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Haseloff: Chemiebranche braucht „Boden unter den Füßen“

Wie geht es langfristig weiter mit den Anlagen des Chemieunternehmen Domo Chemicals? Derzeit ist das ungewiss. Ministerpräsident Haseloff dringt auf mehr Unterstützung für die Branche.

14.01.2026

Ministerpräsident Reiner Haseloff will ausreichend Unterstützung für die Chemiebranche. (Archivbild)Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Ministerpräsident Reiner Haseloff will ausreichend Unterstützung für die Chemiebranche. (Archivbild)Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Ministerpräsident Reiner Haseloff hat die Bedeutung der Chemieindustrie hervorgehoben. Deutschlands Leitbranchen Chemie und Automotive benötigten besonderen Schutz, sagte der CDU-Politiker beim Neujahrsempfang der Wirtschaft in Halle. Die Industrie steht derzeit stark unter Druck. Etwa hatte jüngst das belgische Chemieunternehmen Domo Chemicals an seinen deutschen Standorten in Sachsen-Anhalt und Brandenburg wegen Insolvenz seine Anlagen heruntergefahren. Das Land Sachsen-Anhalt verschafft nun Zeit, doch noch einen Investor zu finden. 

„Was wir seit 1990 erfolgreich aufgebaut haben, wollen wir erhalten“, sagte der 71-Jährige. Es dürfe politisch nicht zugelassen werden, dass die Chemiebranche zerstört wird. „Die Branche braucht wieder einen Boden unter den Füßen“, sagte Haseloff. Momentan fahre sie jedoch in „einem ganz schweren Fahrwasser“. 

Domo kämpft in Sachsen-Anhalt und Brandenburg ums Überleben

Der Neujahrsempfang wurde von der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau sowie von der Handwerkskammer Halle veranstaltet. Zu Gast waren unter anderem auch Bundeskanzler Friedrich Merz sowie Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (beide CDU). Schulze soll zeitnah Nachfolger von Haseloff werden. Der Schritt soll Schulze ermöglichen, vor der Landtagswahl am 6. September die Regierung zu führen.

Am Domo-Standort in Leuna war zunächst entschieden worden, die Anlagen in einen Notbetrieb herunterzufahren. Wenige Tage danach hatte das Land Sachsen-Anhalt jedoch nach Angaben eines Sprechers des Insolvenzverwalters von Domo, Flöther & Wissing, den Weiterberieb angeordnet. Grund dafür seien demnach „Gründe der Gefahrenabwehr“. Eine Stilllegung der Produktion sei „damit vorerst vom Tisch“, hieß es. 

Viele Beschäftige müssen um ihren Job bangen

Die Insolvenz der drei Tochtergesellschaften von Domo könnte auch Auswirkungen auf andere Firmen in der Region haben, etwa solche, die Stoffe an Domo liefern. In Leuna und Premnitz wurde vor allem Kunststoff produziert, der unter anderem in der Automobilindustrie sowie in der Elektro- und Elektronikbranche weiterverarbeitet wird. Die drei Unternehmen gehören zu Domo Chemicals, einer Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Gent (Belgien). 

Laut der Gewerkschaft IG BCE arbeiten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Ostdeutschland rund 63.000 Menschen. Nach Angaben der IG BCE erwirtschaften sie einen Jahresumsatz von über 30 Milliarden Euro. 

Die meisten Domo-Mitarbeitenden sind in Leuna beschäftigt, bei der Domo Chemicals GmbH sind es rund 35, bei der Domo Caproleuna GmbH etwa 480. In Premnitz in Brandenburg hat die Domo Engineering Plastics GmbH rund 70 Mitarbeitende.