hinterhergelaufen“. Gerade die Ergebnisse bei den Heimspielen hätten „einiges zu wünschen übriggelassen“, sagte Drescher am Tag nach dem 0:1 gegen Holstein Kiel. 

Die Berliner hatten die Rückkehr in die Bundesliga als Saisonziel ausgegeben. Bei noch drei ausstehenden Spielen ist der Aufstieg praktisch nicht mehr möglich. Nicht einmal in dieser Saison auf einem der ersten drei Plätze gestanden zu haben, sei nicht der Anspruch der Hertha, meinte Drescher. 

Hertha-Präsident Fabian Drescher ist mit der Saison der Berliner nicht zufrieden. (Archivbild).Matthias Koch/Sportfoto Matthias Koch./dpa

Hertha-Präsident Fabian Drescher ist mit der Saison der Berliner nicht zufrieden. (Archivbild).Matthias Koch/Sportfoto Matthias Koch./dpa

© Matthias Koch/Sportfoto Matthias Koch./dpa

„Diese Realität müssen wir klar benennen, ohne Beschönigung, ohne Ausflüchte“, sagte der Jurist und nahm die sportliche Leitung in die Pflicht. An Trainer Stefan Leitl und Sportdirektor Benjamin Weber sei es nun, „die richtigen Schlüsse zu ziehen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.“ 

Zukunftsplan soll Ziele definieren

Leitl und Weber hatten von Geschäftsführer Peter Görlich schon eine Job-Zusage für die kommende Saison erhalten. Görlich und sein Kompagnon als Geschäftsführer, Ralf Huschen, wiederum bekamen von Drescher das Vertrauen ausgesprochen. Mit einem Zukunftsplan wolle man bei der bekanntermaßen engen Finanzlage ein realistisches Zukunftsszenario entwerfen. 

Soll heißen: Ob auch für die kommende Spielzeit wieder optimistisch die Bundesliga-Rückkehr das Saisonziel ist, kann erst im Sommer definiert werden, wenn klar ist, wie schlagkräftig das Team sein wird. Um Geld einzunehmen, werden Leistungsträger zum Verkauf stehen. Über die Berliner Zukunft von Teenager Kennet Eichhorn oder Torwart Tjark Ernst wird längst debattiert.

Nächster Umbruch im Sommer?

Ob Unterschiedsspieler Reese dann noch vorangeht, ist gar nicht mehr so klar. „Ich bin tierisch enttäuscht von dem heutigen Spiel. Und was im Sommer passiert, müssen wir schauen“, hatte der Offensivstar nach der nächsten Enttäuschung gegen Kiel einen Tag zuvor gesagt. 

Die Niederlage war Kulminationspunkt für alle Saison-Malaisen. Spielerisch überlegen, aber fahrlässig in der Chancenverwertung und ein bisschen Pech, auch bei zwei Entscheidungen des Video-Referees, aber eben insgesamt nicht cool und gierig genug. 

„Dann hat man es nicht verdient, weiter in der Tabelle oben zu stehen. Ich will gar nicht irgendwie über ganz oben reden, aber auch keinen Platz höher, als wir es gerade sind. Wir haben zu wenig Spieler, die verlässlich viele Tore schießen, und dann kann man nicht sehr gut bestehen in der 2. Liga“, kritisierte Reese.

Klein verlor bei der Wahl zum Chef des Hertha-Aufsichtsrates. Christoph Soeder/dpa

Klein verlor bei der Wahl zum Chef des Hertha-Aufsichtsrates. Christoph Soeder/dpa

© Christoph Soeder/dpa