Haft-Lehren für Hoeneß: Demut und soziale Verantwortung
Seit zehn Jahren ist für Uli Hoeneß die Zeit im Gefängnis vorbei. Jetzt erzählt er, was am Tag seiner Entlassung passiert ist und was er aus der Zeit mitgenommen hat.
Uli Hoeneß hat über seine Zeit im Gefängnis erzählt. (Archivbild)Peter Kneffel/dpa
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Zehn Jahre nach seiner Haft-Entlassung hat Uli Hoeneß seinen Gefängnis-Aufenthalt wegen Steuerhinterziehung als „wichtigen Teil“ seines Lebens bezeichnet. „Ich habe in der damaligen - vor allem für meine Familie sehr schwierigen Zeit - einiges für mein Leben mitnehmen können und danach auch einiges anders gesehen“, sagte der Ehrenpräsident des FC Bayern im „Bild“-Interview: „Demut. Soziale Verantwortung. Das war mir immer wichtig, aber es wurde noch verstärkt.“
Für ihn sei es „fast unvorstellbar, dass es schon so lange her ist“, sagte der 74-Jährige mit Blick auf seine Haft-Entlassung am 29. Februar 2016: „Ich werde die letzte Nacht im Gefängnis nicht vergessen. Alle Journalisten haben gedacht, dass ich an dem 29. Februar gegen Mittag aus der JVA aus dem Tor marschiere. Keiner hatte damit gerechnet, dass mich die Gefängnis-Leitung schon um kurz nach 0 Uhr entlassen würde. Meine Frau und mein Sohn haben mich abgeholt.“
Zu Hause am Tegernsee angekommen, hätten dort viele Freunde gewartet, „sogar eine Blaskapelle hat vier, fünf Lieder gespielt. Wir haben dann bis morgens um 5 Uhr Schafkopf gespielt. Unvergesslich.“
Hoeneß: Und dann erzählt dir ein Mörder seine Lebensgeschichte
Kontakte zu Mithäftlingen pflegt er heute keine mehr. „Wenn man morgens aufwacht und ein Mörder sitzt vor deinem Bett und erzählt dir seine Lebensgeschichte, weiß man nicht, ob man das unbedingt erleben will“, sagte Hoeneß.
Er habe in dieser Zeit etwa 5.500 Briefe erhalten, die ihn auch zu Tränen gerührt hätten. Der langjährige Erfolgs-Manager der Bayern bewahrt diese Briefe noch immer auf. „Ich habe sie in einer großen Kiste und schaue ab und zu mal rein.“