dpa

Hamburg Wasser erhöht Gewinn – Preise könnten steigen

Das städtische Unternehmen Hamburg Wasser erzielt mehr Gewinn und plant Investitionen in Milliardenhöhe. Dennoch müssen Verbraucher mit steigenden Preisen rechnen.

10.06.2026

Die Chefs von Hamburg Wasser wollen bis 2029 mehr als eine Milliarde Euro investieren.Marcus Brandt/dpa

Die Chefs von Hamburg Wasser wollen bis 2029 mehr als eine Milliarde Euro investieren.Marcus Brandt/dpa

© Marcus Brandt/dpa

Das städtische Unternehmen Hamburg Wasser hat seinen Gewinn im vergangenen Jahr um 7,6 Millionen auf 113,8 Millionen Euro gesteigert. Der Konzernumsatz sei von 673,5 Millionen auf 701,6 Millionen Euro gestiegen, sagte der kaufmännische Geschäftsführer Frank Herzog bei der Präsentation der Jahreszahlen. Trotzdem geht er von steigenden Preisen für die Verbraucher aus. „Wir wollen uns im Rahmen (...) der Inflationsrate und vielleicht etwas darüber bewegen“, sagte Herzog.

Wasserverkauf bringt gut 36 Millionen Euro für die Stadt

Der Ertrag aus dem Trinkwasserverkauf sei um 1,3 Millionen Euro auf 36,2 Millionen Euro leicht gesunken und fließe in den Haushalt der Hansestadt Hamburg. Das Ergebnis der Abwassersparte betrage 76,9 Millionen Euro. Dieser Überschuss wiederum gehe in die Rücklagen für Kanalisation und Klärwerk.

Hamburg Wasser versorgte 2025 rund 2,3 Millionen Menschen mit 117,6 Millionen Kubikmetern Wasser. Der Wasserabsatz stieg um 1,7 Prozent, die gereinigte Abwassermenge sank wegen des trockenen Wetters um 14,7 Prozent.

Mehr als eine Milliarde Euro Investitionen bis 2029

Bis 2029 will das städtische Unternehmen gut 1,15 Milliarden Euro investieren. Im Trinkwasserbereich sollen dabei 239 Millionen Euro in die Netze fließen, im Abwasserbereich seien es 442 Millionen Euro. „Und für die Anlagen haben wir im Wasserbereich 173 Millionen und im Abwasserbereich 301 Millionen Euro“, sagte Herzog.

Nach Angaben des technischen Geschäftsführers Martin Gerhardt wird gut ein Drittel der Investitionen – pro Jahr 40 bis 50 Millionen Euro – für die Erneuerung des Trinkwassernetzes verwendet. Viele Leitungen stammen noch aus der Nachkriegszeit und müssen ersetzt werden. Bis 2035 sollen insgesamt rund 267 Kilometer Leitungen erneuert werden – etwa fünf Prozent des Gesamtnetzes, wie Gerhardt sagte.

Wasserverlustrate in Hamburg liegt bei unter vier Prozent

Generell sei das Netz aber in einem guten Zustand. Die Wasserverlustrate liege bei unter vier Prozent und damit unter dem Bundesdurchschnitt von sechs Prozent. In Metropolen wie Paris oder London betrage sie mehr als 20 Prozent. Die Zahl der Rohrbrüche bezifferte Gerhardt auf rund 400 pro Jahr. Besonders im Winter führten Frost und Bodenbewegungen zu Schäden, vor allem an älteren Graugussrohren.

Allein in die Netze wollen sie mehr als 680 Millionen Euro stecken. Marcus Brandt/dpa

Allein in die Netze wollen sie mehr als 680 Millionen Euro stecken. Marcus Brandt/dpa

© Marcus Brandt/dpa

Besorgt zeigte sich Gerhardt wegen des Klimawandels, der auf die Arbeit des Wasserversorgers großen Einfluss habe. „Wir haben heißere Sommer, trockenere Sommer, aber zugleich auch Starkregen.“ Und deshalb seien in Zukunft Speicher und Flexibilität im Wassersystem extrem wichtig. Das vergangene hydrologische Halbjahr von November bis April sei im Schnitt um 20 Prozent zu trocken gewesen. Der Grundwasserneubildung helfe das natürlich nicht, sagte Gerhardt.

Trinkwasserproduktion auf bis zu 500.000 Kubikmeter ausbauen

Mit Blick auf den Klimawandel will Hamburg Wasser die Trinkwasserproduktion bis 2030 ausbauen. Durch Investitionen in bestehende Wasserwerke soll die maximale Tagesabgabe von derzeit 460.000 auf 500.000 Kubikmeter steigen.

Weil Klärschlamm ab 2029 kaum noch in der Landwirtschaft genutzt werden darf, setzen die Hamburger auf die Anlagen Vera I und Vera II. Sie sollen jährlich bis zu 97.000 Tonnen Klärschlamm verarbeiten, darunter auch Mengen aus Lübeck und vom Abwasserzweckverband Südholstein. Aus der Asche soll zudem Phosphor zurückgewonnen werden. Vera II soll Anfang kommenden Jahres in Betrieb gehen, wie Gerhardt sagte.

Kosten für Vera II komplett aus dem Ruder gelaufen

Die Kosten für Vera II stiegen von ursprünglich 196 Millionen auf inzwischen 297,2 Millionen Euro. In der Folge wurde die damalige Unternehmensspitze ausgetauscht. Einschließlich zweier Parallelprojekte liegt das Budget nach Angaben von Gerhardt bei 325 Millionen Euro. Die Anlage soll zur größten Klärschlammverbrennungsanlage Deutschlands werden.