Kriminalstatistik: Weniger Straftaten, mehr häusliche Gewalt
Laut polizeilicher Kriminalstatistik wurden 2025 weniger Straftaten erfasst – doch bei häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffen stiegen die Fallzahlen deutlich.
Innenminister Christian Pegel (SPD) hat die polizeiliche Kriminalstatistik für 2025 in Schwerin vorgestellt.Philip Dulian/dpa
© Philip Dulian/dpa
Die Polizei hat im vergangenen Jahr weniger Straftaten in Mecklenburg-Vorpommern registriert als im Vorjahr. 2025 wurden in der polizeilichen Kriminalstatistik 103.901 Fälle erfasst, wie das Innenministerium mitteilte. Ein Jahr zuvor waren es 108.544 Fälle. Die Aufklärungsquote lag demnach bei mehr als 63 Prozent und damit zum zweiten Mal in Folge über der 62-Prozent-Marke der vergangenen Jahre. Demnach lag die Quote konstant über dem Bundesdurchschnitt.
In einigen Bereichen sind die Fallzahlen laut Statistik allerdings gestiegen. MV werde zwar insgesamt sicherer, es gebe jedoch noch Herausforderungen, so das Ministerium. Ein Überblick:
Häusliche Gewalt
Laut offiziellen Zahlen erreichte die häusliche Gewalt ein Allzeithoch seit 1990: Die Polizei registrierte 5.204 Fälle im vergangenen Jahr und damit knapp 200 mehr als 2024. Eine Aussage zur Dunkelziffer oder dazu, wie oft häusliche Gewalt tatsächlich angezeigt werde, sei nicht möglich, sagte Pegel.
In zwei von drei Fällen handelte es sich dem Ministerium zufolge um Körperverletzungsdelikte. Zudem habe es neun Tötungsdelikte gegeben, in vier Fällen starben Menschen. Die Aufklärungsquote lag bei 99,7 Prozent.
Noch nie hat die Polizei mehr Fälle häuslicher Gewalt in MV registriert. (Symbolbild)Fabian Sommer/dpa
© Fabian Sommer/dpa
Innenminister Christian Pegel nannte die Zahlen alarmierend und warb für einen besseren Schutz der Betroffenen, etwa durch die Einführung der elektronischen Fußfessel für Intensivtäter häuslicher Gewalt. „Wenn sich ein Täter trotz Verbot annähert, muss das Opfer sofort gewarnt werden können“, sagte der SPD-Politiker.
Missbrauch und Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
Auch die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stieg demnach, und zwar um 28,2 Prozent auf 2.573 Fälle. Davon hätten 90 Prozent aufgeklärt werden können. Beim sexuellen Missbrauch von Kindern waren es im vergangenen Jahr 342 Fälle und damit 13,2 Prozent mehr als im Vorjahr.
Beim Erwerb und Besitz sowie der Herstellung und Verbreitung kinderpornografischer Inhalte stieg die Zahl sogar um 60,2 Prozent auf 966. Grund war laut Ministerium unter anderem, dass mehr Hinweise über internationale Meldeplattformen eingegangen seien. Dies sei das Ergebnis einer internationalen Vernetzung und konsequenter Meldeprozesse, sagte Pegel. „Jeder Hinweis ist eine Chance, Kinder zu schützen.“
Zudem begünstigten Smartphones die Verbreitung strafbarer Inhalte. Pegel sprach von einem Aufklärungsproblem, da viele Kinder und Jugendliche unwissentlich strafbare Inhalte verbreiteten. Von den 792 ermittelten Tatverdächtigen im Zusammenhang mit Kinderpornografie seien 402 und damit jeder Zweite minderjährig gewesen.
Diebstahl und Cyberkriminalität
Die Zahl der Diebstahlsdelikte ging in der Statistik auf 27.535 Fälle zurück. Weniger habe es nur 2020 und 2021 gegeben. Die Aufklärungsquote lag bei 36,5 Prozent. Der Wohnungseinbruchdiebstahl lag demnach mit 933 Fällen auf dem Vorjahresniveau. In diesem Bereich wolle das Innenministerium Prävention und Beratungsangebote weiter ausbauen, sagte Pegel.
Die Fallzahlen bei Vermögens- und Fälschungsdelikten gingen laut Statistik ebenfalls zurück. Beim Thema Cyberkriminalität sei die Entwicklung weiter rückläufig. Im vergangenen Jahr seien 611 Fälle in die Statistik eingegangen, im Vorjahr seien es 741 Fälle gewesen.
Mord, Totschlag, Körperverletzung und Messerangriffe
45 Straftaten gegen das Leben wurden in MV registriert, zwei weniger als im Vorjahr und damit im Rahmen des mehrjährigen Mittels, wie es hieß. Bei den Totschlagsdelikten waren es erneut 24 Fälle, darunter 17 Versuche. Zudem wurden sieben Morddelikte erfasst (fünf Versuche), drei weniger als im Jahr zuvor. Bei ihnen habe die Aufklärungsquote bei 100 Prozent gelegen.
Der Ton und die Form der Auseinandersetzungen seien seit der Corona-Pandemie „sehr rabiat“ geworden, sagte Pegel. Die Zahl der Körperverletzungsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit – dazu zählen Bedrohung und Nötigung – stieg laut Kriminalstatistik von 20.033 auf 20.358 Fälle. Bei den Bedrohungsdelikten sei die Fallzahl leicht auf 445 gestiegen, die Zahl der Körperverletzungen habe mit 12.172 auf dem Vorjahresniveau gelegen.
Insgesamt ist die Zahl der Straftaten in MV laut Polizei im vergangenen Jahr gesunken. (Symbolbild)Sina Schuldt/dpa
© Sina Schuldt/dpa
In der Statistik werden zudem 540 Fälle von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gleichgestellte Personen aufgeführt sowie 519 tätliche Angriffe auf diese Personengruppe. Das seien etwas weniger als im Jahr zuvor. Fast immer seien Polizistinnen und Polizisten betroffen gewesen (96,4 Prozent).
Im vergangenen Jahr wurden demnach insgesamt 476 Messerangriffe dokumentiert, etwas mehr als im Vorjahr. Seit 2020 werden Messerangriffe dem Ministerium zufolge bundesweit gesondert erfasst. „Gezählt werden Taten, bei denen ein Messer direkt gegen eine Person eingesetzt oder damit gedroht wird.“