dpa

Heimliche Aufnahmen - Sorge um smarte Brillen im Schwimmbad

Heimliche Aufnahmen im Schwimmbad? Smarte Brillen machen es möglich – und sind kaum von Sonnenbrillen zu unterscheiden. Wie Bäder jetzt reagieren und was das für Besucher bedeutet.

25.06.2026

Smarte Brillen im Schwimmbad? Wer glaubt, das LED-Lämpchen schützt vor heimlichen Aufnahmen, irrt. (Symbolfoto)Christoph Schmidt/dpa

Smarte Brillen im Schwimmbad? Wer glaubt, das LED-Lämpchen schützt vor heimlichen Aufnahmen, irrt. (Symbolfoto)Christoph Schmidt/dpa

© Christoph Schmidt/dpa

Stuttgart (dpa/lsw) -Baden-Württembergs öffentliche Schwimmbäder ziehen die Reißleine: Smarte Datenbrillen sollen künftig ausdrücklich verboten werden, um heimliche Aufnahmen zu unterbinden. Die Arbeitsgemeinschaft öffentliche Bäder Baden-Württemberg (Arge) reagiert damit auf wachsende Missbrauchsrisiken. „Die Risiken für den Alltag schätze ich doch relativ hoch. Daher werden wir dieses Thema auch in unseren Haus- und Badeordnungen aufnehmen müssen“, sagte der Arge-Vorsitzende Necdet Mantar auf dpa-Anfrage. 

Smart Glasses kann man nicht auf Anhieb erkennen 

Für die Mitarbeitenden in den Bädern sei es schwierig, solche Brillen zu erkennen, sagt Mantar. „Besonders deshalb, weil auch renommierte Hersteller solche Smartglases produzieren.“ Diese seien von normalen Sonnenbrillen nicht oder nur sehr schwer zu unterscheiden. 

Smart Glasses sind mit einer Kamera und Mikrofon ausgestattete Brillen, die sich optisch kaum von gewöhnlichen Brillen unterscheiden. In sozialen Netzwerken und Online-Foren haben sich laut SWR inzwischen regelrechte Gemeinschaften von Smart-Glasses-Nutzern gebildet, die sich gegenseitig Tipps geben, wie sich Frauen unbemerkt etwa beim Sex filmen lassen.

Können Spanner das LED-Blinken an der Datenbrille austricksen?

Ja, die Leuchte kann leicht manipuliert werden. Findige Bastler löten das Lämpchen einfach aus - dann filmt die Brille ohne jedes sichtbare Signal, schreibt das Portal Netzpolitik.org. „Im Netz kursieren zahlreiche Anleitungen, um heimlich mit der Brille filmen zu können.“ Für Umstehende sei nicht unbedingt zu erkennen, ob die Brille gerade aufnehme, zum Beispiel bei hellem Sonnenschein oder Gegenlicht. Für Sprachaufnahmen gebe es überhaupt keinen Hinweis. Laut Meta kann das Mikrofon mindestens im Umkreis von zwei Metern aufnehmen.

Über den Missbrauch von Smart Glasses gibt es bisher nicht viele Erkenntnisse. Doch die Schwimmbäder wappnen sich. (Symbolbild)Christoph Schmidt/dpa

Über den Missbrauch von Smart Glasses gibt es bisher nicht viele Erkenntnisse. Doch die Schwimmbäder wappnen sich. (Symbolbild)Christoph Schmidt/dpa

© Christoph Schmidt/dpa

Bußgelder für heimliche Aufnahmen

Laut dem Landesdatenschutzbeauftragten Tobias Kerber gilt für die Aufnahmen durch Smart Glasses das Gleiche wie für Aufnahmen durch Handys oder Fotokameras. „Mit Geräten, die kaum von gewöhnlichen Brillen zu unterscheiden sind, ist es noch leichter möglich, Aufnahmen Betroffener auch unbemerkt von diesen anzufertigen, da lediglich ein kleines Licht auf eine laufende Aufnahme hindeutet, was je nach Situation sehr schwer erkennbar sein kann.“

Wenn man Smart Glasses benutzt, um etwa im Urlaub Fotos seiner Familie zu machen, ist das laut Kerber kein Problem. Dies falle unter die Haushaltsausnahme. „Finden die Aufnahmen auch mit dem Ziel statt, diese gegebenenfalls in den sozialen Medien der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, liegt kein Fall mehr der Haushaltsausnahme vor.“ In Schwimmbädern seien Kinder, Jugendliche, Erwachsene oftmals leicht bekleidet. „Wer heimlich von Menschen Aufnahmen macht und ihre Privatsphäre verletzt, muss mit einem Bußgeld rechnen.“

Ausmaß des Missbrauchs nicht bekannt

Über den Missbrauch solcher Brillen gebe es nicht viel Erkenntnisse, sagte Mantar. Eine bundesweite Empfehlung oder Handhabung auch nicht. Laut der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) sind Foto- und/oder Videoaufnahmen anderer Menschen ohne deren Einwilligung in öffentlichen Schwimmbädern untersagt. „Die Konkretisierung dieser Regelung, die in Potsdam vorgenommen wurde, unterstreicht das Verbot unzulässiger Aufnahmen zusätzlich“, ließ Frank Achtzehn von der Abteilung Regelwerk und Beratung bei der DGfdB wissen. 

Mit smarten Brillen kann man heimlich Videos aufnehmen. (Symbolbild)Bernd Weißbrod/dpa

Mit smarten Brillen kann man heimlich Videos aufnehmen. (Symbolbild)Bernd Weißbrod/dpa

© Bernd Weißbrod/dpa

Wie regeln andere Bäder das in Deutschland?

In Potsdam sollen Smart Glasses künftig ausdrücklich in die Haus- und Badeordnung aufgenommen werden. Anders als in Potsdam sollen in den Berliner Schwimmbädern Smart Glasses nicht explizit verboten werden. Foto- und Filmaufnahmen fremder Menschen seien in der Haus- und Badeordnung ohnehin verboten, teilten die Bäder-Betriebe auf dpa-Anfrage mit. „Das Verbot bezieht sich auf alle Geräte, mit denen Foto- und Filmaufnahmen möglich sind, schließt also Smart Glasses ein.“

Mehrheit sieht heimliches Filmen im Privaten als Problem

Die Sensibilität für dieses Thema - dessen Ausmaße nicht genau bekannt sind - zeigt eine kürzlich veröffentlichte repräsentative Umfrage. Eine große Mehrheit hält demnach heimliches Filmen in privaten oder intimen Momenten für ein gesellschaftliches Problem. 85 Prozent der Befragten sehen geheime Filmaufnahmen - etwa in der Sauna oder im Bikini am Strand - als „sehr großes Problem“ (47 Prozent) oder als „großes Problem“ (38 Prozent). Unter den befragten Frauen lag der Gesamtwert bei 89 Prozent. 

Für die Umfrage hatte das Institut Infratest Dimap im Auftrag des „team.recherche“ des SWR Ende März 1.316 Wahlberechtigte per Telefon und online befragt. Die Untersuchung ist Teil einer SWR-Dokumentation über digitale Gewalt, mit einem besonderen Fokus auf Smart Glasses.

Heimliche Aufnahmen sind in Schwimmbädern verpönt. Doch die Technik schreitet voran. (Symbolbild) Thomas Warnack/dpa

Heimliche Aufnahmen sind in Schwimmbädern verpönt. Doch die Technik schreitet voran. (Symbolbild) Thomas Warnack/dpa

© Thomas Warnack/dpa