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HSV-Debakel gegen Mainz: Polzin ist gefordert

0 Punkte, 0 Tore - der HSV hat einen Bundesliga-Fehlstart hingelegt. Trainer Merlin Polzin beschönigt nach dem 0:5 gegen Mainz nichts. Er ist jetzt gefragt. Dass er Krise kann, hat er schon bewiesen.

07.09.2026

Frust beim HSV nach dem 0:5 gegen Mainz 05Daniel Bockwoldt/dpa

Frust beim HSV nach dem 0:5 gegen Mainz 05Daniel Bockwoldt/dpa

© Daniel Bockwoldt/dpa

Merlin Polzin redete Klartext. Viel anderes blieb dem Trainer des Hamburger SV nach dem desolaten 0:5 gegen den FSV Mainz 05 im ersten Saison-Heimspiel der Fußball-Bundesliga nicht übrig. Jeder Versuch einer Analyse oder einer Erklärung hätte wie Schönrednerei gewirkt. Und genau dafür ist Polzin nicht zu haben. 

„Das Spiel hat jeder gesehen. Das Ergebnis spricht für sich. Maximal beschissener Nachmittag für uns, völlig verdient verloren“, sagte der 35-Jährige und fasste damit den Auftritt seiner Mannschaft im Stakkato-Stil treffend zusammen. Aus der Emotion heraus wolle er keine Erklärungen finden. 0 Punkte, 0:7 Tore, Tabellenplatz 18 - die nackten Zahlen sprechen ohnehin für sich. 

Ist gefordert: HSV-Trainer Merlin PolzinDaniel Bockwoldt/dpa

Ist gefordert: HSV-Trainer Merlin PolzinDaniel Bockwoldt/dpa

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Der Transfer-Euphorie folgte die Bundesliga-Ernüchterung

Noch fünf Tage zuvor kam rundum den HSV so etwas wie Euphorie auf. Am letzten Tag der Transferperiode hatten die Hamburger in Mittelfeld-Motor Fabio Vieira, Rechtsverteidiger Zakaria El Ouahdi und Linksverteidiger David Möller Wolfe drei Verstärkungen unter Vertrag genommen und die Hoffnung auf das nächsthöhere Level geschürt. 

In der Bundesliga-Wirklichkeit gegen die Mainzer war davon nichts zu sehen. El Ouahdi und Wolfe standen gleich in der Startelf, der Fan-Liebling und mutmaßliche Heilsbringer Fabio Vieira kam zur zweiten Halbzeit. Sie gingen mit der gesamten Mannschaft unter. Immerhin war es Fabio Vieira, der mit einem Freistoß den einzigen HSV-Schuss auf das Tor der Gäste abfeuerte.

Mit sechs Zugängen starteten die Hamburger, dazu noch Albert Grönbaek, der in der Schlussphase der vergangenen Saison zu Einsätzen gekommen war und in diesem Sommer fest verpflichtet wurde. Es passte nur wenig. „So hat kein Gegner in der Bundesliga Probleme mit uns“, stellte Polzin ernüchtert fest. 

Umsetzungsprobleme beim HSV 

Nicht nur die Leistung in Spiel nach vorn war bedenklich. Auch in der Defensive gab es erschreckende Fehler und Aussetzer wie von Verteidiger Jordan Torunarigha oder von Kapitän Nicolai Remberg, dessen Fehlpass die Führung der Mainzer durch Sheraldo Becker ermöglichte. Sebastiaan Bornauw wirkt als Nachfolger des überragenden Luka Vuskovic als Abwehrchef noch überfordert. 

„Die Abläufe sind nicht so schwer zu verstehen, aber die dann umzusetzen, ist ja immer die Challenge“, sagte Remberg. „Das ist ein Nackenschlag, aber kein Beinbruch.“

Erinnerungen an den Saisonbeginn vor einem Jahr

Viele fühlen sich an die Situation im vergangenen Jahr erinnert, als die Hamburger erstmals seit sieben Jahren wieder in der Bundesliga spielten. Nach zwei Spieltagen hatten sie immerhin einen Punkt, aber ebenfalls noch null Tore und eine Niederlage gegen den ungeliebten Stadtrivalen FC St. Pauli im eigenen Stadion hinter sich. 

Dann kamen die Verpflichtungen von Vuskovic, Vieira und Albert Sambi Lokonga. Zwar gab es am dritten Spieltag ein 0:5 beim FC Bayern, doch dann folgte der erste Sieg zu Hause gegen den 1. FC Heidenheim (2:1) und ein Heimspiel später ein 4:0 gegen Mainz 05. Am Ende der Saison stand der souveräne Klassenerhalt als Tabellen-13.

Ähnlich soll es auch in dieser Saison laufen. „Ich denke, heute waren wir in vielen Dingen einfach nicht am Maximum, deswegen müssen wir aus solchen Dingen lernen“, sagte Torhüter Daniel Heuer Fernandes. 

Wurde gegen Mainz 05 oft im Stich gelassen: HSV-Torwart Daniel Heuer Fernandes (2.v.r.) Daniel Bockwoldt/dpa

Wurde gegen Mainz 05 oft im Stich gelassen: HSV-Torwart Daniel Heuer Fernandes (2.v.r.) Daniel Bockwoldt/dpa

© Daniel Bockwoldt/dpa

Polzin: „Brauchen Zeit“

Diesen Lernprozess in dem neu formierten Kader anzustoßen, ist in der Verantwortung von Polzin und seines Trainer-Teams mit Loic Favé und Richard Krohn. Dem Trio ist das schon vor einem Jahr mit der damaligen Mannschaft eindrucksvoll gelungen. 

„Natürlich brauchen wir Zeit, um die Verbindungen zu stärken, um in die Abläufe hereinzukommen. Was völlig normal ist, wenn du viele Veränderungen hast, die die Startelf oder die Spieler selbst betreffen. Das wissen wir“, sagte Polzin. „Nichtsdestotrotz geht es auch anders, kannst du ganz andere Dinge auf den Platz bringen, um so ein Ergebnis nicht zustande zu bringen.“