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Gutachten: Kein Missbrauch von Schufa-Daten in der NS-Zeit

Welche Rolle spielte die Schufa 1933 bis 1945? Hinweise auf Missbrauch der Auskunftei-Daten durch die Nationalsozialisten finden sich nicht. Doch die jüdischen Gründer wurden hinausgedrängt.

28.09.2026

Die Schufa berechnet anhand gewaltiger Datenmengen, für wie kreditwürdig sie Verbraucher hält. Anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens hat die Auskunftei einen tieferen Blick in ihre Geschichte zur Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) geworfen. (Symbolbild)picture alliance/dpa

Die Schufa berechnet anhand gewaltiger Datenmengen, für wie kreditwürdig sie Verbraucher hält. Anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens hat die Auskunftei einen tieferen Blick in ihre Geschichte zur Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) geworfen. (Symbolbild)picture alliance/dpa

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Die Schufa hat anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens 2027 ihre Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus erstmals umfassend von unabhängigen Wissenschaftlern untersuchen lassen. Das Fazit der Geschichtsagentur D.I.E. Firmenhistoriker: „Nach allen derzeit verfügbaren Quellen lässt sich kein Missbrauch des von ihr erstellten Karteikartenarchivs für die Zwecke des NS-Regimes nachweisen.“ 

Doch die drei jüdischen Gründer der Kreditauskunftei, die Brüder Kurt und Walter Gerhard Meyer sowie Robert Kauffmann, wurden nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten „systematisch aus ihren Funktionen verdrängt und zur Emigration gezwungen“, wie Firmenhistoriker-Geschäftsführer Rainer Lächele, schildert. Auch die jüdischen Mitglieder des Verwaltungsausschusses der 1927 in Berlin gegründeten „Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung und Kreditsicherung“ verloren ihre Posten im Laufe des Jahres 1933.

„Nicht im unmittelbaren Fokus“ der Nationalsozialisten

Im Auftrag der Schufa haben die Historiker Matthäus Wehowski, Rainer Lächele und Dennis Basaldella die Unternehmensgeschichte der Auskunftei, die heute in Wiesbaden ihren Sitz hat, in den Jahren 1927 bis 1945 untersucht. Eine zentrale Frage dabei: Welche Rolle spielte die Schufa im wirtschaftlichen System des
Nationalsozialismus und war sie organisatorisch in den Apparat der Nationalsozialisten eingebunden? 

„Die Schufa war in der NS-Zeit ein wirtschaftlich relevantes Unternehmen, das zunächst in einer Nische operierte und deshalb nicht im unmittelbaren
Fokus der nationalsozialistischen Gleichschaltung stand“, sagt Lächele. Die von der Schufa gespeicherten Daten bezogen sich dem 85-seitigen Gutachten zufolge auch in den Anfangsjahren der Auskunftei ausschließlich auf wirtschaftliche Aspekte wie Zahlungsfähigkeit und Kreditverhalten. Daten wie Religionszugehörigkeit, politische Einstellung oder Abstammung wurden nicht gespeichert. Auf eine gezielte Nutzung zur politischen oder rassistischen Verfolgung gebe es keine Hinweise.

Mächtiger Datenpool

Die Schufa - die Abkürzung steht heute für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ - verfügt aktuell nach eigenen Angaben über Informationen zu 68 Millionen Menschen in Deutschland. Die Berechnungen zur Bonität von Auskunfteien wie Schufa, Creditreform oder Crif sind für Banken, Versandhändler, Mobilfunkanbieter und Energielieferanten ein wichtiger Maßstab. Sie wollen wissen, wie es um die Zahlungsmoral ihrer Kundschaft bestellt ist, bevor Verträge geschlossen und Waren übergeben werden.

Die 2001 gegründete D.I.E. Firmenhistoriker GmbH hat sich auf Unternehmens- und Wirtschaftsgeschichte spezialisiert. Für das Schufa-Gutachten recherchierten die Historiker nach eigenen Angaben in 74 verschiedenen Archiven, Institutionen und Datenbanken in Deutschland, Polen, den Vereinigten Staaten, Argentinien und der Schweiz. Das Gebäude der Schufa in Berlin und damit auch das dortige Archiv war nach einem Bombenangriff 1945 ausgebrannt.